Radarfallen Bltzen Freisteller

Warum der Jugendschutz immer zu Hause anfängt

Letzte Aktualisierung:
11743170.jpg
Im Gegensatz zu Tabak ist erhöhter Alkohol bei Jugendlichen immer noch ein Problem. Das Ergebnis der „Euregionalen Jugendstudie“ hat ergeben, dass die Vorbildfunktion der Eltern enorm wichtig ist. Foto: stock/stock & people
11743066.jpg
Inge Heymann und Andreas Schön von der Drogenberatungsstelle. Foto: Sandra Kinkel

Kreis Düren. Kinder, die weniger Zugriff auf Alkohol und Tabak haben, werden als Erwachsene seltener suchtkrank. Das ist das Ergebnis der „Euregionalen Jugendstudie“, an der auch knapp 2100 Jugendliche der Klassen acht und zehn aus dem Kreis Düren teilgenommen haben.

Im Gespräch mit Sandra Kinkel erklären Inge Heymann und Andreas Schön von der Drogenberatungsstelle, warum Jugendschutz zu Hause anfängt und Alkohol so gefährlich ist.

Sind erhöhter Konsum von Alkohol und Tabak bei Jugendlichen wirklich ein Problem?

Inge Heymann: Beides ist ein wichtiges Thema, wobei man schon sagen muss, dass Tabakkonsum keinen große Bedeutung mehr hat. Auch die Zahl von Jugendlichen, die regelmäßig Alkohol konsumieren, ist deutlich niedriger geworden. Trotzdem hat der Alkoholkonsum gerade bei Jugendlichen einen hohen Stellenwert.

Warum haben Tabak und Nikotin an Brisanz verloren?

Heymann: Rauchen ist einfach uncool geworden. In der Öffentlichkeit wird kaum noch geraucht. Die gute Aufklärungsarbeit und die zahlreichen Kampagnen gegen das Rauchen haben Wirkung gezeigt. Rauchen spielt in der Selbstdarstellung bei Jugendlichen keine Rolle mehr.

Und das ist beim Alkohol anders?

Heymann: Wie gesagt, bemerken wir schon, dass der regelmäßige Konsum von Alkohol bei Jugendlichen abgenommen hat. Auch das ist sicherlich auf eine gute Präventionsarbeit zurückzuführen. Aber einzelne Trinkexzesse zu besonderen Anlässen gibt es immer noch. Häufig wollen Jugendliche auch einfach ihre Probleme und Gefühle wegtrinken. Andreas Schön: Bei den zwölf- bis 17-jährigen Mädchen hat das Rauschtrinken sogar leicht zugenommen. Das Thema hat also wirklich für uns eine große Brisanz.

Und wie entgegnen Sie dem?

Schön: Es gibt seit zwei Jahren ein gemeinsames Präventionsprojekt der Drogenberatungsstelle und des Krankenhauses Birkesdorf. Bei riskantem Alkoholkonsum von Kindern und Jugendlichen beraten wir die Jugendlichen, sprechen aber auf mit den Eltern. Zudem haben wir einen Risiko-Check entwickelt, bei dem die Kinder lernen, nicht nur das eigene Risikoverhalten besser einzuschätzen, sondern auch Verantwortung für das eigene Verhalten zu übernehmen. Außerdem gibt es ein Gruppenangebot, bei dem die Jugendlichen hinterfragen sollen, warum sie überhaupt trinken, warum der Verzicht schwerfällt und welche Alternativstrategien sie entwickeln können.

Wie ist die rechtliche Situation: Ab wann dürfen Jugendliche Alkohol trinken?

Heymann: Das Jugendschutzgesetz ist da sehr eindeutig. Ab 16 Jahren dürfen Bier, Wein und Sekt getrunken werden. Harter Alkohol, also beispielsweise Schnaps und übrigens auch Zigaretten dürfen erst ab 18 Jahren konsumiert werden. Schön: Wobei man an der Stelle sagen muss, dass es Bestrebungen gibt, auch den Konsum von Bier, Wein und Sekt erst für Jugendliche ab 18 Jahren zu erlauben. Einfach, um an der Stelle den Jugendschutz noch einmal zu verstärken.

Halten Sie das für sinnvoll?

Schön: Alkohol, der in hohem Maße konsumiert wird, wirkt neurotoxisch, das heißt, er birgt ein hohes Risiko für die körperliche und psychische Gesundheit. Viele wissen nicht, dass Alkohol nach Heroin, Kokain und Barbituraten, also Schlafmitteln, das viertgrößte Gesundheitsrisiko nach Drogen bedeutet. So gesehen ist größtmöglicher Jugendschutz natürlich sinnvoll.

Welche Rolle spielen Eltern?

Schön: Jugendschutz fängt immer zu Hause an. Natürlich können Eltern nicht generell verhindern, dass ihre Kinder Alkohol trinken, auch nicht vor dem 16. Lebensjahr. Aber es ist wichtig, dass Eltern eine klare Haltung haben.

Das heißt, ihren Kindern Alkoholkonsum rigoros verbieten? Oder ist es sinnvoll, ab und zu ein Gas Bier oder Wein im Beisein der Eltern zu erlauben?

Heymann: Ich denke nicht, dass es sinnvoll ist, den Konsum von Alkohol bei Kindern und Jugendlichen in irgendeiner Form zu fördern. Alkohol hat gerade bei Kindern eine sehr berauschende Wirkung. Die Gefahr, abhängig zu werden, ist sehr hoch. Das sollten Eltern nicht unterschätzen. Genauso wenig Sinn macht es aber auch, Alkohol zu verteufeln. Ein strenges Verbot mit harten Konsequenzen kann auch die Neugier steigern.

Ein Ergebnis der Euregionalen Jugendstudie ist, dass ein Viertel der Befragten mit ihren Eltern eine Alkoholverzicht-Absprache getroffen hat. Ist das ein guter Weg?

Heymann: Das kann durchaus ein Weg sein, aber noch wichtiger ist, dass Eltern ihren Kindern ein Vorbild sind und einen vernünftigen Umgang mit Alkohol vorleben. Schön: Außerdem ist es natürlich wichtig, dass Eltern mit ihren Kindern über Alkohol sprechen und mögliche Gefahren aufzeigen. Erklären, dass man nicht zu viel, nicht zu schnell und möglichst keine harten Sachen trinken soll. Kinder sollten erfahren, und das am besten auch in ihrem Elternhaus, dass man auch ohne Alkohol fröhlich feiern und Spaß haben kann. Außerdem sollten Eltern sich wirklich für das Leben ihrer Kinder interessieren. Sie sollten immer wissen, wo ihre Kinder sind, wie sie denken, was sie in ihrer Freizeit machen und mit wem sie unterwegs sind. Ich glaube, dann ist schon viel gewonnen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.