„Alt-Grüner“ Herzberg will die Partei verlassen

Von: disch
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„Was soll ich noch in dem Verein?“: Dr. Henning Herzberg will die Grünen verlassen. Foto: Koenigs

Kreis Heinsberg. Der Neujahrs­empfang von Bündnis 90/Die Grünen im Kreis Heinsberg mit der Bundesvorsitzenden Simone Peter hat ein „Nachspiel“: Dr. Henning Herzberg (78) aus Hückelhoven, seit vielen Jahren Mitglied der Partei und nach eigenen Angaben von anderen als „Alt-Grüner“ bezeichnet, hat seinen Austritt angekündigt.

Herzberg hatte im Vorfeld der Veranstaltung über das Büro der Grünen beim Kreisvorstand einen Redebeitrag für den Empfang angemeldet. Dies bestätigte Kreisvorstandssprecher und Bundestagskandidat Christoph Stolzenberger. Der Vorstand habe Herzberg gesagt, dies ginge nicht, weil er nicht als Redner vorgesehen sei, sondern die Bundesvorsitzende der Partei sowie die Kandidaten der Grünen zur Landtags- und Bundestagswahl.

Daraufhin habe Herzberg am Sonntag seinen Austritt angekündigt. „Wir können niemanden daran hindern, aus einer Partei auszutreten“, so Stolzenberger. „Wir bedauern immer, wenn Menschen eine demokratische Partei verlassen.“ Herzbergs Wunsch, die Partei zu verlassen, werde entsprochen, wenn seine Austrittserklärung schriftlich vorliege.

Herzberg war am Sonntagnachmittag ins Foyer der Erkelenzer Stadthalle gekommen. Als der frühere Fraktionsvorsitzende der Grünen im Hückelhovener Stadtrat und ehemalige Abgeordnete der Grünen im Kreistag dann erfuhr, dass er nicht zu Wort kommen sollte, verließ er die Halle. „Was soll ich hier?“

Es sei bereits in der Vergangenheit wiederholt vorgekommen, dass er bei Veranstaltungen der Grünen unterbrochen oder abgewürgt worden sei. „Was soll ich noch in dem Verein?“ So die Frage von Herzberg, der in ­Hückelhoven und Umgebung auch als ehemaliger Technischer Beigeordneter der Stadt sowie als Mit­begründer der Künstlergruppe Canthe bekannt ist.

Nach der Rede von Simone Peter hat es am Sonntag beim Empfang in Erkelenz auch eine Fragerunde gegeben, bei der es jedoch keine einzige Wortmeldung gab. Herzberg war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr vor Ort. Als er am nächsten Tag von dieser Fragerunde erfuhr, sagte Herzberg, es sei „unfair“, dass ihm diese Möglichkeit nicht im Vorfeld aufgezeigt worden sei. Dazu merkte Stolzenberger an, der Entschluss zu dieser Fragerunde sei spontan erfolgt.

In seinem Redemanuskript hatte Herzberg mit Verweis auf die umstrittenen Äußerungen von Simone Peter zum Einsatz der Polizei in Köln in der Silvesternacht die Frage formuliert: „Muss unsere Spitze ohne Not die Scheunentore zum Nichtwählen oder gar zum Austritt öffnen? Es gibt mindestens eine Partei, die diese Enttäuschten mehr als bereitwillig einsammelt.“ Und weiter: „Unsere Polizei hat es verdammt schwer, da gilt es, sie ohne Wenn und Aber zu unterstützen.“

Mit Blick auf die Flüchtlinge stellte Herzberg fest, dass er „eine allgemeine Dankbarkeit der Aufgenommen“ vermisse, auch wenn er einräumte, man könne nicht alle über einen Kamm scheren. Herzberg: „Wer unsere Art zu leben und miteinander umzugehen, nicht akzeptiert oder akzeptieren will, den können wir nicht hier dulden. Die zu uns Gekommenen können nicht verlangen, dass wir uns ändern.“ Es werde schon viel Rücksicht genommen.

Was er erwarte, sei, dass die Zugereisten diesen deutschen Staat und die Hiesigen achten würden. Er als Mann müsse nicht eine Burka ertragen, so Herzberg, wenn eine so gekleidete Frau ihm entgegenkomme, fühle er sich als Mann beleidigt und gekränkt. Selbst mit einem Kopftuch bei jüngeren Frauen tue er sich schwer, „nicht bei einem alten Mütterchen“.

„Wir Grünen hatten die Vision mit der Ökologie“, hatte Herzberg mit Blick auf die Partei sagen wollen. „Sie ist uns eigentlich abhanden gekommen, denn sie wurde zum Allgemeingut. Ich vermisse jetzt eine neue Vision, die uns alle mitnehmen kann. Ohne eine ­solche verschwinden wir Grünen auf Dauer. Oder werden ein Partei-­Verein wie die anderen.“

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