Kreis Heinsberg - Abonnenten werfen Blick hinter die Kulissen der Kreissparkasse

Abonnenten werfen Blick hinter die Kulissen der Kreissparkasse

Von: disch/anna
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Beim Rundgang durch die Hauptstelle der Kreissparkasse Heinsberg in Erkelenz: Auch der Tresorraum mit den Schließfächern wurde von den Abonnenten erkundet. Fotos (3): Anna Petra Thomas Foto: Anna Petra Thomas
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Sie war früher Auszubildende der Kreissparkasse Heinsberg und ist heute die Präsidentin der Deutschen Bundesbank in Nordrhein-Westfalen: ­Margarete Müller sprach über Finanzstrukturen im Euroraum.
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Sparkassendirektor Thomas Pennartz, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Heinsberg, stellte den Gästen das Geldinstitut vor.

Kreis Heinsberg. Einen exklusiven Blick hinter die Kulissen durften Abonnenten unserer Zeitung bei der Kreissparkasse Heinsberg werfen. Der Vorstandsvorsitzende persönlich, Sparkassendirektor Thomas Pennartz, stellte den Gästen in der Erkelenzer Hauptstelle das Geldinstitut vor, dessen Anfänge bis in das Jahr 1898 zurückreichen.

Kundeneinlagen wie Kundenkredite belaufen sich heutzutage in ihren Gesamtvolumina jeweils auf weit über zwei Milliarden Euro – verteilt auf rund 221.000 Konten auf der Sparerseite und rund 37.000 Konten auf der Kreditnehmerseite. Pennartz fasste dies so zusammen: „Ohne viele kleinere Einlagen fänden größere Investitionen nicht statt.“ Auch das Thema Risiko bei der Kreditvergabe sprach der Sparkassenchef an: „Risiko ist unser Job“, dies gelte bei Finanzierungen für Unternehmen ebenso wie für Häuslebauer.

Jede Kreditentscheidung falle auch im digitalen Zeitalter letztlich manuell – nach Prüfung der wirtschaftlichen Verhältnisse oder qualitativer Bewertung von Managementkapazitäten. „Wenn wir nicht überzeugt sind, machen wir es auch nicht“, so Pennartz. Denn klar sei: „Der teuerste Kredit ist der, der nicht zurückgezahlt wird.“ ­Risiken müssten tragbar sein.

Auch die Sparkassen würden die Chancen der neuen Technologien nutzen, so Pennartz, aber sie würden nicht ihr Geschäftsmodell verändern. Zu den neuen Produkten, die Pennartz ankündigte, gehört ein e-Safe. Dieses digitale Bankschließfach soll beispielsweise die sichere Aufbewahrung von Dokumenten möglich machen.

Zur besonderen Rolle der Sparkassen im deutschen Finanzmarkt führte Pennartz aus, bei Großbanken wollten die Aktionäre Rendite erzielen, bei Genossenschaftsbanken wollten die Genossen (sprich Mitglieder) Rendite erzielen; dies sei ein berechtigtes Anliegen.

Die Kreissparkasse Heinsberg sei hingegen eine Anstalt des öffentlichen Rechts, stärke aus stehen gelassenen Gewinnen ihr Eigenkapital und schütte zudem aus ihren Gewinnen an ihre Träger – Kreis Heinsberg (80 Prozent) und Stadt Erkelenz (20 Prozent) – derzeit jährlich eine Million Euro aus. „Die Kreissparkasse gehört den Bürgern“, betonte Pennartz.

Der von ihm skizzierte Beitrag zum Gemeinwesen umfasst aber weitaus mehr als nur die Ausschüttung: Mit Löhnen und Gehältern, Steuerzahlungen, Spenden, Sponsoring und Zweckerträgen sowie Auftragsvergaben an regionale Unternehmen summiert er sich in der Gesamtaddition auf 45,575 Millionen Euro. Als Beitrag zur Daseinsvorsorge bewertete Pennartz auch die Tatsache, dass die Sparkasse rund 11.000 Basiskonten, zu denen vor allem auch Pfändungsschutzkonten gehören, führe.

Nach dem Rundgang durch das vor drei Jahren eröffnete „Green Building“ (Grüne Gebäude) – vom Tresorraum für die nicht digitalen, sondern realen Schließfächer ganz unten bis ­hinauf in die Vorstandsetage ganz oben – freuten sich die Gäste auf einen Vortrag aus kompetentem Munde. Margarete Müller, in ihren ersten Berufsjahren Auszubildende der Kreissparkasse Heinsberg und heute Präsidentin von der Hauptverwaltung der Deutschen Bundesbank in Nordrhein-Westfalen, weitete an diesem Abend den Blick auf die europäischen Finanzen.

„Auf dem Weg zu einem stabilen Finanzsystem – Wie nachhaltig sind die Finanzstrukturen im Euroraum?“ So hatte sie ihren Vortrag überschrieben. Müller blickte zunächst zurück in das Jahr 2007, als in den USA viele Hauseigentümer ihre Kredite nicht mehr bezahlen konnten. Die Europäische Zentralbank (EZB) habe angesichts von Finanzmarktkrise und weltweitem Wirtschaftseinbruch, dabei nicht zu vergessen die immensen Probleme in Griechenland, entgegengesteuert: mit Zinssenkungen, einem erweiterten Zugang zu Notenbankkrediten und einer zusätzlichen Liquidität über Kaufprogramm für Staatsanleihen, Pfandbriefe und Unternehmensanleihen.

Bis Dezember dieses Jahres würden noch Papiere im Wert von 60 Milliarden Euro monatlich gekauft, erklärte sie. So würden die Notenbanken jedoch zugleich zu den größten Gläubigern der Staaten. Ein weiterer Nachteil sei, dass sinkende Zinsausgaben für öffentliche Haushalte mit einem fehlenden Anreiz zur Konsolidierung der Staatsfinanzen verbunden seien. Wichtig seien Wege zu mehr Nachhaltigkeit, auch im Bankenwesen, forderte Müller. Sie nannte dabei als Beispiel die Bankenunion mit einer einheitlichen, internationalen Aufsicht für die großen Institute und einen gemeinsamen Abwicklungsmechanismus.

Auch eine gemeinsame, europäische Einlagensicherung mache Sinn, „aber erst am Schluss, wenn alle ihre Hausaufgaben gemacht haben“, sagte Margarete Müller. Auf eine Frage konnte und wollte die Bundesbankerin an diesem Abend erwartungsgemäß keine Antwort geben: „Wann steigen die Zinsen wieder an?“

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