Kreis Düren - Wenn die Flucht zur Sucht wird

Wenn die Flucht zur Sucht wird

Von: sj
Letzte Aktualisierung:
drogen3_xxx
„Die Tendenz, sich aus dem Leben zu verabschieden, nimmt zu”, sagen die Suchtberater. Immer mehr Menschen würden in virtuelle Welten abtauchen - und süchtig nach Internet und Online-Spielen werden. Foto: sj

Kreis Düren. Der Konsum illegaler Drogen ist rückläufig. Das sagt zumindest ein Blick in die neue Statistik der Sucht- und Drogenberatung des Caritasverbandes Düren/Jülich.

„Doch konsumiert wird weiterhin auf einem hohen Niveau, das Thema ist immer noch ein Problem”, bilanziert Beratungsstellenleiter Wilfried Pallenberg.

Auch im vergangenen Jahr beschäftigte die Suchtberater vor allem die Volksdroge Alkohol. Die Konsumenten werden immer jünger, trinken immer größere Mengen. Und eine weitere Sucht ist auf dem Vormarsch. Eine, die offiziell noch nicht als Krankheit anerkannt ist: Immer mehr Menschen werden abhängig von Internet und Online-Spielen.

Die Flucht in virtuelle Welten wird zur Sucht. Nicht selten ist soziale Verwahrlosung die Folge. Betroffen seien Schüler, Studenten - aber auch ältere Semester. Die Tendenz, sich aus dem Leben zu verabschieden, nehme zu.

„Wir haben dieses Problem frühzeitig erkannt”, sagt Suchtberater Manfred Böhm, vor zwei Jahren wurde diese Form der Spielsucht ins Programm der Beratungsstelle aufgenommen.

„Nur wurden dafür die Mittel für die Migrantenarbeit gestrichen. Es ist ein Nullsummenspiel”, verdeutlicht Pallenberg die derzeitige Lage der Beratungsstelle: „Drogen- und Sozialarbeit hat eine geringe Lobby. Geredet wird in der Politik über andere Themen.”

Dass der Bedarf an Beratungen aber vorhanden ist, zeigt der Blick in die Jahresstatistik 2008: Im Bereich der ambulanten Hilfen wurden 1661 Menschen betreut (Vorjahr 1634), davon 839 (873) einmalig und 749 (679) intensiv.

Zudem wurden 73 (83) Angehörige intensiv betreut. Intensiv, das bedeutet mehr als drei Kontakte mit der Beratungsstelle. 726 Ratsuchende kamen aus dem Stadt-, 896 aus dem Kreisgebiet. Die vorrangige Symptomatik verteilte sich bei den Intensivklienten wie folgt: Alkohol (133 Menschen), Cannabis (70), Opiate (217), Amphetamine (77) und Glücksspiel (51).

Von den 749 intensiv Betreuten betrieben neben ihrer Hauptabhängigkeit 583 Menschen schädlichen Gebrauch von Tabak, 462 Alkoholmissbrauch und 398 rauchten Cannabis. 292 der Intensivklienten leben von Hartz IV, 64 Prozent leben allein oder bei ihren Eltern.

Die Zahl der in Substitution Befindlichen ist von 156 auf 184 gestiegen. Die Präventionsarbeit der Drogenberatungsstelle erreichte 13188 Personen bei zahlreichen Schulbesuchen und Infoveranstaltungen in Stadt und Kreis Düren.

„Wir würden gerne mehr tun, aber das gibt das Personal nicht her”, sagt Wilfried Pallenberg. „Wir haben die Grenzen der Beratung erreicht. Es ist passiert, was wir nie wollten: Es gibt eine Warteliste”, fährt er fort.

Das sei besonders problematisch, weil es in vielen Fällen direkter Handlungsbedarf bestehe. „Es gibt Menschen, die fallen drastisch aus dem Raster”, sagt Pallenberg. Der Ansatz, schnelle und unbürokratische Hilfe leisten zu können, gehöre der Vergangenheit an.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert