Kreis Heinsberg - Alkoholsucht: Vor der Hilfe steht erst einmal die Kapitulation

Alkoholsucht: Vor der Hilfe steht erst einmal die Kapitulation

Von: hewi
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Kreis Heinsberg. Die Folgen von Alkoholismus belasten nicht nur die Süchtigen selbst. Auch ihre Angehörigen, Partner und Freunde leiden unter der Sucht und allen Umständen, die mit ihr verbunden sind. Was die wenigsten wissen: In Erkelenz und Oberbruch gibt es Selbsthilfegruppen für die Angehörigen von Alkoholikern.

Solche Al-Anon-Familiengruppen existieren seit 60 Jahren. Auch wenn sie wie die Anonymen Alkoholiker (AA) strukturiert sind, handelt es sich bei Al-Anon um selbstständige Gruppen. Wie die AA arbeitet Al-Anon mit einzelnen Schritten, die durchlaufen werden müssen. Am Anfang steht jedoch die Kapitulation. „Man erkennt an, dass man dem Alkohol gegenüber machtlos ist”, erklärt Gabriele. So wie Alkoholiker einsehen müssten, dass sie süchtig seien, müssten Angehörige verstehen, dass sie ihren suchtkranken Partnern und Familienangehörigen nicht helfen könnten.

Ein Schritt, der nicht leicht falle, aber befreiend wirke. „Bis zu diesem Punkt dreht sich alles um den Abhängigen an deiner Seite”, erklärt sie. „Die eigenen Bedürfnisse und das eigene Leben fanden oftmals nicht mehr statt.” Daher müssten die Gruppenteilnehmer lernen, ihr eigenes Leben wieder in den Griff zu bekommen und die eigenen Wünsche und Vorstellungen wieder anzunehmen.

Gabriele ist seit rund sieben Jahren bei Al-Anon dabei, auch wenn ihr alkoholkranker Ehemann bereits gestorben ist. Trotzdem findet sie immer noch Halt und Stütze bei den wöchentlichen Gruppentreffen. Denn ein Rückfall wäre wie bei einem Alkoholiker möglich. In ihrem Fall würde das heißen, dass sich wieder alles Denken und Handeln um einen Mitmenschen mit Problemen drehen würde. „Helfersyndrom” könnte man es nennen, „Co-Abhängigkeit” wird es auch genannt. Ihre Zeit vor Al-Anon hat sie geprägt. „Ich bin vorsichtig geworden im Umgang mit Menschen, die Alkohol trinken”, räumt sie ein.

„Ich lebte in ständiger Angst”

Seit über 20 Jahren besteht die Gruppe in Erkelenz. Sie trifft sich jeden Montag im Evangelischen Gemeindezentrum. „Den meisten Betroffenen ist nicht bekannt, dass es auch Selbsthilfegruppen für Angehörige gibt”, sagt Karo. Sie selbst ist seit vielen Jahren in der Erkelenzer Gruppe dabei. Sie sagt, sie sei mit Alkoholismus groß geworden. Vater, Geschwister und beide Ehemänner hätten Alkoholprobleme gehabt. „Gewalt war an der Tagesordnung”, erinnert sie sich. „Ich lebte in ständiger Angst.” Am schlimmsten jedoch sei das Gefühl gewesen, schuld an der Situation zu sein. Dieses Gefühl bekam sie vermittelt und nahm es an. Jahrelang plagte sie sich mit Selbstvorwürfen, bis sie sich eingestehen musste, dass sie Hilfe braucht.

„Die Angehörigen, Partner und Freunde von Alkoholikern sind auch krank”, ist sie sich sicher. Sie würden an einem Helfersyndrom leiden und sich für die Sucht ihres Angehörigen verantwortlich machen. In der Gruppe hat sie gelernt, dass sie mit dem Problem nicht allein dasteht. Im gemeinsamen Gespräch lernte sie, wieder egoistischer zu sein und auf die eigenen Bedürfnisse zu achten.

„Wir legen Wert auf Anonymität”, betont Karo. Deshalb kennen die Gruppenmitglieder - wie bei den AA - auch nur die Vornamen der anderen. „Scham spielt bei Angehörigen eine große Rolle”, sagt auch Gabriele. Die Betroffenen hätten über Jahre hinweg gelernt, die Situation zu überspielen.

Sehr schlimm ist es auch für Kinder, die sich selbst die Schuld am Alkoholkonsum ihrer Eltern geben. Für Kinder von Alkoholkranken gibt es die Selbsthilfegruppe Alateen. Dort werden Kinder ab dem siebten Lebensjahr aufgenommen. In Erkelenz kann eine solche Gruppe bei Bedarf eingerichtet werden. Jugendliche werden derzeit bei Al-Anon mit betreut.

Wann treffen sich die Gruppen wo?

Die Erkelenzer Gruppe Al-Anon trifft sich montags um 19.30 Uhr in den Räumen des Evangelischen Gemeindezentrums an der Mühlenstraße. Auskunft gibt es unter Telefon 0178/3334339.

Die Oberbrucher Gruppe trifft sich freitags um 19.30 Uhr im Dechant-Sauer-Haus an der Mittelstraße. Infos gibt es unter Telefon 02452/61485.

Die Selbsthilfegruppen für Angehörige und Freunde von Alkoholikern laden vom 23. bis 25. September zum deutschsprachigen Ländertreffen nach Aachen ein. Das Treffen findet im Euregionalen Gästehaus (Maria-Theresia-Allee 260) statt.

Informationen finden Interessierte auch im Internet unter http://www.al-anon.de und http://www.alateen.de.

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