Wie funktioniert eigentlich eine Deponie?

Von: Sarah Maria Berners
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Der Kreis Düren hält 25,1 Prozent der Anteile an Dürener Deponiegesellschaft, 74,9 Prozent der Anteile gehören der Entsorgungsgesellschaft Niederrhein (EGN). Genehmigungsinhaber für die Deponie ist der Kreis Düren. Foto: Sarah Maria Berners

Horm. Die Pläne, die Deponie weiterzubetreiben, haben einige Bürger auf die Palme gebracht. In der Debatte gibt es viele Kritikpunkte und große Sorgen – auch mit Blick auf mögliche Schadstoffe und Umweltbelastungen. Wir haben dies zum Anlass für einen Besuch auf der Deponie genommen, bei dem die Verantwortlichen die Abläufe und Kontrollmechanismen der Halde erklärt haben.

Welcher Müll wird in Horm deponiert?

Die Deponie in Horm ist in zwei Teile gegliedert. In den unteren Teil des alten Erztagebaus wurde seit 1973 Hausmüll geschüttet. Darüber hinaus gibt es Erzählungen, dass auch Giftfässer in der Deponie gelandet sind. „Wir können heute nicht mehr nachvollziehen, ob das stimmt oder nicht, uns ist jedenfalls nichts darüber bekannt“, sagt Deponiegeschäftsführer und Kreisdezernent Hans-Martin Steins. 1992 wurde eine Zwischenabdichtung errichtet. Den darunter liegenden Deponieteil bezeichnen die Betreiber als „Altmüllkörper“. Auf dieser Zwischenabdichtung wurde zunächst noch 13 Jahre lang – bis die Müllverbrennung vorgeschrieben wurde – Restmüll deponiert. Seit 2005 werden dort nur noch mineralische Abfälle wie Sande und Bauschutt – also kein organisches Material mehr – gelagert. Dieser Teil der Deponie wird als „Neumüllkörper“ bezeichnet. Nun soll eine neue Abdichtung erfolgen. Anschließend sollen wieder Bauschutt und Sande auf die Halde.

Welche Auswirkungen hat die Deponie auf das Grundwasser?

„Der natürliche Grundwasserstrom führt in einem bestimmten Korridor aus der Eifel in Richtung Rur“, erklärt Hans-Martin Steins. Die Deponie verfüge daher über einen tiefen Pumpensumpf unterhalb der alten Tagebausohle sowie der untersten Deponieschicht, dem Altmüllkörper. „So entsteht eine Art Trichter, der dafür sorgt, dass das Grundwasser im Bereich der Deponie und dementsprechend auch die enthaltenen Stoffe aufgefangen und abgepumpt werden können“, erläutert der Dezernent. So könne das Wasser nicht weiter in Richtung Rur und auch nicht in Richtung der Dürener Wasseraufbereitung fließen. An 26 Messstellen werde die Qualität des Wassers – Oberflächen-, Sicker- und Grundwasser – regelmäßig, auch von unabhängigen Stellen wie externen Laboren und übergeordneten Behörden überprüft. Die Messstellen liegen (aus Sicht des Grundwasserstroms) vor, in und hinter der Deponie. „Alle gesetzlichen Grenzwerte werden eingehalten“, betont Claudia Schiewe vom Umweltamt des Kreises.

Gibt es keine Basisabdichtung?

Eine Basisabdichtung war zur Inbetriebnahme gesetzlich nicht vorgesehen. „Eine solche Deponie würde man heute nicht mehr einrichten, aber wir müssen – auch in Zukunft – mit den Belastungen umgehen“, ergänzt Schiewe.

Von welchen Stoffen muss das Wasser gereinigt werden?

„Wir unterscheiden zwischen den typischen Deponiestoffen aus dem Hausmüll und Schwermetallen, die tagebau- und naturbedingt in der Erde vorkommen“ erklärt Schiewe. „Typische Deponiestoffe sind zum Beispiel organische Bestandteile wie Chlorid und Ammoniumstickstoff.“ Mittlerweile seien die Abbau- und Auswaschungsprozesse im untersten Deponieteil jedoch so weit fortgeschritten, dass die Mischung aus Grundwasser und Sickerwasser (das Mischwasser) in diesem Bereich mit Blick auf die typischen Deponiestoffe ohne weitere Reinigung alle Grenzwerte für die Einleitung in den Abwasserkanal einhalte.

Was geschieht mit den Schwermetallen?

Im Mischwasser kommen auch Schwermetalle wie Nickel, Kobalt, und Arsen sowie Sulfat vor, die unabhängig von der Deponie seien. Sie seien bergbaubedingt im Boden vorhanden. Die Fachleute nennen das „geogen bedingt“. Aktuell werde nur das Arsen aus dem Wasser gefiltert, bevor das Wasser in den Kanal geleitet wird. Eine neue Filtration soll künftig auch die Reinigung von weiteren Stoffen ermöglichen. „Die im gepumpten Wasser enthaltenen Mengen Nickel und Kobalt müssen aber schon jetzt strenge Grenzwerte einhalten“, erklärt Schiewe. Sonst dürften sie nicht in die Kanalisation geleitet werden. Aus dem Mischwasser werden mittels Fällung über Kies- und Aktivkohlefilter jährlich bis zu 250 Kilogramm an Schwermetallfracht entfernt.

Wie wird das Sickerwasser im neueren Deponie-Teil gereinigt?

Dieses Sickerwasser, das im unteren Teil des Neumüllkörpers vor der Abdichtungsschicht zum ausschließlichen Hausmüllteil aufgefangen wird, wird in einem mehrstufigen Verfahren vor allem von organischen Bestandteilen gereinigt und dann in den Kanal geleitet.

Wo gibt es weitere Infos über die Deponieerweiterung?

Die aktuellen Antragsunterlagen können bei der DDG in Horm eingesehen werden. Die Verantwortlichen beantworten auch Fragen zu den geplanten Maßnahmen und zur Deponie im Allgemeinen.

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