100 Jahre Textilgeschichte: Wie sich die Damen kirmesschön machten

Von: Dettmar Fischer
Letzte Aktualisierung:
Helmut Windeck präsentiert KÀ
Helmut Windeck präsentiert Königskleider der Familie Tholen, zwei Schmuckstücke der Textilienausstellung im Waldfeuchter Heimatmuseum Gerhard-Tholen-Stube. Foto: Dettmar Fischer

Waldfeucht. Helmut Windeck ist nicht nur der Vorsitzende des Historischen Vereins Waldfeucht, sondern auch ein talentierter Karikaturist. Und so können die Besucher der Sonderausstellung zum Thema Textilien in der Gerhard-Tholen-Stube in Waldfeucht nicht nur die Kleidung bewundern, die unsere Vorfahren trugen, sondern auch einige Karikaturen des begeisterten Heimatkundlers, in denen er vor allem der Unterwäsche mit spitzer Feder zu Leibe rückt.

Los geht es in der Ausstellung mit 100 Jahre alter Unterwäsche. Die Karikatur zur „schrittfreien Unterhose in zwei Ansichten von Süden und von Norden - Modell Ziska” ist köstlich und erheiterte bereits mehr als hundert Besucher.

Die Schau, darauf ist Windeck schon ein wenig stolz, konnte komplett aus dem Fundus des Heimatmuseums bestückt werden. Weit mehr als 150 Textilien schlummern meist im Verborgenen, im umfangreichen heimatkundlichen Archiv des Museums.

Wo andere Museen der Heimatkunde eher den Rücken kehren, greift der Historische Verein Waldfeucht zu, wenn ihm Nachlässe von älteren Gemeindemitgliedern geschenkt werden. Auch der „Unterhose mit Heckklappe Modell Lisbeth” hat Windeck eine Karikatur gewidmet.

Viele der Wäscheteile sind mit einem Monogramm versehen. Damit, so erklärte Windeck, habe der Besitzer seine wertvolle Wäsche gekennzeichnet. Zur damaligen Zeit war Leinen wegen des sehr aufwendigen Produktionsprozesses teuer.

Flachsgruben waren im Raum Waldfeucht zahlreich im Kitschbachtal zu finden, und so ist davon aus zu gehen, dass die Exponate auch in Waldfeucht hergestellt worden sind. Aus dem Nachlass von Ministerialrat Wilhelm Bodens ist ein wohlerhaltenes Nachthemd mit rot eingesticktem Monogramm zu sehen. Bodens Tochter hat es dem Historischen Verein überlassen. Helmut Windeck: „Die Leute wollen, dass die Sachen noch erhalten bleiben.”

Was am Ende wirklich wertvoll ist, darüber entscheidet nicht der materielle Wert eines Ausstellungsstücks: „Ich kann den Besuchern über jedes Stück eine Geschichte erzählen. Und wenn die Menschen diese hören, wird sogar eine einfache Fotografie wertvoll”, sagt Windeck.

Zu sehen sind auch zwei Königskleider, eines in Hellblau, das andere in Weiß und Grau, beide mit viel Spitze besetzt. Die Familie Tholen war in den 60er/70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zweimal mit Königinnen an der Waldfeuchter Kirmes beteiligt. Die Kleider geben den Ausstellungsbesuchern nun Auskunft darüber, wie sich die Damen in damaliger Zeit kirmesschön machten.

Am beeindruckendsten ist aber wohl die ausgestellte Nachtwäsche mit Monogramm. Helmut Windeck: „Das war ganz wat Heiliges so ein Nachthemd.” Wertvoll eben, wegen des aufwendigen Produktionsprozesses und sehr lange getragen. Möge jeder mal selbst nachschauen, welche Initialen er der Nachwelt überliefert, vielleicht C und A? Viel zu rätseln haben unsere Nachfahren vermutlich nicht: „Heute wird ja alles schnell in den Müll geworfen”, meint Windeck.

Die Ausstellung in der alten Schule an der Brabanter Straße 32 in Waldfeucht geht noch bis Sonntag, 20. Mai. Öffnungszeiten: sonntags von 14 bis 17 Uhr.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert