40 Millionen Euro fehlen: Immer noch Stillstand bei Polymer Oberbruch

Von: Rainer Herwartz
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Polymer-Geschäftsführer Michael Strätling bleibt am Ball und ist vom neuen Konzept des Unternehmens überzeugt. Foto: Rainer Herwartz

Heinsberg-Oberbruch. Wie der Sheriff einer Geisterstadt, so ließe sich bildhaft der Job des Dr. Joachim Schaper beschreiben. In einem riesigen Gebäudekomplex des Industrieparks Oberbruch streift er täglich durch die Flure. Doch egal wie oft er dies tut, jemandem begegnen wird er nicht.

Der technische Leiter der Polymer Oberbruch GmbH (POG) ist schon seit Monaten der einzige Mitarbeiter des Unternehmens, abgesehen von den beiden Geschäftsführern Michael Strätling und Winfried J. Krämer, die jedoch meist irgendwo in der Welt herumreisen.

In den Produktionshallen der Polymer Oberbruch GmbH, der ehemaligen Kuag Elana, stehen die Räder immer noch still. Auch die Arbeiter einer Verschrottungsfirma, die noch im Mai letzten Jahres nicht mehr benötigte Teile der Polykondensationsanlage demontierten, sind längst verschwunden. Doch die Hoffnung, dass es bald wieder aufwärts gehen könnte, zum Glück noch nicht.

Mit neuen Produkten wollte das Trio Strätling, Krämer und Schaper Mitte letzten Jahres den Markt zurückerobern, vorausgesetzt, eine Investition von rund 30 Millionen Euro wäre auf die Beine gestellt worden.

Neben den mattierten Chips, die schon von Kuag produziert wurden, sollten zukünftig auch glänzende und superglänzende Chips, solche für medizinische Anwendungen, Chips auf der Basis von schwermetallfreien Katalysatoren und für Folien sowie flammhemmende und solche für die Herstellung von PET-Flaschen in die Angebotspalette aufgenommen werden.

Etwa 80 Mitarbeiter sollten dann am Standort wieder eine Chance haben, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Bislang wurde daraus jedoch nichts, wie Strätling bestätigt. Das Konzept der Polymer Oberbruch habe nie Zweifel bei den potenziellen Geldgebern erzeugt, aber die Folgen der Finanzkrise seien immer noch fatal.

„Nach einer längeren Bearbeitung hatte ich eine Dreiviertel-Zusage der Deutschen Bank, doch es klemmt seit August, weil in Indien der Markt eingebrochen ist.” Die vier größten Banken des Landes hätten dort derzeit erhebliche Probleme.

Und dies wiederum betreffe die Investoren aus Indien, Singapur und Thailand, die seinerzeit durch die indische Unternehmensgruppe Zoom beschafft worden seien und zehn Millionen Euro in die Polymer Oberbruch GmbH stecken wollten. Wann es endlich in Oberbruch mit dem Neustart losgehen soll, wagt Strätling nicht zu sagen. „Rufen Sie mich mal in vier Wochen an”, glaubt er weiter an ein gutes Ende.
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