Versicherungspflichtige Arbeit für Asylbewerber und Flüchtlinge

Von: Stephan Johnen
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Sybille Haußmann (links), Josef Macherey und Nuran Joerißen stellten das Projekt vor. Foto: sj

Kreis Düren. Während das Wort „Fachkräftemangel“ die Runde macht, liegt gleichzeitig viel Potenzial brach. „Ein Großteil der Flüchtlinge und Asylbewerber sind junge und hoch motivierte Menschen, die darauf brennen, arbeiten zu können“, sagt Josef Macherey, Geschäftsführer der gemeinnützigen Qualifizierungs- und Beschäftigungsgesellschaft Low-tec.

Mit Sybille Haußmann vom kommunalen Integrationszentrum des Kreises Düren und seiner Kollegin Nuran Joerißen hat Macherey ein Konzept entwickelt, das Asylbewerber in versicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse vermitteln soll. „Wir gehen auf die Kommunen zu, um sie für eine Teilhabe gewinnen“, erklärt Sybille Haußmann. Gestartet werden soll so schnell wie möglich.

„Mit dem Konzept der Arbeitsvermittlung für Asylsuchende wird die Arbeitslosigkeit und Armut früh und rechtzeitig bekämpft“, ist Emanuel Ndahayo, Vorsitzender des Kreis-Integrationsausschusses, überzeugt. Die Vermittlung in Arbeit wirke einer Bevormundung entgegen und ermögliche eine gesellschaftliche Teilhabe der Betroffenen. Weiterer Vorteil, der den Kommunen die Teilnahme schmackhaft machen soll: „Sie werden finanziell entlastet, da die Menschen nicht mehr auf das Asylbewerberleistungsgesetz angewiesen sein werden. Außerdem trägt das Konzept zur Fachkräftesicherung bei.“

Der rechtliche Hintergrund sieht wie folgt aus: Ein Arbeitsverbot besteht nur in den ersten drei Monaten. Diejenigen, die mehr als drei Monate in Deutschland leben, haben einen eingeschränkten Zugang zum Arbeitsmarkt. „Die Agentur für Arbeit überprüft zunächst, ob ein Arbeitsplatz nicht mit einem Deutschen, einem EU-Bürger oder einem Ausländer mit gesichertem Aufenthaltsstatus besetzte werden kann“, erklärt Nuran Joerißen. Nach 15 Monaten fällt diese Überprüfung weg. Da Asylbewerber derzeit keinen Anspruch auf Leistungen haben, werden auch keine „arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen“ wie Deutschkurse und Umschulungen finanziert. In einer Resolution hat der Kreistag jüngst die Bundesregierung aufgefordert, diese Beschränkungen fallenzulassen.

Gespräch mit der Arbeitsagentur

Aktuell werde das Gespräch mit der Agentur für Arbeit gesucht, „um die Bearbeitungszeit zu reduzieren“, damit bei freien Stellen, die nicht besetzt werden können, Asylbewerber bessere Chancen haben, berichtet Sybille Haußmann. Im Rahmen des neuen Projekts soll anfangs im Rahmen einer „Potenzialanalyse“ herausgefunden werden, welche Stärken und Fähigkeiten ein Teilnehmer hat, welche Bildungsabschlüsse bereits vorliegen und welche Fortbildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten es gibt. „Wir legen den Schwerpunkt auf die Praxis, auf die Berufsausbildung“, erklärt Macherey. Der Spracherwerb könne begleitend stattfinden. „Die Low-tec verfügt über ein gutes Netzwerk“, ist Sybille Haußmann überzeugt, die richtige Projektträgerin gefunden zu haben. Zum einen würden die Mitarbeiter beinahe aus allen Sprachregionen der Welt kommen, zum anderen gebe es aufgrund bisheriger Projekte gute Verbindungen zu anderen Bildungsträgern, Werkstätten und potenziellen Arbeitgebern. Die Projektinitiatoren sind überzeugt, auch bei Unternehmen und Arbeitgebern auf offene Ohren zu stoßen.

Die Anschubfinanzierung liegt zunächst bei der Low-tec, die auch neues Personal einstellen wird. Geplant ist, dass sich das Projekt selbst trägt. Für jede vermittelte Person sollen die Städte und Gemeinden eine „Vermittlungsgebühr“ in Höhe der innerhalb von zehn Monaten tatsächlich eingesparten Kosten (Krankenversorgung, Unterkunft und Verpflegung) bezahlen. Bei einem Verlust des Jobs wird keine Zahlung fällig. Bei einer durchschnittlichen Provision in Höhe von 5000 Euro könnten im ersten Jahr 25 Menschen am Projekt teilnehmen, im zweiten Jahr sollen es bereits 45 sein. Sämtliche Einnahmen sollen zur Fortsetzung des Projektes eingesetzt werden. Oberstes Ziel ist die Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt beziehungsweise in eine Ausbildung.

Doch, was geschieht, wenn ein Asylantrag abgelehnt wird? „Dieses Thema ist auf der politischen Agenda“, versichert Sybille Haußmann. Fakt ist: Bei der Ausländerbehörde gibt es in solchen Fällen einen Ermessensspielraum. Aus Sicht der Projekt-Initiatoren könne es nicht schaden, wenn Menschen einen sicheren Arbeitsplatz haben, sich beruflich und gesellschaftlich integriert haben und den eigenen Lebensunterhalt erwirtschaften.

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