Weißes Gold aus 16 Mühlen im Nordkreis

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Getreide war eine der wichtigsten Handelswaren des Jülicher Landes. In 16 Mühlen zwischen Aldenhoven und Titz wurde Korn zu Mehl verarbeitet. Foto: Stock/Jochen Tack

Jülich/Düren. „Waren die Jülicher Städte ein Erfolgsrezept oder ein Misserfolg?“ Diese Frage stellt sich Heinz Andermahr, Stadtarchivar von Bergheim, in der jüngsten Publikation der Joseph-Kuhl-Gesellschaft zur Wirtschaftsgeschichte von insgesamt 32 Städten und Freiheiten des Herzogtums Jülich im 14. bis 17. Jahrhundert.

Tatsächlich kann man diese Frage nicht pauschal beantworten, denn die Gegebenheiten und Entwicklungen waren in den 25 Städten und sieben Freiheiten des Herzogtums unterschiedlich. Die meisten Jülicher Städte waren Kleinstädte mit unter 2000 Einwohnern, 18 davon zählten nicht mehr als 1000 Einwohner wie die Städte Jülich und Linnich. Aldenhoven erwarb städtischen Charakter, Titz dagegen hatte niemals stadtähnliche Merkmale. Die Stadt Jülich stand mit 15 landesherrlichen Privilegien an sechster Stelle im Herzogtum.

Neue Einsichten

Auf 240 Seiten kann diese unterschiedliche Entwicklung nur ansatzweise dargestellt werden. Die größte Stadt im Herzogtum, Düren, wird folglich am ausführlichsten behandelt. Aber auch über Jülich, Linnich, Aldenhoven und Titz gewinnt der Leser – in größerem Zusammenhang gesehen – neue Einsichten.

Die wichtigsten Handelswaren kamen in Jülich, Linnich, Aldenhoven und Titz wegen des guten Lössbodens aus dem Getreide- und Waidanbau. Allein in Jülich gab es acht, in Linnich fünf, in Aldenhoven zwei Getreidemühlen, eine in Titz. Der Waidanbau bildete die Grundlage für das wichtigste Blaufärbemittel im Mittelalter. Es gab Waidmühlen in Aldenhoven und Linnich und Waidfachleute in Jülich. Auch Wein wurde in Jülich und Aldenhoven angebaut, da es im 14. bis 16. Jahrhundert länger anhaltende Wärmeperioden gab. Der Hopfenanbau in Jülich (mit drei Brauhäusern), Linnich und Titz besonders gereichte gerademal für den Eigenverbrauch.

Aus den Tabellen für einzelne Handelswaren (unter anderem Metalle, Vieh, Gewürze, Textil und Öl) erwirbt der Leser differenzierte Kenntnis von den unterschiedlichen Wirtschaftskräften im Herzogtum. Auch die Karten im Anhang mit Handelsstraßen für einzelne Gewerbe veranschaulichen die Vielfalt. Es wird von den Handwerkern und Kaufleuten, von Juden und Lombarden und von den Jahrmärkten berichtet. Im Jahr 1576/77 gibt es fünf Jahrmärkte in Jülich, 1571 verleiht Herzog Wilhelm V. zwei neue Jahrmärkte an Linnich, darunter den bis auf den heutigen Tag bekannten Andreasmarkt am 30. November.

Aldenhoven wurde schon 1289 als „Martaldenhoven“ bezeichnet, also als ein Ort, wo Märkte abgehalten wurden. Nach dem 30-jährigen Krieg und im 18. Jahrhundert setzt in den Jülicher Städten ein allgemeiner wirtschaftlicher Niedergang ein.

Das Buch: Heinz Andermahr: „Handelsgüter und Wirtschaftskräfte in den Städten des Herzogtums Jülich vom 14. - 17. Jahrhundert“ (Forum Jülicher Geschichte. Veröffentlichungen der Joseph-Kuhl-Gesellschaft zur Geschichte der Stadt Jülich und des Jülicher Landes; Hg. von Günter Bers und Wolfgang Herborn, Bd. 67), 2014; 18 Euro. Bestellung per E-Mail: gbers@uni-koeln.de.

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