Wechsel im FZJ-Vorstand: Ein Ingenieur beerbt den Mathematiker

Von: Thorsten Pracht
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Mit Algen Flugzeuge antreiben: Sowohl der scheidende FZJ-Vorstandsvorsitzende Prof. Achim Bachem (links) als auch sein Nachfolger Prof. Wolfgang Marquardt setzen auf die Zukunftsforschung. Foto: Gerda Król

Kreis Düren. Am kommenden Dienstag wird eine wundersame Wandlung vonstatten gehen. Betroffen davon ist Professor Dr. Wolfgang Marquardt. „Ab Dienstag wird er als DER Experte in allen Bereichen gelten – ganz egal, wo er hinkommt“, sagt der scheidende Vorstandsvorsitzende des Forschungszentrums Jülich, Professor Dr. Achim Bachem, über seinen Nachfolger.

Am Montagabend übergibt Bachem in einer Feierstunde offiziell den Staffelstab an seinen Nachfolger. Freitag führte der „Alte“ den „Neuen“ bereits über das Gelände. Beide besichtigten drei Projekte des FZJ. Selbstverständlich schaute man im Supercomputing Centre vorbei, wo immer noch einer der zehn schnellsten Rechner dieses Planeten steht. Auch die Helmholtz Nanoelectronic Facility (HNF) stand auf dem Programm des knapp zweistündigen Rundgangs, genau wie das Projekt „Aufwind“, bei dem das FJZ den Einsatz von Algen zur Gewinnung von Bio-Kerosin für die Luftfahrt erforscht.

„Man tut gut daran, ab und zu eine ,Tiefbohrung‘ zu machen, um zu wissen, was auf der der Arbeitsebene passiert“, sagt Marquardt beim Blick in den Reinraum im HNF, den größten in Europa. Eine Gelegenheit, die sich dem 58-Jährigen in Zukunft wohl nicht allzu oft bieten wird, wenn man seinem Vorgänger Glauben schenkt. „Der Job ist inzwischen 98 Prozent Management und nur noch zwei Prozent Wissenschaft“, sagt Bachem, der mit 67 Jahren in den Ruhestand geht.

„Schuld“ an dieser Entwicklung hat er maßgeblich selbst, denn in seiner Amtszeit ab dem Jahr 2006 wuchs das Forschungszentrum erheblich – allein die Zahl der Mitarbeiter stieg von 4200 auf 5700. „Ich ihn zufrieden“, sagt Bachem mit Blick auf seine acht Jahre in Jülich, im Bewusstsein, die „fetten Jahre“ erlebt zu haben. „Die Aufgabe wird schwieriger werden“, prophezeit er.

Als Vorsitzender des Wissenschaftsrates an der RWTH Aachen bringt Marquardt alle Voraussetzungen mit, dem gewachsen zu sein. Gebürtig aus Böblingen, wurde er über seinen Vater früh mit technischen Fragestellungen konfrontiert, berichtet der neue Vorstandschef. Also wurde er Ingenieur. „Ich bin kein Tüftler, sondern war schon immer eher grundlagenorientiert, was für einen Ingenieur eigentlich untypisch ist“, sagt Marquardt über sich selbst. Die Berufung zur Wissenschaft habe sich halt irgendwann ergeben. Auf den Mathematiker Bachem folgt also jetzt ein Ingenieur. Der scheidende Chef macht keinen Hehl daraus, wie glücklich er mit der Entscheidung ist. „Er hat den nötigen Stallgeruch, ist von allen akzeptiert“, meint Bachem.

Den Weg des FZJ, sich auf Lebenswissenschaften und künftige Technologien zu konzentrieren, will Marquardt weitergehen. „Jülich steht wie die anderen Zentren des Helmholtz-Verbundes dafür, Zukunftsforschung zu betreiben“, sagt der 58-Jährige. Die Gesellschaft habe eine hohe Erwartung, dass die Wissenschaft Antworten liefere. „Wir müssen die Brücke von der Erkenntnis zum fertigen Produkt schlagen“, umreißt Marquardt die Aufgabe. Transparenz sei – nicht nur wegen der jüngsten Diskussion um den Forschungsreaktor – die oberste Prämisse. „Man muss die Karten auf den Tisch legen“, sagt Marquardt.

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