Kreis Heinsberg - Abbé George: Vom Seelsorger zum Gefängnislehrer und zurück

Abbé George: Vom Seelsorger zum Gefängnislehrer und zurück

Von: Günter Passage
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Abbé George Rukundo vor der Krankenstation, die er mit Hilfe des Fördervereins Wegberg in Magara erbaut hat. Foto: Passage
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Bereits am ersten Tag haben viele Bewohner die Hilfe in Anspruch genommen. Foto: Passage
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Die kleinen Trommler von Magara üben schon mit ihren Instrumenten.
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Burundische Männer beim Tanz in ihrer traditionellen Kluft.

Kreis Heinsberg. Irgendetwas hatte dem Offizier der burundischen Armee an George Rukundo nicht gefallen. Kurzerhand ließ er den katholischen Geistlichen einsperren. Alle Bemühungen, den unschuldig Inhaftierten frei zu bekommen, waren vergebens. Doch Abbé George haderte nicht lange mit seinem Schicksal.

Er wurde so erst auf die menschenunwürdigen Zuständen in der Strafanstalt aufmerksam und setzte sich gleich für bessere Lebensumstände seiner Mitgefangenen ein.

Vielen von ihnen brachte er Lesen und Schreiben bei. Das Wachpersonal, das er mit seiner Menschlichkeit überzeugt hatte, ließ sich überreden, die Belegung der einzelnen Zellen neu und vor allem menschenwürdiger zu gestalten. Damit erreichte Rukundo unter anderem, dass nicht mehr so viele Gefangene in der Haftanstalt starben, wie es in den Zeiten zuvor der Fall war. Nach zwei Jahren gelang es einigen Freunden von Rukundo schließlich, ihn aus der unrechtmäßigen Gefangenschaft zu holen.

Um dem Priester weitere Repressalien durch die Armee zu ersparen, wurde er direkt zum Flughafen gefahren und stieg in ein Flugzeug. Nach Europa. Bereits nach wenigen Stunden befand sich George Rukundo außer Landes – und auf dem Weg nach Deutschland.

Flucht nach Deutschland

Auf Vermittlung des Aachener Bischofs kam er in die Pfarreien von Arsbeck und Wildenrath, wo er lange Zeit als Seelsorger arbeitete. Später auch in der Pfarrei St. Maternus Merbeck, wo er ebenfalls mit viel Hingabe seinen Aufgaben nachging. Die Mitglieder der Pfarrgemeinden, in denen Abbé George tätig war, schlossen den Priester aus Ostafrika schnell in ihre Herzen und schenkten ihm ihr Vertrauen. Mit Spendengeldern der Pfarrgemeinde St. Adelgundis Arsbeck hatte der Priester in seiner Heimatpfarrei Magara schon ein Pfarrzentrum errichtet. Nun aber hatte Rukundo bereits seit längerer Zeit die Vision einer Krankenstation. Diese sollte ebenfalls in Magara entstehen, einem Fischerdorf am Tanganjikasee im Westen von Burundi.

Abbé George vermochte es, die Menschen der Region Wegberg von seiner Idee zu überzeugen. Es wurde der Förderkreis Abbé George gegründet, um Geld zu sammeln für die rund 170.000 Euro teure Station. Diese wird bis heute von zahlreichen selbstlosen Menschen weiterhin finanziell unterstützt. Im November 2007 erfolgte die Grundsteinlegung und nach fünf Jahren Bauzeit öffnete im November 2012 die Krankenstation.

Große Nachfrage

In den neu errichteten Gebäuden entstand nun eine Geburtshilfestation, eine Ambulanz und ein Krankenhaus mit 20 Betten. Sie bekam vom Erzbischof der Diözese Bujumbura, Evariste Ngoyagoye, den Namen „Centre de Santé St. George de Magara“ über die Pforten geschrieben. Bereits am ersten Tag kamen 59 Patienten aus der gesamten Region zu einer ersten Behandlung. Nachdem mit der Ambulanz, der Geburtshilfe und dem Krankenhaus drei Gebäude errichtet wurden, erhielt der gesamte Komplex mit dem Wohnheim für das Personal ein viertes Gebäude. Seither strömen die Menschen täglich zur Krankenstation, wo sie von gut ausgebildetem Personal versorgt und behandelt werden.

Zukunft noch ungewiss

Nun stellt sich allerdings das Problem des Unterhaltes dieser für burundische Verhältnisse vorbildlichen Krankenstation. Den Mitgliedern des Wegberger Fördervereins war natürlich bewusst, dass ihr Engagement mit dem Bau der Station nicht endet. Die Station muss auf Dauer unterhalten werden – und immer wieder fallen Kosten für Personal und Medikamente an.

Den Betrieb allein aus den Mitteln des Fördervereins aufrecht erhalten zu wollen, wäre illusorisch. Und aus den Mitgliedsbeiträgen, das ist allen Beteiligten bewusst, kann diese Krankenstation nicht unterhalten werden. Daher werden auch in Zukunft noch große Anstrengungen erforderlich sein, den Betrieb dieser vorbildlichen Anlage auch auf Dauer zu ermöglichen.

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