Kreis Düren - Zum Rückrundenstart: Bundesliga-Fanclub-Vertreter im Gespräch

Zum Rückrundenstart: Bundesliga-Fanclub-Vertreter im Gespräch

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Vorfreude auf die Bundesliga: Pünktlich zum Ende der Winterpause haben die Fanclub-Vertreter der Region über Fußball im Allgemeinen, ihre Clubs im Besondern und ihre schönsten Fußballerlebnisse gesprochen. Foto: Imago/Sportfotodienst

Kreis Düren. Vier Männer, vier Clubs und eine große Liebe zum Fußball. Rechtzeitig zum Ende der Winterpause haben Peter Schüller vom „FC Bayern München Fanclub Kreis Düren“, Guido Oeckerath von den „Treuen Borussen Schmidt“, einem Fanclub von Borussia Dortmund, Henning Demke vom 1. FC Köln-Fanclub „Neffeltal 98“ und Herbert Gerigk („Birgel Borussen“), bekennender Gladbach-Fan, mit unserer Mitarbeiterin Sandra Kinkel über Fußball im Allgemeinen, ihre Clubs im Besondern und ihre schönsten Fußballerlebnisse überhaupt gesprochen.

Wenn am Freitagabend der FC Bayern in Freiburg antritt, liegen 29 Bundesliga-freie Tage hinter Ihnen. Wie schwer haben Sie die Pause ertragen?

Schüller: Wieso? Wir haben doch mit dem „Telekom Cup“ schon den ersten Titel gewonnen. Und jeder Titel zählt! Aber im Ernst: Ich freue mich schon auf die Bundesliga. Fußball ist einfach eine der schönsten Nebensachen der Welt.

Warum ist das so?

Schüller: Weil ich beim Fußball wunderbar entspannen kann. Ich rege mich zwar auch auf. Aber das ist für mich positive Aufregung und keine, die mich belastet.

Herr Gerigk, wie sehr freuen sich auf das Ende der Winterpause?

Gerigk: Schon sehr. Ich glaube, ich bin noch neugieriger als sonst, weil Gladbach mit Dieter Hecking einen neuen Trainer hat, und ich sehr gespannt bin, was jetzt kommt. Als ich vor der Winterpause im Stadion war, war das eigentlich kaum noch mit anzusehen, vor allem, weil doch eigentlich eine Mannschaft auf dem Platz steht, die Fußball spielen kann. Jetzt habe ich die Hoffnung, dass der Trainerwechsel eine Initialzündung war, der die Mannschaft wieder nach vorne bringt.

Oeckerath: Die Pause war doch jetzt nur kurz. Im Sommer ist es viel schlimmer, da sind es zwischen dem letzten Spiel der aktuellen Saison im Mai und dem Start der neuen Saison oft vier Monate. Das ist dann schon sehr lang. Demke: Die Pause war schon schlimm. Es hat etwas gefehlt. Ich bin froh, dass es wieder losgeht?

Wo gucken Sie am Freitag beziehungsweise Samstag?

Demke: Köln spielt am Sonntag in Mainz. Ich gucke das Spiel zu Hause im Fernsehen.

Schüller: Ich muss arbeiten und gucke das Spiel, wenn es zeitlich passt, mit den Leuten aus meiner Wohngruppe, die ich betreue.

Gerigk: Ich verfolge das Spiel im Live-Ticker und im Radio. Gladbach spielt in Darmstadt, da fahre ich nicht hin. Und Bezahlfernsehen habe ich auch nicht.

Oeckerath: Ich gucke grundsätzlich nie Fußball im Fernsehen, sondern nur im Stadion. Die Atmosphäre ist einzigartig und kann durch nichts ersetze werden. Das Spiel am Samstag gegen Bremen verfolge ich auch im Live-Ticker.

Aber Länderspiele gucken Sie sich im Fernsehen an?

Oeckerath: Nein. Ich gucke überhaupt keinen Fußball im Fernsehen. Das ganz Drumherum und die vielen Expertenmeinungen mag ich überhaupt nicht. Vermutlich bin ich auch der Einzige, der den WM-Siegtreffer von Mario Götze noch nicht gesehen hat.

Schüller: Den hast Du noch nicht gesehen? Das verstehe ich jetzt überhaupt nicht. Ich gucke jedes Spiel im Fernsehen. Auch wenn, die anderen deutschen Vereine international spielen. Das interessiert mich einfach.

Wie sehr bestimmt Fußball Ihr Leben?

Schüller: Auf einer Skala von eins bis zehn würde ich mich für die Mitte entscheiden. Natürlich gibt es andere Prioritäten, zum Beispiel meine Familie. Ich habe auch zu Hause Bezahlfernsehen, damit ich mir die Spiele des FC Bayern anschauen kann. Ich identifiziere mich sehr mit dem Verein. Aber ich bin keiner der Fans, die in Bayern-Bettwäsche schlafen.

Gerigk: Also ich schlafe schon in Gladbach-Bettwäsche (lacht). Aber ernsthaft: Ich würde nicht sagen, dass der Fußball mein Leben bestimmt. Ich bin sehr fußballinteressiert. Ich habe eine Dauerkarte und stehe jede zweite Woche in der Nordkurve. Manchmal kommt es vor, dass ich mich nach einem Spiel unglaublich aufrege. Der Ärger ist aber vorbei, wenn ich zu Hause ankomme und mit dem Auto in die Garage fahre.

Schüller: Man wird ja auch mit den Jahren ruhiger. Als Bayern München 2012 im Champions League-Finale gegen Chelsea im Elf-Meter-Schießen verloren hat, habe ich eine Nacht nicht geschlafen. Einfach, weil die Bayern so schlecht gespielt haben. Demke: Neben Karneval ist Fußball ein sehr wichtiger Bestandteil in meinem Leben.

Herr Oeckerath, welche Rolle spielt Fußball in Ihrem Leben?

Oeckerath: Eine sehr große. Ich habe selbst gespielt, war später viele Jahre Jugendleiter beim TuS Schmidt. Heute bin ich bei fast jedem Heimspiel in Dortmund.

Wie sind Sie eigentlich Dortmund-Fan geworden?

Oeckerath: Das war 1976. Freunde haben mich mit nach Dortmund genommen. Der Gegner war Köln. Ich kann es nicht genau erklären, aber irgendetwas hat damals bei mir „Klick“ gemacht, und ich war Fan von Borussia Dortmund.

Schüller: So einen Moment hat glaube ich jeder Fußball-Fan im Leben.

Und welcher war Ihr Moment?

Schüller: Bei mir war es das Weltmeisterschaftsfinale 1966 in London. Ich sehe das Spiel noch heute vor mir. Damals war ich zehn Jahre alt und unglaublich beeindruckt.

Warum sind Sie danach Bayern München-Fan geworden?

Schüller: Wegen Franz Beckenbauer. Der war damals mit Abstand der beste Spieler und ist heute immer noch einer der ganz Großen.

Herr Gerigk erzählen Sie auch noch kurz, warum Sie Gladbach-Fan geworden sind?

Gerigk: Das war auch in den 70er Jahren. Ich war fußballinteressiert, und die Jungs, die ich kannte, waren alle Gladbach- oder Bayern-Fans. Ich wollte in der Nähe bleiben, und ich fand damals auch Günter Netzer schon sehr cool. Demke: Ich habe die Liebe zu Köln vererbt bekommen, mein Vater ist gebürtiger Kölner. Ich habe sogar eine lebenslange Mitgliedschaft beim FC.

Wie geht das?

Demke: Es gab bei uns im Verein die Aktin „E levve lang“. Köln wurde 1948 gegründet und für 1948 Euro konnte man eine lebenslange Vereinsmitgliedschaft kaufen. Das habe ich gemacht.

Fußballfan zu sein ist das eine, sich im Fanclub zu engagieren, das andere. Warum wollten Sie sich als Fan organisieren?

Schüller: Mein Sohn hat mich im Fanclub angemeldet. Aber es macht mir auch viel Freude.

Oeckerath: Vor 24 Jahren war Dortmund für fünf Minuten Deutsche Meister, hat aber dann das entscheidende Spiel doch noch verloren. Damals hatten wir die Idee, einen Fanclub zu gründen. So sind die „Treuen Borussen Schmidt“ entstanden. Wir feiern bald unser 25-jähriges Jubiläum. Das schaffen nicht viele Fanclubs.

Gerigk: Bei uns war das so ähnlich. Wir waren bei einem Auswärtsspiel in Augsburg und haben uns mit den Leuten, mit denen wir häufig unterwegs sind, spontan entschieden, die Birgel Borussen zu gründen. Demke: Wir haben unseren Fanclub gegründet, nachdem Köln das erste Mal abgestiegen war. Damals war der Verein so gut wie tot, und wir wollten gerade in diesem Moment etwas für den Club tun.

Haben Fanclub-Mitglieder irgendwelche Vorteile?

Oeckerath: Bei Dortmund gibt es eine Weihnachtsfeier für die Fanclubs, an der auch die Mannschaft teilnimmt. Außerdem gibt es für die Spiele gewisse Kartenkontingente für Fanclub-Mitglieder.

Gerigk: Und Rabatt im Fanshop. Aber deswegen gründet man natürlich keinen Fanclub. Für mich ist das eine Klammer außerhalb des Vereins.

Stehen oder sitzen Sie im Stadion?

Gerigk: Ich stehe natürlich. Da kann man das Spiel mitleben. Die Stimmung ist eine ganz andere als bei den Sitzplätzen. Man feiert mit wildfremden Menschen und liegt plötzlich Leuten in den Armen, die man überhaupt nicht kennt. Das ist ein tolles Gefühl.

Fußballspiele sind aber auch häufig Ort von Aggressionen.

Oeckerath: Sicherlich gibt es Fans, die ins Stadion gehen, weil sie Randale machen wollen.

Gerigk: Das spielt sich aber doch auf einer völlig anderen Ebene ab. Die meisten Fans wollen friedlich zusammen Fußball gucken.

Wie reagiert eigentlich Ihr Puls, wenn Sie das Wort Leipzig hören?

Schüller: Ganz normal. Bayern München ist auch eine Mannschaft mit viel Geld, die die fertigen Spieler einkauft. So ist das bei Leipzig auch. Demke: Es ist leider so, dass ohne Geld in der Bundesliga nichts mehr funktioniert. Ob es gut ist, dass aus einem Traditionsverein plötzlich, der Verein eines Getränkeherstellers wird – darüber lässt sich streiten.

Gerigk: Ich finde es gut, dass es wieder einen Verein in der Bundesliga gibt, der großen Clubs wie Bayern Paroli bieten kann. Das macht die Liga spannender. Für mich ist es kein Problem, dass ein Verein viel Geld hat. Was mir nicht gefällt ist, dass hier ein Fußballclub herhält, um ein Getränk zu promoten. RB Leipzig hat außerdem nur sehr wenig Mitglieder. Das finde ich einfach komisch.

Herr Schüller, nervt es manchmal, wenn man als Bayern-Fan immer hören muss, dass der FC sich mit viel Geld gute Spieler und damit auch den Erfolg kauft?

Schüller: Ich kann damit leben. Grundsätzlich hat doch jeder Verein die Möglichkeit, genau das Gleiche zu tun. Beim FC Bayern arbeiten sehr gute Leute. Die haben es geschafft, dass der Club so erfolgreich ist.

Herr Oeckerath, wie zufrieden sind Sie im Augenblick mit Dortmund?

Oeckerath: Na ja, international sehr zufrieden, im DFB-Pokal sind wir noch dabei. Nur was die Bundesliga angeht, fehlen uns im Augenblick sechs Punkte. Da muss die Mannschaft sich noch steigern.

Herr Gerigk, Gladbach hat derzeit nicht gerade rosige Zeiten...

Gerigk: Das stimmt, aber wir hatten auch schon jede Menge schlechtere Zeiten. Es ist unerklärlich, warum es mit der Mannschaft in dieser Saison nicht funktioniert. Dieter Hecking ist ein guter und erfahrener Trainer, mal sehen, was bis zum Ende der Saison noch drin ist. Demke: Bei uns läuft es im Augenblick optimal. Im Verein ist Ruhe eingekehrt, die Leistung stimmt. Ich bin mehr als zufrieden.

Haben Sie einen Lieblingsspieler?

Gerigk: Ja, Raffael Caetano de Araújo. Das ist ein sehr unaufgeregter Spieler, der viel für die Mannschaft tut. Schüller: Robert Lewandowski.

Oeckerath: Ousmane Dembélé. Der ist ein echtes Talent. Demke: Marcel Risse. Der gefällt mir von seinem Typ und seinem Verhalten her sehr gut. Ich finde es toll, dass beim FC im Augenblick sieben gebürtige Kölner spielen.

Verraten Sie mir zum Schluss noch Ihr schönstes Fußballerlebnis?

Oeckerath: Das ist ja das Schöne an meinem Hobby: Der Fußball hat mir so viele tolle Momente beschert, dass ich jetzt stundenlang erzählen könnte. Gerigk: Bei mir ist es der Aufstieg in der Saison 2006/2007, den ich zum ersten Mal live in der Nordkurve erlebt habe – unvergesslich!

Schüller: Als der FC Bayern vor sechs Jahren zu einem Freundschaftsspiel in Langerwehe war, gehörte ich zu den ausgelosten Elfmeterschützen. Es war ein unglaubliches Gefühl, mit den Bayern-Profis auf dem selben Rasen zu stehen – auch unvergessen. Demke: Ich war vor vielen Jahren bei einem Freundschaftsspiel mit Toni Schumacher und hatte die Gelegenheit, ihm einen Ball zu zu werfen. Das war toll.

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