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Abspeck-Formel in der Flasche?

Von: Rainer Herwartz
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Er ist von seinem Getränk üb
Er ist von seinem Getränk überzeugt. Olaf Barken möchte Spiruli beim nächsten Ärztetag präsentieren. Foto: Rainer Herwartz

Selfkant-Saeffelen. Dass manches auf den ersten Blick nie und nimmer miteinander vereinbar zu sein scheint und am Ende doch eine geniale Verbindung eingeht, wissen wir nicht erst seit Steffi Graf und André Agassi.

Ebenso unwahrscheinlich klingt da die Vorstellung, dass sich ein gelernter Bäcker und Konditor als Ernährungstherapeut verdingt, der seinen Mitmenschen beim Abnehmen helfen möchte, oder dass das „Ei des Kolumbus” in eine Flasche passt.

Olaf Barken aus Selfkant-Saeffelen will im Hinblick auf die letzten beiden vermeintlichen Widersprüche den Gegenbeweis antreten. Der findige Tausendsassa mit handwerklichen Wurzeln im Reich der Kalorienbomben ist sicher, eine „Weltneuheit als konkurrenzloses Erfrischungs-Mehrwertgetränk” entwickelt zu haben, das beide Kriterien erfüllt.

„Mein Ziel war ein dauerhaft körperoptimierendes Stoffwechselprodukt, das das natürliche Abnehmen erleichtert. Ich sehe, dass die Leute nicht mehr so belastbar sind, weil sie zu viel Fleisch essen. Und nach Diäten nehmen sie immer wieder zu.” In die Reihe der ungezählten Diät-Päpste wolle er sich daher selbstredend nicht einfügen. Ihm sei vielmehr gelungen, „basierend auf einem Extrakt von Holunder und Zitrone sowie den Blau- und Macroalgen Spirulina platensis und Lithothamnium calcareum bisher schwerlich konsumierbare Algenstämme mit stark entgiftenden und versorgenden Eigenschaften in einem alkoholfreien Fertiggetränk mit großartigem Geschmack zu vereinen”.

Wer an dieser Stelle nur noch Bahnhof zu verstehen glaubt, dem sei gesagt, dass Spirulina platensis ein fester Bestandteil der Naturheilkunde ist. In diesem Einzeller sei alles in ausgewogener Balance enthalten, was der menschliche Körper brauche und verbrauche. Das bestätigt übrigens auch die Karkener Apothekerin Khatereh Alder, die sich freut: „Schön, dass es das jetzt auch genussvoll in Spiruli zu trinken gibt.”

Und genau hier liegt der Hase im Pfeffer, denn das Revolutionäre, dessen sich Barken rühmt, ist die Lösung eines ansonsten unangenehm schmeckenden Wirkstoffes in einem Getränk. „Wir haben monatelang probiert, es aufzulösen und so zu verpacken, dass der furchtbare Geschmack nicht wiederzufinden ist”, sagt Barken.

Bei anderen Firmen habe es dazu weltweit schon Versuche gegeben, „die jedoch alle nicht erfolgreich waren und meist schon nach kurzer Zeit vom Markt verschwunden sind. Das Problem war, dass sich die Alge stets absetzte.” Die Stoffe, die dies bewirkten, seien jedoch für den menschlichen Körper völlig irrelevant, meint Barken. „Deshalb haben wir ein Forschungsinstitut in der Nähe von Berlin beauftragt, uns einen wasserlöslichen, hochverdichteten Extrakt von Spirulina platensis ohne Konservierungsmittel herzustellen.”

In Kooperation mit einem befreundeten Braumeister machte sich Barken ans Werk. „Es hat sich nach unglaublich langen Geschmackstests gezeigt, dass der Extrakt sich am besten konsumieren lässt in einer Mischung aus Holunder, Zitrone und Orange. Wir haben Algaven-Dicksaft als Süßungsmittel eingesetzt, da wir keinen Rohr- oder Rübenzucker verwenden wollten, der im Körper verstoffwechselt werden muss, um überhaupt aufgenommen werden zu können.” Selbst nach 15 Wochen habe sich in einer geöffnet stehenden Flasche seines neuen Getränks die Alge immer noch nicht abgesetzt.

Der fruchtig-frische Geschmack ist dann allerdings dahin. Barken ist so überzeugt von seiner Erfindung, dass er sie beim nächsten Ärztetag in Hannover präsentieren möchte. Vielleicht wird sich ja da zeigen, ob es ihm gelungen ist, das „Ei des Kolumbus” in eine Flasche zu stecken.
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