Vom Tagebau an die Spitze der Braunkohle-Sparte

Von: pan
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Stabsübergabe mit Baggermodell: Stephan Strunk (rechts) folgt Dieter Gärtner als Chef der Braunkohle-Sparte. Foto: Nowicki

Eschweiler/Inden. Für sie ist der Tagebau Inden so etwas wie ein Sprungbrett im RWE-Konzern: Dieter Gärtner geht als Spartenleiter Braunkohle in den Ruhestand. Sein Nachfolger wird ausgerechnet der jetzige Chef im Tagebau Inden, Stephan Strunk. Ihm folgt im Tagebau Inden Andreas Wagner, der bisher für die Tagebauentwässerung verantwortlich ist.

Zwischen Gärtner und Strunk gibt es viele Parallelen, nicht nur die Leitung des Tagebaus, der das Kraftwerk Weisweiler mit Braunkohle versorgt. Beide sind bekennende Bergleute und haben zahlreiche Stationen im Konzern kennengelernt. Und beide haben nach ihrem Studium der Bergbautechnik promoviert. „Mich hat der Bergbau als Kind des Ruhrgebiets immer fasziniert“, gesteht Strunk, der insgesamt drei Jahre lang für den Tagebau Inden mit seinen etwa 800 Mitarbeitern verantwortlich war.

Auf dem dortigen Chefsessel saß Dieter Gärtner von 1996 bis zum Jahr 2000, ehe er nach Hambach und schließlich noch mal vier Jahre später an die Spitze der Braunkohlesparte wechselte, die am Fuße des Kraftwerks Niederaußem beheimatet ist. Seine Berufswahl hat Gärnter nach eigener Aussage nie bereut: „Die Arbeit im Tagebau bedeutet Teamarbeit“, sagt er. Darum sei er dankbar, dass er sich als Jung-Ingenieur im Tagebau Hambach seine Sporen zunächst als Steiger verdiente und so das Tagebau-Geschäft von der Pike auf gelernt habe.

Schon Dieter Gärtners Vater war Bergmann. „Manchmal wünsche ich mir die alte Energiewelt zurück“, blickt er auf die aktuelle Debatte um die Zukunft der Braunkohle. Man müsse auch die Versorgungssicherheit in den Blickpunkt rücken. Man merkt dem 60-Jährigen, der auf eigenem Wunsch in den Vorruhestand geht, an, dass ihm die Diskussionen zusetzen.

Ein Aspekt lässt ihn sogar die Stimme erheben: „Wenn ich die Dinge erlebe, die sogenannte Aktivisten im Hambacher Forst veranstalten, dann habe ich dafür kein Verständnis mehr. Da wird die Gesundheit der Menschen aufs Spiel gesetzt und dies gilt nicht nur für unsere Mitarbeiter.“ 250 Anzeigen habe man in diesem Jahr schon stellen müssen, weil Unbekannte entweder Produktionsstätten besetzt oder Sabotageakte verübt haben.

Gewisse Entfernung

Zumindest diese Ereignisse betrachtet Gärtner in Zukunft aus gewisser Entfernung. Aber so ganz ohne Bergbau möchte er seine zukünftige Zeit nicht verbringen. „Ich möchte gerne mein Wissen weitergeben“, sagt er. Er denkt darüber nach, Studenten zu unterrichten. Aber dies ist erst in 2016 eine Option, denn zunächst möchte er mit seiner Frau verreisen: „Ich war mein ganzes Leben lang fremdbestimmt, jetzt will ich mich nach meinem Arbeitsleben nicht unter Druck setzen.“

Während Gärtner im Schloss Paffendorf von seinen Weggefährten verabschiedet wurde, gab Strunk seinen Ausstand vor den Mitarbeitern des Tagebaus Inden. Der 49-Jährige startete seine Karriere im RWE-Konzern auch als junger Ingenieur, allerdings im Tagebau Garzweiler. In den vergangenen Jahren spürte er vor allem den wirtschaftlich rauen Wind auf dem Energiemarkt. Er spricht beim sogenannten „NEO-Programm“ des RWE-Konzerns von einem „notwendigen Anpassungsprozess“.

Das Sparprogramm des Essener Konzerns kostet zahlreiche Arbeitsplätze, allerdings wurde bisher vermieden, Kündigungen auszusprechen. „Ich bin mir meiner Verantwortung sehr bewusst“, gesteht Strunk. Was ihn ebenfalls mit Gärtner verbindet: „Die vergangenen Wochen mit der Demonstration in Berlin hat mir gezeigt, dass wir im Revier eine hohe Akzeptanz genießen – diese will ich erhalten“, sagt der zweifache Familienvater, der in Grevenbroich lebt.

Zur Sparte Braunkohle gehören neben den Tagebauen Inden, Hambach und Garzweiler auch das Technikzentrum Tagebaue und die Wasserwirtschaft des Unternehmens. Insgesamt 5200 Mitarbeiter zählen dazu. Nach RWE-Angaben vergibt die Sparte Braunkohle Aufträge in Höhe von 400 Millionen Euro an Unternehmen im Rheinischen Revier.

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