Wenig Platz für ausländische, neue Schüler

Von: Carsten Rose
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Zwei Flüchtlingsmädchen melden sich am 09.03.2016 während des Unterrichts im Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium in Duisburg (Nordrhein-Westfalen). An dem Gymnasium werden Flüchtlingskinder im Rahmen eines Pilotprojekts in Internationalen Klassen (IK) unterrichtet mit dem Ziel, sie ins deutsche Bildungssystem zu integrieren. Foto: Monika Skolimowska/dpa (zu dpa/lnw "Flüchtlinge an Schulen - Gymnasium in Duisburg-Marxloh geht neue Wege" vom 05.04.2016) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Kreis Düren. Die Schullandschaft im Kreis Düren steht auf dem Prüfstand. Das sagt Michael Schevardo, Schulrat beim Kreis-Schulamt. Er bezieht sich auf die sogenannten Sprachfördergruppen, in denen Kinder und Jugendliche, die aus dem Ausland neu in den Kreis kommen, Deutsch lernen.

Denn selbst wenn, wie es das NRW-Innenministerium mitgeteilt hat, stetig weniger Geflüchtete in das Bundesland und somit auch in den Kreis Düren kommen, müssen die schulpflichtigen Kinder und Jugendliche, die schon da sind, weiter versorgt werden. „Die öffentliche Wahrnehmung spiegelt sich in der Schullandschaft nicht wider. Wir haben viel zu tun“, sagt Schevardo. Das größte Problem sei der Platzmangel.

Definition: Sprachfördergruppen werden schulübergreifend für den Deutschunterricht für zugewanderte Schüler eingerichtet. Es entstehen keine eigenständigen Klassen, in denen mehrere Fächer unterrichtet werden. Zehn bis zwölf Wochenstunden soll, laut Runderlass des Landesschulministeriums, der am 1. August 2016 in Kraft getreten ist, der Unterricht betragen. Dieser finde meist statt, wenn die Regelklasse Sachunterricht erhält. Nach bis zu zwei Jahren in einer Sprachfördergruppe wird geschaut, welche Schulform für die Schüler angemessen ist.

Situation im Kreis: Derzeit gibt es 28 Sprachfördergruppen, die sich auf Schulen in Düren und Jülich verteilen. Eine weitere Klasse in Düren sei in Planung, da bis zu 15 Schüler noch unversorgt sind, sagt Schevardo.

Schüler: Im Jahr 2015 hat das Kreisschulamt 627 Schüler als sogenannte Seiteneinsteiger zugeteilt, im abgelaufenen Jahr waren es bis Mitte Dezember 609. Schevardo erklärt, dass nicht alle Kinder vom Kreis betreut würden. Wie etwa Kinder im Grundschulalter, die ländlich wohnen und direkt in die Regelklasse integriert würden. „Etwa zwei Drittel aller zugezogenen Kinder werden auf Sprachfördergruppen verteilt, das übrige Drittel wird direkt in die Regelklasse integriert. Bei Grundschülern ist das einfacher, weil Kinder bis zum zwölften Lebensjahr eine neue Sprache wie ihre Muttersprache lernen können.“

In der Stadt Düren wurden 2015 alleine 258 Schüler beraten, diese Zahl wurde 2016 schon zum 1. November erreicht. Zum Vergleich: Im ganzen Jahr 2014 waren es 119.

Schüler aus den Gruppen kommen sowohl aus Flüchtlingsfamilien als auch aus Familien, die in die Statistik der „legalen Zuwanderung“ fallen. Also Menschen, die innerhalb Europas (vorrangig aus dem Südosten und Osten) oder anderen Teilen der Welt nach Deutschland gezogen sind. Eine Statistik, die zwischen Flüchtlingskindern und legalen Zuwandererkindern unterscheidet, existiere nicht.

Es werden nur die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge separat gelistet: 2015 wurden nach Angaben der Verwaltung des Kreises Düren 50 von ihnen auf die Schulen verteilt; im abgelaufenen Jahr waren es bis Mitte Dezember 46, aber nicht alle seien noch zwingend in den Klassen. „Durch Familienzusammenführungen und Umzüge kann über das Jahr eine Fluktuation in den Klassen entstehen“, sagt Kreis-Sprecher Josef Kreutzer.

Lehrer: „Bei den Lehrern haben wir keine Probleme“, sagt Schevardo. Ein Lehrer unterrichte 20 Schüler; hinzu komme pro Gruppe eine halbe Stelle – das sind 42 Stellen bei 28 Gruppen.

Probleme: 1. Der Bildungsstand: Dieser sei am Anfang schwer zu erfassen. 2. Der Migrationsanteil an Hauptschulen: Eine neue Zentrierung sei aus pädagogischer Sicht nicht gewünscht. „Für die Integration ist eine Gesamtschule mit dem Bildungszweig Hauptschule besser“, sagt Schevardo, „nur sind die Schulen in der Regel schnell durch die regulären Anmeldungen ausgelastet.“ 3. Der Platzmangel: „Wir haben keine freien Kapazitäten“, sagt auch Helmut Klinker vom Dürener Schulamt. „Schulen sind grundsätzlich bereit, Sprachfördergruppen zu eröffnen“, sagt Michael Schevardo, „aber die Räume fehlen.“

Aussicht: Die Zahl neuer Schüler hängt vom Zuzug hab, dieser ist nicht vorherzusagen. Nichtsdestotrotz: „Selbst wenn ,nur‘ noch 300 Schüler aus dem Ausland zuziehen, sind das immer noch gut 15 Gruppen“, sagt Schevardo. „Es spielt uns aber in die Karten, dass jemand, der Anfang 2015 gekommen ist, dieses Jahr in die Regelklasse kommt. Das Rollverfahren fängt die Masse etwas ab.“

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