Wenn die Rente mit Sicherheit nicht reicht

Von: Stephan Johnen
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Die Berater wollen die Altersa
Die Berater wollen die Altersarmut in den Fokus rücken und Menschen helfen, ihr rechtzeitig zu begegnen. Foto: Johnen

Kreis Düren. „Die Rente ist sicher”, hat einmal ein Bundesarbeitsminister gesagt. Er tätigte diese Aussage zu einer Zeit, in der gerade bei jüngeren Menschen die Meinung vorherrschte, dass Rentner vor allem Zeit und Geld haben. Diese zwei Klischees sind von gestern.

Im Jahr 2012 dürfte aus Sicht von Dietlinde Folger-Kastrau und ihren Kollegen wohl nur eine Feststellung als wirklich sicher gelten: Mit dem Eintritt ins Rentenalter sind viele Menschen von Altersarmut bedroht.

Im Jahr 2009 waren 5,2 Prozent aller Ratsuchenden bei der Schulden- und Insolvenzberatung der Evangelischen Gemeinde zu Düren und der Schuldnerberatung des Diakonischen Werkes des Kirchenkreises Jülich älter als 60 Jahre. Im vergangenen Jahr ist ihr Anteil auf 7,7 Prozent gestiegen. „Wir sehen erst die Anfänge einer Entwicklung”, warnt der pensionierte Bankdirektor Winfried Steffens, der ehrenamtlich als Schuldnerberater arbeitet. Die Zukunft der Altersarmut in unserem Land habe gerade erst begonnen.

Es gibt viele Gründe und Risiken

„Alter, Armut, Schulden” lautet daher das Thema der bundesweiten Aktionswoche der Schuldnerberatungen, an der sich auch die beiden Beratungsstellen im Kreis Düren beteiligen. Sinkendes Leistungsniveau der gesetzlichen Rentenversicherung, Langzeitarbeitslosigkeit, Minijobs, prekäre Beschäftigungsverhältnisse und Unterbrechungen in der Erwerbsbiografie: Es gibt viele Mosaiksteine, viele Risiken, erklärt Schuldnerberaterin Ursula Hensen. Kommen dann noch Krankheit, Schicksalsschläge und der Wegfall familiärer Unterstützungssysteme hinzu, könne jeder Mensch schnell von Altersarmut bedroht sein. Galt sie lange als Risiko für allem für Frauen, wandle sich dies.

Die Schuldnerberatungen sehen sich in mehrfacher Weise gefordert: Sie wollen passgenaue Konzepte für die Betroffenen erarbeiten und Wege aus der Schuldenfalle aufzeigen. „Wir müssen aber auch Wege finden, die Menschen überhaupt zu erreichen”, unterstreicht Winfried Steffens. Die Hemmschwelle sei oft sehr hoch, über Armut und Schulden werde aus Scham oft nicht gesprochen - nicht einmal mit den eigenen Familienmitgliedern. Die Prävention genieße daher einen sehr hohen Stellenwert. So arbeiten die Berater beispielsweise mit der Interessengemeinschaft Seniorenarbeit im Raum Düren/Jülich (Isar) zusammen.

Die Arbeit setze Fingerspitzengefühl und Geduld voraus - schließlich müsse ein Vertrauensverhältnis aufgebaut werden. Kernpunkte seien eine frühzeitige Budgetberatung und Informationen über Sozialleistungen. Oft sei der Übergang ins Rentenalter ein drastischer Einschnitt, mit dessen Auswirkungen sich die Menschen nicht rechtzeitig beschäftigt hätten. „Viele Menschen nehmen auch die staatlichen Hilfen, die ihnen zustehen, aus Scham nicht an”, weiß Ursula Hensen aus ihrer Beratungsarbeit. Pfarrer Martin Gaevert fordert von der Politik, Rentnern ein „soziokulturelles Existenzminimum” zu garantieren, das die Würde des Menschen auch im Alter sichere und gesellschaftliche Teilhabe ermögliche.
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