30 Prozent Zustimmung für den ÖPNV

Von: disch
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Die Schnellbuslinien wie die SB 1 gelten als das Herzstück des Busverkehrs im Kreis Heinsberg. Foto: Daniel Gerhards (4) / Georg Schmitz (2)

Kreis Heinsberg. „Wie bewerten Sie die Anbindung Ihres Wohnortes an Bus und Bahn?“ Dies wollten wir im Rahmen unserer Umfrage wissen. „Gut. Die Region profitiert speziell von der neuen Bahnlinie Heinsberg – ­Aachen“, antworteten 30 Prozent. „Bus und Bahn nutze ich nur im absoluten Notfall. Die Fahrpläne müssten optimiert werden“, meinten 46 Prozent.

„Katastrophal – mit Bus und Bahn würde ich nie ans Ziel kommen“, urteilten 24 Prozent über den Öffentlichen Personennahverkehr. Das Ergebnis der Umfrage mit 30 Prozent Zustimmung für den ÖPNV sei „schon in Ordnung“, erklärt Udo Winkens, Geschäftsführer der West Energie und Verkehr. Denn: Im Kreis Heinsberg würden 92 Prozent der Haushalte über ein Auto verfügen, 44 Prozent der Haushalte sogar über zwei und mehr Autos. „Damit liegen wir deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt“, so Winkens. „Der Pkw ist im Kreis Heinsberg das dominante Verkehrsmittel.“ Das habe auch eine vom Kreis im Jahr 2012 vorgenommene Mobilitätsuntersuchung ergeben. Danach würden neun Prozent der werktäglichen Wege mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt. Die Linienbusse würden von 14 Prozent der Kreis-Bevölkerung (ab sechs Jahren) regelmäßig in Anspruch genommen. „70 Prozent unserer Buskunden sind Schüler!“

Mit der neuen Bahnlinie können die Bürger seit Dezember 2013 von Heinsberg schnell und umsteigefrei nach Aachen und zurück gelangen. „Leider liegen die Fahrgastzahlen noch etwas hinter den Erwartungen zurück“, stellte Winkens fest. Dazu hätten sicherlich auch die Streiks der letzten Monate beigetragen. Unabhängig davon dauere es aber einige Zeit, bis ein neues attraktives Angebot von der Bevölkerung angenommen werde.

Von Heinsberg mit dem ÖPNV nach Düsseldorf oder Mönchengladbach zu gelangen, ist schwierig. Da die Anschlüsse in Lindern schlecht sind, bleibt die Empfehlung, für das erste Teilstück den Schnellbus SB 1 Heinsberg – Erkelenz zu nutzen. Passen da wenigstens die Anschlüsse? Winkens: „In der Regel passen die Anschlüsse in Erkelenz.“ Probleme gebe es immer dann, wenn die Züge mit Verspätung unterwegs seien oder der Takt aufgrund anderer Anforderungen (wie Anfangs- und Endzeiten der Schulen) verlassen werden müsse. Außerdem habe die rege Bautätigkeit im Kreis (Stichwort: Ausbau Glasfasernetz) dazu geführt, dass die Busse zeitweise auch mit Verspätung unterwegs gewesen seien. „Nichtsdestotrotz überprüfen wir zu jedem Fahrplanwechsel die Anschlüsse Bus/Bahn sämtlicher Fahrten und passen sie, wenn möglich, an“, verspricht Winkens.

Die Erwartungshaltung an den ÖPNV sei sehr hoch. Jeder kenne das Angebot in Großstädten, wo Bus und Bahn im 10-, 20- oder 30-Minuten-Takt verkehren würden. Winkens: „Das kann der ÖPNV im ländlichen Raum nicht leisten!“ Das Angebot orientiere sich hier in erster Linie an den Bedürfnissen der Schüler. Leider sei es aber aufgrund der unterschiedlichen Schulanfangs- und Endzeiten nicht möglich, überall und jederzeit einen durchgängigen Takt anzubieten.

Nicht nur die Bahnlinie ist neu im Kreis Heinsberg. Auch im Busverkehr hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan: Anruf-Bus-System Multi-Bus, neuer Stadtbusverkehr in Erkelenz, Rad- und Freizeit-Bus... Doch die Fahrgastzahlen sind noch steigerungsfähig. Sind diese Angebote und generell die Möglichkeiten, die der ÖPNV und seine Fahrpläne bieten, für die Masse nicht attraktiv oder einfach nicht bekannt?

Vor dem Hintergrund der Dominanz des Pkw, der ein Höchstmaß an Flexibilität gewährleiste, sei es schwer, die Menschen im Kreis Heinsberg für den ÖPNV zu begeistern, meint der West-Geschäftsführer. „Mit unserer differenzierten Produktpalette versuchen wir, im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten, den Ansprüchen unserer Kunden gerecht zu werden. Unsere Schnellbusse verbinden die zentralen Bereiche der Städte und Gemeinden auf direktem Weg miteinander. Unsere Regionalbuslinien und Stadtbuslinien sorgen für die Erschließung in der Fläche beziehungsweise innerhalb der Städte. Unser Multi-Bus befördert unsere Kunden in den ländlich strukturierten Gebieten sowie in den Abendstunden und am Wochenende kreisweit schnell und direkt an jedes gewünschte Ziel. Leider ist unser Angebot nicht allen bekannt. Wir arbeiten deshalb intensiv daran, den Bekanntheitsgrad zu erhöhen.“

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