Aachen und Trier waren «abergläubische Orte»

Von: hewi
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Prof. Dr. Dieter Wynands(r.) beendete das interdisziplinäre Symposium, hier mit Prof. Helmut Brall-Tuchel(l.) und Günter Merkens. Foto: Koenigs

Erkelenz. Er sei hocherfreut und stolz, dass eine solche Veranstaltung in Erkelenz stattfinde, meinte Bürgermeister Peter Jansen, als er die Teilnehmer des interdisziplinären Symposiums über das spätmittelalterliche Pilgerwesen im Rheinland in der Leonhardskapelle begrüßte.

Die Stadt Erkelenz und der Heimatverein der Erkelenzer Lande, der gemeinsam mit der Universität Düsseldorf zu dieser Veranstaltung eingeladen hatte, hätten eine enge Verbindung. Beide seien sie der Tradition und dem Fortschritt verpflichtet. „Wir stellen uns der historischen Entwicklung. Wir verstehen vieles besser, wenn wir wissen, woher die Entwicklungen stammen”, meinte Jansen und spielte damit auch auf Arnold von Harff an, der Ausgangspunkt und Triebfeder für den Heimatverein war, sich mit Pilgern und Wallfahrten im Erkelenzer Land zu beschäftigen.

Von Harff habe auch für Fortschritt gestanden, sagte Jansen. Er habe, wie alle Wallfahrer, über die Stadtgrenze und damit über den Tellerrand hinausgeblickt und Erfahrungen gesammelt. Diese Erfahrungen seinen für den Fortschritt wieder von Bedeutung.

Den Dank an Heimatverein und Uni Düsseldorf gab Prof. Helmut Brall-Tuchel von der Heinrich-Heine-Universität gerne an die Stadt Erkelenz zurück. Er dankte Jansen dafür, dass die Stadt die Leonhardskapelle zur Verfügung stellte, damit die mehr als 30 Symposiumsteilnehmer aus ganz Deutschland sich einen Tag lang ausführlich mit dem komplexen Thema im allgemeinen und mit dem Wirken von Arnold von Harff im besonderen auseinandersetzen konnten.

Es folgte eine Reihe von Vorträgen, die das Pilgerwesen im Rheinland in seinem Facettenreichtum von verschiedenen Seiten beleuchteten. Dabei ergänzten sich Theologie, Germanistik und Geschichtswissenschaft in dem interdisziplinären Dialog der Forschungsansätze. Das Rheinland stand sowohl als Ausgangspunkt als auch als Transitraum und Ziel von Wallfahrten im Blickpunkt. Die Wissenschaftler blieben nicht unter sich. Immer wieder kamen interessierte Laien, die den einzelnen Vorträgen lauschten.

Der Vorsitzende des Heimatvereins, Rainer Merkens, erklärte rückblickend am Rande des Abschlussveranstaltung im Alten Rathaus, dass die Themen sowohl für ein Fachpublikum als auch für den interessierten Bürger gleichermaßen geeignet waren. Die Vorträge werden 2012 im Rahmen der Schriftenreihe des Heimatvereins in einer gemeinsamen Ausgabe erscheinen. Das Buch werde auch der Forschung neue Impulse geben können. „Vom Ziel weg führen tausend Wege, zum Ziel hin nur einer”, zitierte Merkens einen alten Pilgerspruch.

Damit leitete er zum Abschlussvortrag über, in dem Professor Dieter Wynands aus Aachen über das Rheinland als Pilgerziel berichtete. Schon damals, so betonte der Professor, habe es Kritik am Pilgerwesen gegeben. So seien die beiden Wallfahrtsziele Aachen und Trier auch als „abergläubische Orte” bezeichnet worden. Wynands hob hervor, dass Wallfahrten kein christliches Phänomen seien, vielmehr seien sie Ausdruck tief empfundener Religiosität und aus vielen Religionen bekannt.

Das Rheinland mit seinen Bistümern habe in seiner Blütezeit rund 200 Wallfahrtsorte aufgewiesen. Allein der Mutter Gottes wurde an 94 Orten gehuldigt. Darüber hinaus gab es 41 Orte, an denen männlichen und 15 Orte, an denen weiblichen Heiligen gehuldigt wurde. Dazu kamen sieben Orte mit Heiligengruppen und einer, der dem Erzengel Michael gewidmet war. Wynands berichtete von Behinderungen der Wallfahrten durch die französische und preußische Besetzung.

Dazu kamen die Anbetung von Regionalheiligen und die Übernahme heidnischer Kulte durch das Pilgerwesen. Zuerst waren es vor allem Knochenstücke und andere Reliquien, die angebetet wurden. Ab dem frühen 14. Jahrhundert ist aus Aachen auch die Verehrung textiler Reliquien bekannt. Denn je mehr Reliquien ein Wallfahrtsort aufzuweisen hatte, umso besser war dies fürs Geschäft.
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