2012 eröffnen die ersten Palliativstationen im Kreis

Von: Rainer Herwartz
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Heinsberg/Erkelenz. „Das Leben nicht mit Tagen füllen, sondern die Tage mit Leben” - dieses Zitat der englischen Medizinerin Cicely Saunders durchzieht als eine Art Credo die Einrichtung zweier Palliativabteilungen im Städtischen Krankenhaus Heinsberg und im Hermann-Josef-Krankenhaus in Erkelenz.

Die Bürgermeister der beiden Städte, die Verwaltungschefs der Kliniken und mehrere Chefärzte freuten sich, Freitag offiziell mitteilen zu können, dass der Feststellungsbescheid der Bezirksregierung ergangen sei und nun jeweils vier Betten installiert würden. Im Juli 2010 hatten die Krankenhäuser einen gemeinsamen Antrag auf die Einrichtung der Abteilungen an beiden Standorten gestellt.

Grund für den Antrag war, dass bislang im Kreis Heinsberg kein Angebot einer stationären palliativen Versorgung bestand. Insbesondere für die Versorgung von Tumorpatienten und fortschreitenden neurodegenerativen Erkrankungen gehe das Land NRW davon aus, dass für den Kreis Heinsberg ein Bedarf von insgesamt acht Palliativbetten vorhanden sei, hieß es.

Der Verwaltungsdirektor des Hermann-Josef-Krankenhauses, Wolfgang Salz, machte allerdings keinen Hehl daraus, dass eigentlich pro eine Million Einwohner von 30 Betten ausgegangen werde. „Wir kamen so auf zehn Betten, aber das Land hat dann noch einmal nachgerechnet”, ließ er schmunzelnd durchblicken, dass es grundsätzlich ein großer Erfolg sei, wenn es für eine neue Einrichtung grünes Licht gebe.

Sein Kollege Heinz-Gerd Schröders vom Heinsberger Krankenhaus ergänzte in diesem Zusammenhang, dass es in der Region nur noch in Aachen und Würselen Palliativstationen gebe. „Ansonsten ist die Region bis in den Raum Mönchengladbach unterversorgt.” Gerade in der Palliativversorgung sei es jedoch wichtig, eine wohnortnahe Betreuung zu gewährleisten.

„Es ist ein leuchtendes Beispiel für die Kooperation im Kreis Heinsberg und zwischen den beiden Krankenhäusern”, machte Heinsbergs Bürgermeister Wolfgang Dieder deutlich, dass es hier nicht um eine Konkurrenz zwischen den Kliniken gehe.

Wesentlicher Bestandteil der Kooperationsvereinbarung ist, dass durch die Einrichtung von zwei Standorten eine gemeinsame Arbeitsstrategie, eine einheitliche Fortbildung und ein Leben des palliativen Ansatzes in beiden Häusern geschaffen wird. Schon jetzt sei die Zusammenarbeit der Krankenhäuser sehr eng.

So biete die Hermann-Josef-Stiftung seit einigen Jahren die Ausbildung von Palliativ-Care-Fachpersonal im Haus „Kühlerhof” an. Diese Einrichtung werde auch von Mitarbeitern des Heinsberger Krankenhauses genutzt. Alle Mitarbeiter hätten den gleichen Ausbildungs- und Wissensstand. Durch diese Voraussetzung ließen sich auch einheitliche Konzepte in den Bereichen Dokumentationsentwicklung, Qualitätsmanagement und Qualitätszirkel realisieren.

Dr. Hans-Georg Troschke, Chefarzt für Anästhesie in Heinsberg, verwies darauf, dass die fehlende Konkurrenzsituation auch hinsichtlich der Hospize zutreffe. Die Palliativstationen seien keine Sterbestationen. Es gehe darum, dass der letzte Lebensabschnitt bei einem Schwerstkranken mit möglichst hoher Lebensqualität gelebt werden könne. Dabei werde medizinisch geholfen, aber: „Der Patient soll sein Leben dort beenden können, wo er es möchte, meist in der Familie.”

Gerade dies, so zeige die demografische Entwicklung, werde in Zukunft allerdings zunehmend problematischer, erklärte Salz. „Dass in den Familien gestorben werden kann, wird immer schwieriger, weil sich die Familienverbünde mehr und mehr auflösen.” Nicht zuletzt vor diesem traurigen Hintergrund sagte Peter Jansen, Bürgermeister von Erkelenz: „Wir haben ein Interesse daran, dass für unsere Bürger die bestmögliche Versorgung ermöglicht wird.” Mitte nächsten Jahres sollen die Stationen ihren Betrieb aufnehmen.

In Heinsberg wird der Standort das neue Medizinzentrum sein. In Erkelenz ist die Entscheidung noch nicht gefallen.

Definition der Palliativmedizin

Palliativmedizin ist nach den Definitionen der Weltgesundheitsorganisation und der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin „die aktive, ganzheitliche Behandlung von Patienten mit einer progredienten (voranschreitenden), weit fortgeschrittenen Erkrankung und einer begrenzten Lebenserwartung zu der Zeit, in der die Erkrankung nicht mehr auf eine kurative Behandlung anspricht und die Beherrschung von Schmerzen, anderen Krankheitsbeschwerden, psychologischen, sozialen und spirituellen Problemen höchste Priorität besitzt.”

Nicht die Verlängerung der Überlebenszeit um jeden Preis, sondern die Lebensqualität, also die Wünsche, Ziele und das Befinden des Patienten stehen im Vordergrund der Behandlung.
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