Wasserverband Eifel-Rur steht vor großen Herausforderungen

Von: Jörg Abels
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Vorstand Joachim Reichert (2.v.l.), sein Vorgänger Wolfgang Firk (r.), Dürens Bürgermeister Paul Larue als Verbandsvorsteher und Industrievertreter Dr. Stefan Cuypers stellten den WVER-Jahresbericht vor.

Kreis Düren. Wie der neue Vorstand Dr. Joachim Reichert am Mittwoch bekanntgab, wird der Wasserverband Eifel-Rur (WVER) im deutschen Einzugsgebiet der Rur allein im Bereich Abwassertechnik bis zum Jahr 2025 rund eine Viertelmilliarde Euro in seine 44 Kläranlagen und 800 Sonderbauwerke (unter anderem Pumpwerke und Regenrückhaltebecken) investieren.

Die Anlagen sind größtenteils in die Jahre gekommen und müssen überholt werden, ohne dass der seit 2004 auf 132 Millionen Euro gedeckelte Beitrag der kommunalen und industriellen WVER-Mitglieder steigen soll. Dabei gehen Reichert und sein vor kurzem ausgeschiedener Vorgänger Prof. Dr. Wolfgang Firk davon aus, dass eine flächendeckende Einführung einer vierten Reinigungsstufe auf den Kläranlagen zur Eliminierung kleinster Mengen von Spurenstoffen im Abwasser (unter anderem Arzneimittel, Kosmetika, Hormone) nicht erforderlich sein wird.

Derzeit investiert der Verband mit 70-prozentiger NRW-Förderung elf Millionen Euro in eine sogenannte Ozonungsanlage auf der Kläranlage Aachen-Soers. Dort soll ab Ende des Jahres nicht nur getestet werden, bis zu welchem Grad die Spurenelemente mit Hilfe von Sauerstoff – jährlich werden dafür laut Reichert rund 750.000 Kilo benötigt – beseitigt werden können. In einem Forschungsprojekt soll darüber hinaus analysiert werden, welchen Einfluss die im geklärten Abwasser verbleibenden Spurenstoffe noch auf die Organismen im Fluss haben und ob sich der ökologische Zustand der Wurm mit der zusätzlichen Klärung nachweisbar verbessert.

Dabei stellen sich die WVER-Experten auch die Frage, ob Aufwand und Ertrag in einem vertretbaren Verhältnis stehen, oder ob es nicht besser ist, politisch bundesweite Maßnahmen auf den Weg zu bringen, die verhindern, dass Spurenstoffe überhaupt ins Abwasser gelangen. An einem entsprechenden Positionspapier, das dem Bundesumweltministerium vorliegt, hat Firk mitgearbeitet.

Zum Beispiel können über den Urin ausgeschiedene Röntgenkontrastmittel auch mit einer vierten Reinigungsstufe nicht aus dem Wasser gefiltert werden, erklärte Firk. Und in der Landwirtschaft eingesetzte Pflanzenschutzmittel gelangen abseits der Kläranlagen in die Gewässer.

Vor einer weiteren Herausforderung steht der WVER bei der Umsetzung der EG-Wasserrahmenrichtlinie. Das Ziel, den natürlichen Zustand der Flüsse wiederherzustellen und sie zum Beispiel für den Lachs durchgängig passierbar zu machen, stoße nicht nur an finanzielle Grenzen, wie Dürens Bürgermeister Paul Larue als Verbandsvorsteher aus Sicht der Kommunen und sein Stellvertreter Dr. Stefan Cuypers aus Sicht der Industrie betonten.

Um ein Flussbett wie aktuell das der Wurm unterhalb der Burg Trips in Geilenkirchen auf einer Länge von 550 Metern von 20 auf 70 Meter auszuweiten, müssten Landwirte auch bereit sein, Land zu verkaufen. Das aber sei nur äußerst selten der Fall und erschwere die Bemühungen erheblich, betonte Reichert. In Geilenkirchen investiert der WVER bei 80-prozentiger Landesförderung 2,2 Millionen Euro. Das Projekt komme auch dem Hochwasserschutz und dem Tourismus zugute.

Weitere Herausforderungen der Zukunft seien bis 2029 die Phosphor-Rückgewinnung aus dem Klärschlamm und die Digitalisierung, kündigte Reichert mit dem Hinweis an, dass bei den vor allem mechanisch betriebenen Talsperren keine Gefahr vor Hackerangriffen bestehe.

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