3125 Langzeitarbeitslose: „Auch ein Potenzial!“

Von: disch
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Sie wollen sich gemeinsam für mehr Fachkräfte im Handwerk einsetzen und bauen dabei auch auf die Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen: Gabriele Hilger, Leiterin der Arbeitsagentur Aachen-Düren, und Dr. Michael Vondenhoff, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Heinsberg. Foto: Markus Bienwald

Kreis Heinsberg. „3125 Langzeit­arbeitslose – das ist auch ein Potenzial!“ Dies stellt Dr. Michael Vondenhoff, der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Heinsberg, fest.

„Wir suchen immer mehr qualifizierte Arbeitskräfte, wir suchen Fachkräfte.“ Deshalb ergreifen Agentur für Arbeit und Kreishandwerkerschaft jetzt gemeinsam die Initiative, um verstärkt vor allem auch Langzeit­arbeitslosen wieder Perspektiven zur Wiedereingliederung auf dem Arbeitsmarkt zu eröffnen – und damit zugleich dem Fachkräftemangel zu begegnen.

Gabriele Hilger, die Leiterin der für den Kreis Heinsberg zuständigen Arbeitsagentur Aachen-Düren, sagt: „Wir haben eine gute Situation auf dem Markt.“ So sei die Zahl der Arbeitslosen im Kreis Heinsberg in den vergangenen zwölf Monaten um rund 800 auf 8378 gesunken – eine Abnahme um 8,8 Prozent. Auch wenn die Langzeitarbeits­losen, die länger als ein Jahr ohne Beschäftigung sind, in diesem Zeitraum mit ­einem Rückgang von 4,7 Prozent nicht in gleichem Ausmaß von dieser guten Entwicklung profitiert hätten, so sei ihre Zahl doch immerhin um 155 zurückgegangen.

„Es gibt auch unter Langzeitarbeitslosen eine Menge Potenziale“, zeigt sich Gabriele Hilger überzeugt. Und Klaus Jeske, Pressesprecher der Arbeitsagentur, ergänzt, dass unter den 3125 Langzeitarbeitslosen (1602 Frauen und 1523 Männer) immerhin 1258 über verwertbare Qualifikationen wie schulische oder berufliche oder sogar akademische Ausbildung verfügen würden. Und rund 43 Prozent der Langzeitarbeitslosen seien unter 45 Jahre alt.

In enger Zusammenarbeit will nun die Arbeitsagentur (wie auch das Jobcenter) mit dem Handwerk sich darum bemühen, den Fokus der Betriebe stärker auch auf Langzeitarbeitslose zu lenken. Dabei soll auf Informationen und auf Gespräche gesetzt werden. Ohne konkrete Zahlen als Ziel zu nennen, hoffen Hilger und Vondenhoff, dass die Initiative ­Resonanz findet. Auch wenn Hilger klar ist: „Wir werden nicht alles lösen können.“

Hilger unterstreicht die Bedeutung, welche die Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen habe. Denn ihre Prognose lautet, dass die Nachfrage des Arbeitsmarktes nach gering Qualifizierten zukünftig weiter sinken werde. Die Qualifizierung könne aber auch erfolgen, wenn ein Langzeitarbeitsloser bereits in einem Betrieb beschäftigt sei. Dabei könne die Arbeitsagentur kleineren und mittleren Betrieben Unterstützung – auch finanzieller Art – leisten. Ziel sei es, über die Vermittlung von Qualifikationen langfristige Beschäftigung zu erreichen. Die Arbeitsagentur engagiere sich im Rahmen dieser auf das Handwerk ausgerichteten marktorientierten Qualifizierung, denn „das Angebot an Arbeitskräften reicht heute schon nicht aus und ist perspektivisch weiter rückläufig“.

So zeigt sich denn auch Kreishandwerksmeister Edwin Mönius angetan von der Initiative: „Wir brauchen Menschen, die sich für das Handwerk begeistern und ihre Tätigkeit mit Liebe und Engagement ausüben.“ Die Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen könne da ein wichtiger Eckpfeiler sein, wenn Berufsabschlüsse oder auch Teilqualifikationen erlangt würden. Vorrang hat aus seiner Sicht aber ein Interesse an der auszuübenden Tätigkeit. „Dann findet sich oft auch ein gemeinsamer Weg zu Beschäftigung, unabhängig davon, welchen Status der Bewerber vorher hatte.“

„Es gibt eine nennenswerte Zahl von Handwerksbetrieben im Kreis Heinsberg, die auch in Zukunft weitere zusätzliche Arbeitsplätze schaffen oder neu besetzen wollen“, erklärt Handwerksgeschäftsführer Vondenhoff. Und auch Auszubildende würden weiterhin gesucht; besonders bei den Bäckern, aber auch auf dem Bau sowie in vielen anderen Bereichen.

Mit der neuen Initiative für Langzeitarbeitslose solle nicht die Ausbildung torpediert werden, merkt die Chefin der Arbeitsagentur an und präsentiert aktuelle Zahlen für den Kreis Heinsberg: Derzeit würden 461 Jugendliche noch einen Ausbildungsplatz suchen. Und gemeldete unbesetzte Ausbildungsstellen gebe es noch 271.

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