Heinsberg-Unterbruch - 100 Nashornköpfe als kleine Meisterwerke

100 Nashornköpfe als kleine Meisterwerke

Von: red
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Vom Nashorn mit Spiegelei bis zum Exemplar mit aufgespießter Barbie reicht die Palette. Viel Gesprächsstoff: Peter Nagel (3.v.l.) im angeregten Dialog mit Jutta Boll (links), Inge Keitel und weiteren Gästen der Ausstellung. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Heinsberg-Unterbruch. Günther Ueckers Nagelskulptur hängt in der Mitte, fällt unweigerlich auf. Yves Klein zeigt sich mit seiner „blauen Phase”, Arno Breker natürlich mit einer Bronzearbeit, Joseph Beuys in Filz. Haring, Matisse, Baselitz, Lichtenstein und Giacometti so, wie wir sie alle kennen. Oder kennen wir sie doch nicht?

„Ein Spiel mit Wirklichkeiten” kann man die Installation „100 Meisterwerke” nennen, die der Düsseldorfer Bildhauer Peter Nagel bei seiner zweiten Ausstellung nach 1994 nun beim Kunstverein der Region Heinsberg zeigt. Zu sehen sind 100 Nashornköpfe, aufgereiht wie Jagdtrophäen und auf den klassischen Brettchen befestigt. Die „100 Meisterwerke” werden dabei zum ersten Male in ihrer Gesamtheit ausgestellt.

In Auftrag gegeben wurde die Serie von dem inzwischen verstorbenen Hamburger Kunstsammler Hans-Jürgen Boll. Dessen Gattin Jutta war bei der Ausstellungseröffnung anwesend und hatte mit ihrer großzügigen Unterstützung das Projekt und einen Katalog in Heinsberg erst möglich gemacht. Peter Nagel sagte Jutta Boll ein Dankeschön für die Begleitung seiner Arbeit und bezeichnete sich mit ihrem Ehemann als „seelenverwandt”.

Dass das Nashorn in der Kunst seit dem Mittelalter eine Rolle spielt, erläuterte die Kunsthistorikerin Dr. Vanessa Sondermann. Dabei wusste sie zu berichten, dass Nagel sich erstmals in einem kleinen Modellierwettbewerb an der Düsseldorfer Kunstakademie mit dem Tier beschäftigt und diesen Wettstreit gewonnen habe. „Ja, ja”, bestätigte Peter Nagel lachend in der großen Gruppe der Gäste stehend. „Mein damaliger Konkurrent kann aber mittlerweile zwei Documenta-Teilnahmen vorweisen!”

Den Titel „100 Meisterwerke” hat Nagel der gleichnamigen Fernsehserie entliehen, die in den 1990er Jahren erfolgreich war. Aus der Kunstgeschichte mit van Gogh (geboren 1853) beginnend hat sich Nagel (Jahrgang 1963) bedient und das herausgearbeitet, was den Wiedererkennungswert der Künstler ausmacht. Diese Arbeit müsse man von links oder rechts betrachten, den Malewitsch unbedingt aus dem rechten Winkel, bekommen die Besucher von ihm erläutert. Es ist eine spannende Entdeckungsreise, die da angeboten wird. „Wie hieß der noch gleich?”, hört man da, bevor der Betrachter doch auf das kleine Schild guckt, das den Namen des dargestellten Künstlers trägt. Im Grunde ist es einfach für den, der sich auskennt. „Aber sind da nicht auch leise Kritik und Ironie im Spiel”, fragt Inge Keitel vom Kunstverein. Sie spricht die Wiedererkennbarkeit an, die für nicht wenige Kunst-Käufer vorrangig ist und die dazu führt, Kunstobjekte wie Safari-Trophäen zu behandeln. Neben den „100 Meisterwerken” zeigt Nagel auch noch andere Arbeiten, wie zum Beispiel seinen „Wühltisch”.
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