Alte Apfelsorten sind vom Aussterben bedroht

Von: Jessica Küppers
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Hubert Schippers, Vorsitzender der Nabu-Ortsgruppe Geilenkirchen, kümmert sich um die alten Streuobstwiesen wie in Frelenberg. Die alten Wiesen sind an der charakteristischen Heckeneinfassung zu erkennen (rechts). Foto: H. Schippers (3), J. Küppers (1)
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Mit dem Verschwinden der Streuobstwiesen geht auch der Bestand alter Obstsorten zurück.
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Zur Bestimmung der Bäume sind Früchte und Blüten relevant. Foto: H. Schippers (3), J. Küppers (1)
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Zur Bestimmung der Bäume sind Früchte und Blüten relevant.

Kreis Heinsberg. Es steht schlecht um den Langbroicher Süßapfel – Spitzname Bröker. Die einst so weit verbreitete Sorte im alten Kreis Geilenkirchen ist heute weitgehend ausgestorben.

Wie viele andere alte Sorten kann man die heimische Frucht nicht im Supermarkt kaufen. Denn dort ist die Vielfalt überschaubar geworden. Anlässlich des Tages des deutschen Apfels am kommenden Montag lohnt es sich daher besonders, einen Blick auf die alten Sorten zu werfen. Dazu zählen unter anderem Gravensteiner, Cox Orange, Doppelter Neuhäuser und der Seestermüher Zitronenapfel.

Einer, dem diese Namen bestens bekannt sind, ist Hubert Schippers, Vorsitzender der Ortsgruppe des Naturschutzbundes (Nabu) Geilenkirchen. Er hat sich im vergangenen Jahr mit den alten Obstbäumen auf den Streuobstwiesen im Kreis Heinsberg auseinandergesetzt und längst vergessene Apfel-, Birnen- und Kirschsorten wiedergefunden. Auch die Geschichte der Früchte ist mitunter interessant und lässt noch immer Rückschlüsse auf Geschmack, Aussehen und Konsistenz zu – wie auch beim Bröker.

Als Süßapfel ist er bis heute nicht zum direkten Verzehr geeignet. Anders als viele Tafeläpfel fehlt ihm Säure und das Fruchtfleisch ist eher trocken. Seine außergewöhnliche Beliebtheit im Kreis Heinsberg geht auf die Krautfabriken zurück. Dort wurden die Süßäpfel massenweise zu Apfelkraut verarbeitet. Doch als die Fabriken schlossen, ging auch der Bestand des Langbroicher Süßapfels stark zurück.

Heute kenne er nur noch ein Exemplar in Gangelt, sagt Jörg Barkowski, der Inhaber der örtlichen Baumschule ist. Davon stammen auch seine Reiser ab, die er für die Vermehrung des heimischen Bäumchens braucht. Aus den Trieben hat sein Vater, der alte Sorten noch am Stamm erkennt, 20 neue Bäume gezogen, die nun nach und nach an Liebhaber verkauft werden. Auch wenn die alten Sorten nicht häufig nachgefragt werden, ist es ihm und seinem Vater wichtig, immer wieder Nachkömmlinge des Brökers zu ziehen. „Es ist wichtig, dass die alten Sorten nicht aussterben“, sagt er. Man sagt ihnen nicht nur nach, dass sie resistenter gegenüber Krankheiten und Schädlingen sind und damit interessant für die Züchtung bleiben.

Sie sollen auch vitaminreicher sein als das Obst, das auf großen Plantagen unter Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln heranwächst. Daher sind viele alte Apfelsorten auch für Allergiker problemlos essbar. Den Unterschied zwischen den herkömmlichen und den seltenen Äpfeln kann man sogar schmecken. „Der Geschmack ist schon ein anderer“, sagt Schippers. Sehr deutlich werde das an der Sorte Zuccalmaglio. Der Saft dieses Apfels ist sehr sauer. „Wenn der richtig kalt ist, kann ich den nur empfehlen“, sagt er, aber das sei nicht jedermanns Sache. Früher hat der Nabu die Äpfel von der Streuobstwiese sortenrein gepresst. Das werde heute nicht mehr gemacht, weil Saft aus unterschiedlichen Sorten einfach besser schmecke.

Ein köstliches Exemplar, auf das Schippers besonders stolz ist, nennt sich Rotes Seidenhemdchen. Es steht auf der Streuobstwiese am Abenteuerspielplatz in Übach-Palenberg und wurde erst im vergangenen Jahr gepflanzt. „Das Rote Seidenhemdchen ist eine sehr alte Sorte, und die Äpfel schmecken wirklich sehr lecker“, erklärt er. Damit der Baum mal groß wird und viele Früchte trägt, wird die Wiese rund um den Baum regelmäßig gepflegt. Schippers stattet ihm sogar hin und wieder einen Extra-Besuch ab. „Ich habe Angst, dass das jemand klaut“, sagt er, „deshalb fahre ich ab und zu vorbei und schaue nach, ob es noch da ist“.

Bis der Apfelbaum mit dem schönen Namen gepflanzt werden konnte, musste Schippers viele Klinken putzen. Das Problem bestand darin, ein echtes Seidenhemdchen zu bekommen. „Es ist nicht so einfach, ein echtes Bäumchen zu finden“, sagt er. Viele verkaufen vermeintliche alte Sorten, die sich später als Fälschung erweisen. Daher nimmt er zur Bestimmung der Bäume stets einen erfahrenen Pomologen, einen Obstkundler, mit. So verbrachten sie gemeinsam einen Nachmittag auf einer Wiese am Frelenberg und so wird es auch auf einer noch ungepflegten Streuobstwiese im Naturgebiet Marienthal sein.

Welche Bäume dort stehen, wissen die Naturexperten des Nabu selbst noch nicht. „Das hängt auch von der Blüte und von der Frucht ab“, sagt Schippers. Weil die Bäume dort über Jahre nicht gepflegt worden sind, tragen einige keine Früchte. Ob sich darunter auch der seltene Langbroicher Süßapfel befindet, bleibt bis zur nächsten Apfelblüte abzuwarten.

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