Walter Renneisen tritt im Sophienhof auf

Von: Bruno Elberfeld
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Walter Renneisen begeisterte das Publikum nicht nur mit seinen Trompetenstücken, sondern auch mit Moritaten, Balladen, Gedichten und Geschichten. Foto: Bruno Elberfeld

Niederzier. Mit seiner 20-pfeifigen Drehorgel – der Künstler hätte gerne, wenn man ihn als 21. Pfeife bezeichnen würde – tritt Schauspieler, Sänger und Sprachverliebter Walter Renneisen vor sein Publikum im gut gefüllten Saal der Wohnanlage Sophienhof in Niederzier.

Locker und offenbar ohne jegliches Lampenfieber steigt der aus Funk, Theater und Fernsehen bekannte Renneisen mit Gedichten und Geschichten, Anekdoten und Moritaten der vergangenen Jahrhunderte ein.

„Entschuldigung, ich habe mein Headset vergessen. Sie können ja in der Zwischenzeit etwas singen.“ Und das Publikum singt, derweil Renneisen sein Headset holt, ein altes Lied, vielen anscheinend noch gut aus Kindheit und Jugend im Gedächtnis. Oder „Jetzt habe ich mich doch versprochen, es muss anders heißen!“ Gegen Ende der Veranstaltung gesteht der Künstler, dass alle diese scheinbar unbeabsichtigten Zwischenfälle durchaus zu seinem Programm gehören, weil sie die Atmosphäre auflockern.

Und aufgelockert war die Atmosphäre sehr schnell. Renneisen zelebrierte Texte, in denen eine Pointe die andere jagte. Tränen in den Augen hatten die Besucher, als Versprecher, besonders im „Öffentlich-Rechtlichen-Rundfunk“, auf dem Programm standen. „Man darf sich eigentlich gar nicht verbessern“, verriet Renneisen ein Rezept für einen derartigen Vorfall, „weil die meisten Hörer den Versprecher gar nicht wahrnehmen“.

Lässt man – wie es vor Jahrzehnten passiert sein soll – bei der Ankündigung von Tschaikowskis „Nussk(n)ackersuite“ den mittleren Buchstaben – n – weg, entsteht ein anrüchiges Produkt. Eine Ansagerin konzentrierte sich, so wusste der Schauspieler zu berichten, auf diese Stelle und meisterte sie auch. „Meine Damen und Herren, Sie hören jetzt die Nussknacker Suite von Scheißkowski“, lautete die auf Tonträger gebannte Ansage.

Walter Renneisen, begeistert von der deutschen Sprache, trug Gedichte von Wilhelm Busch, Heinz Erhard, Christian Morgenstern, Erich Kästner, Märchen der Brüder Grimm, Texte von Berthold Brecht, Georg Büchner, Ludwig Uhland, Eichendorff und Ringelnatz vor, eine riesige Ansammlung von satirischen und humorvollen Texten, die sich mit Liebe, Tod und Teufel beschäftigen.

Noch mehr Lacher auf seiner Seite hatte Renneisen, als er Lieder von Eichendorf mit denen von Elvis Presley, den Beatles und deutschen Schlagern verglich. „O Baby, Baby, ballaballa!“ oder „She loves me, yeah, yeah, yeah!“ von den Beatles, ins Deutsche übersetzt „Sie liebt mich, ja, ja!“ Aus Elvis „Love me tender, love me sweet!“ wird „Liebe mich zärtlich, liebe mich süß!“ Walter Renneisen brauchte nicht viele Worte, um den Unterschied zwischen einem Eichendorff-Lied und einem von Elvis zu erklären. Veranstalter war die „Hospizbewegung Düren-Jülich“, deren Vorsitzender Dr. Martin Franke Publikum und Künstler begrüßte.

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