300 Besucher bei Hella von Sinnen

Von: defi
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Etwas spät dran war Hella von Sinnen bei ihrer Lesung mit Christian Macharski vor 300 Zuhörern in der Werkstatt der Lebenshilfe , aber dann legte sie in ihrer temperamentvollen Art gleich los. Foto: defi

Heinsberg-Oberbruch. Hella von Sinnen, der Comedy-Star mit einem Hang zu schrillen Klamotten, sorgte dafür, dass der Lebenshilfe fast die Stühle ausgegangen wären. 300 Besucher wollten den Star mal hautnah erleben. Und es war ein Erlebnis, das viele nicht so schnell vergessen werden.

Hella von Sinnen und ihr Kollege Christian Macharski waren in den großen Saal der Lebenshilfe in Oberbruch gekommen, um dort Geschichten aus dem Buch „Mehr vom Leben” vorzulesen. Julia Fischer, Anne Ott und Fabian Schwarz haben das Buch im Auftrag des Bundesverbands für körper- und mehrfach behinderte Menschen heraus gegeben. Es sind Geschichten, in denen behinderte Menschen von ihrem Leben erzählen, von ihrem Bemühen, ein normales Leben zu führen und das mit Witz und voller Stolz.

Erstmals öffentlich vorgestellt hatten Hella von Sinnen, Guildo Horn und Dirk Bach diese Geschichten bei einer Lesung im Kölner „Tanzbrunnen”. Bewohner der Wohnstätte der Lebenshilfe in Heinsberg waren damals mit dabei gewesen und hatten bei der Autogrammstunde ganz direkt heraus gefragt: „Hella, kannst Du nicht auch mal zu uns kommen.” Spontane Antwort von Frau von Sinnen: „Klar komme ich.” Und Hella kam nun tatsächlich, nahm sich Zeit - nicht nur für die Lesung am Abend vor großem Publikum. Zuvor besuchte sie noch die Bewohner der Heinsberger Wohnstätte in der Geilenkirchener Straße und ließ sich dort von Julia Kaatz ihr Zimmer zeigen. Anschließend fuhren sie dann alle gemeinsam nach Oberbruch.

Leicht verspätet traf Hella dort ein, hatte sich wohl verplaudert. Mitherausgeberin von „Mehr vom Leben” Anne Ott war schon vor Ort und moderierte die Stars des Abends an. Im hübschen Maleroveral mit Spielkartenmuster legte Hella von Sinnen gleich los: „Guten Tag, mein Name ist Jutta, mit Nachnamen heiße ich Stuy. Ich wuchs im Haus Sonne im Saarland auf und ging dort in die Waldorfschule. G. B. steht für geistig behindert, was ich ja bin.

Aber aufgepasst: Ich bin trotzdem ein schlauer Fuchs! Soviel mal zu mir.” Christian Macharski ließ ein zweites Zitat aus dem Buch folgen: „Mein Name ist Jimmy Liebermann, und ich wurde 1974 in Rumänien geboren. Die Ärzte entschieden sich aufgrund von Komplikationen für eine Zangengeburt. Bei der Geburt wurde ein wichtiger Nerv in meinem Gehirn beschädigt. Über eine Stunde lang wurde ich wiederbelebt, bis ich den ersten Schrei machte - so begann mein Leben.”

Christin Macharski las die Geschichte „Viermal 22”, in der Michael Lumturo davon erzählt, wie es ihm erging, als er nach einem Motorradunfall blind erwachte und dennoch versuchte, ein möglichst normales Leben zu führen: „Es ist wieder die Nr. 22, aber dieses Mal die Unfallchirurgie. Ich hätte doch auf meinen Skilehrer hören und das Snowboard in der Ecke stehen lassen sollen. Skifahren für Blinde, ja das gibt es unter Anleitung.

Auch blinde Snowboarder gibt es. Wichtig für das Snowboarden ist nur, dass man es beherrscht und nicht nach einem wackligen Tag auf Skiern mit einem scharf gewachsten Board eine steile Buckelpiste angeht, ohne jegliche Erfahrung oder Talent. Das Ergebnis meiner Selbstüberschätzung ist ein komplizierter Oberschenkelbruch im Liegegips. Die Tage verlaufen sehr monoton und ich bin sehr einsam.”

Von dem Wunsch „normal” zu leben, berichteten auch die Teilnehmer der sich an die Lesung anschließenden Podiumsdiskussion. Bernd Jansen ist Rollstuhlfahrer und erzählte, dass er seit er in der Heinsberger Wohnstätte lebt, gerne am städtischen Leben teilnimmt und sein selbstständiges Leben genießt.

Angela Böhm geht gerne shoppen, mag schicke Kleider und hat eigene Ketten. Warum sie denn keine an habe, wollte Hella von Sinnen wissen. Angela: „Ach Hella, ich war so aufgeregt Dich zu treffen, dass ich alles vergessen habe.” Zum Abschluss legte dann noch die Workshop-Band los, spielte ihren Hit „Auf geht´s” und auch auch Hella von Sinnen wurde bestens gelaunt noch nach Mitternacht auf der Tanzfläche gesehen.
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