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Verkehrsdienst: Im Einsatz für die Sicherheit

Von: Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:
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Verkehrsdienstleiter Karl-Heinz Hamacher stellt die neue Generation der Video-Motorräder vor. In der Garage der Dürener Polizeiwache stehen auch mehrere Fahrzeuge, die mit modernen Geschwindigkeitsmesssystem ausgerüstet sind. Foto: Stephan Johnen
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Die Tachoscheibe des Rollenprüfstands ist der Beweis: Holger Jäger vom Verkehrsdienst der Polizei nimmt die Personalien eines jungen Rollerfahrers auf, dessen Zweirad vermutlich manipuliert worden ist. Statt maximal 25 schaffte der Roller 60 km/h. Foto: Stephan Johnen

Kreis Düren. Der Start in den neuen Tag hätte besser laufen können, zumindest für einen Rollerfahrer. Dabei lief für ihn anfangs alles flüssig. Mit seinem Roller manövrierte der Schüler durch den Berufsverkehr, kam schnell voran. Verdächtig schnell.

Als er mit Tempo 50 am Kino einen Streifenwagen passierte, beendeten die Polizisten die Fahrt, denn bei 25 Stundenkilometern hätte für das Zweirad eigentlich das Ende der Fahnenstange erreicht sein müssen.

Für Karl-Heinz Hamacher und seine Kollegen vom Verkehrsdienst der Kreispolizeibehörde war diese Begegnung am frühen Morgen der Auftakt einer Schwerpunktkontrolle vor Schulen in der Dürener Innenstadt. Mindestens einmal im Monat steht eine solche Aktion irgendwo im Kreisgebiet auf dem Programm.

Im Frühjahr und Sommer, wenn weitaus mehr Schüler mit motorisierten Zweirädern unterwegs sind, auch häufiger. Die Beamten wissen, dass mit technischer, mechanischer oder elektronischer Manipulation die Höchstgeschwindigkeit leicht erhöht werden kann. Sie kennen auch die Tricks, die Eingriffe per Schalter oder Fernbedienung zu vertuschen, damit bei einer Kontrolle die Maschine nicht schneller fährt als erlaubt.

Seit dem vergangenen Jahr verfügt die Polizei über einen sogenannten Rollenprüfstand, mit dem vor Ort die Höchstgeschwindigkeit von Zweirädern gemessen werden kann. Die Ergebnisse liegen damit schnell und als Beweismittel verwendbar vor. Im Zweifelsfall obliegt es der Staatsanwaltschaft, eine gutachterliche Untersuchung der Maschinen anzuordnen. Spätestens dann kommt jede Manipulation ans Tageslicht.

„Der schnellste Roller ist wohl nicht mehr zu toppen“, berichtet Karl-Heinz Hamacher von einem Fall aus dem vergangenen Jahr. Das Zweirad, erlaubte Höchstgeschwindigkeit 25 km/h, überholte in Höhe einer Radarmessstelle ein Auto, wurde deshalb vom Radargerät nicht erfasst. Die Polizisten zogen den Fahrer an einer nachgelagerten Kontrollstelle aus dem Verkehr. Auf dem Rollenprüfstand schließlich geriet die Tachonadel des Messinstruments bei 125 Stundenkilometern an den Anschlag. „Meinem Kollegen Michael Niederklapfer flogen fast die Ohren weg“, sagt Hamacher und schüttelt den Kopf.

Witzig findet solche Basteleien an Rollern bei der Polizei niemand. Denn die Beamten des Verkehrsdienstes wissen um die Gefahren, die diese Manipulationen mit sich bringen. „Das ist kein Kavaliersdelikt. Das ist lebensgefährlich“, ruft der Verkehrsdienst-Leiter allen Rollerfahrern ins Gedächtnis, dass weder Lenkung noch Bremsen der Roller für solche Geschwindigkeiten ausgelegt sind.

Von den Verstößen gegen geltendes Recht ganz zu schweigen. Galten lange Zeit gerade die jungen Autofahrer als besondere Risikogruppe, geraten zunehmend auch junge Rollerfahrer ins Visier der Polizei. Mit regelmäßigen Kontrollen sollen die Unfallrisiken deutlich gesenkt werden.

„Die Schwerpunkteinsätze zeigen Wirkung“, ist Michael Niederklapfer überzeugt. Bei einer Kontrolle an einer Schule habe es an neun von elf Rollern Beanstandungen und zum Teil Manipulationen gegeben. Zwei Wochen später war die Polizei erneut vor Ort. Niederklapfer: „Beim zweiten Besuch gab es keinen Verstoß mehr.“

Die (Kontroll-)Aufgaben des Verkehrsdienstes sind vielfältig, die Beamten können dabei auf ein ganzes Ausrüstungsarsenal zurückgreifen: vom Rollenprüfstand über Blitz- und Radargeräte für Geschwindigkeitsmessungen bis zum zivilen Provida-Motorrad, mit dem vier speziell geschulte Polizisten Motorradfahrer aus dem Verkehr ziehen, die beispielsweise die Strecken der Eifel zum Rennparcours machen. Per Videokamera werden diese Vergehen der Raser aufgezeichnet. Mittlerweile steht die zweite Generation des Motorrads in der Garage der Dürener Polizeiwache – ausgerüstet mit einem Blaulicht, um sich bei Bedarf „ausweisen“ zu können.

Ein Schwerpunkt der täglichen Arbeit bilden für Karl-Heinz Hamacher und seine Kollegen Geschwindigkeitskontrollen im gesamten Kreis Düren. Die Diskussionen um vermeintliche Abzocke findet Hamacher angesichts der schweren Unfälle, bei denen immer wieder zu hohe Geschwindigkeit die Ursache war, nicht besonders zielführend. „Die Akzeptanz für diese Kontrollen in der Bevölkerung ist hoch“, sagt Hamacher. Kontrolliert werde ausschließlich an Gefahrenstellen und Unfallschwerpunkten. „Wer sich an die Geschwindigkeitsangaben hält, hat nichts zu befürchten.“

Gegenseitige Rücksichtnahme

Zeitdruck und gesellschaftlicher Leistungsdruck mögen zwar zu den Ursachen gehören, warum es Geschwindigkeitsübertretungen und Fälle von aggressivem Fahren gibt, doch Ausreden für dieses Fehlverhalten gebe es nicht. Auch die 450 Fahrer, die mit dem Handy am Ohr im vergangenen Jahr gestoppt wurden, seien 450 zu viel gewesen. Generell zitiert der Leiter des Verkehrsdienstes gerne den ersten Paragrafen der Straßenverkehrsordnung: Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht. „Wenn sich alle Menschen daran halten würden, hätten wir weniger zu tun“, sagt Karl-Heinz Hamacher.

Was ihm aktuell Kopfschmerzen bereitet? Der erfahrene Polizist überlegt kurz. „Immer mehr Verkehrsteilnehmer stehen unter Drogeneinfluss.“ Beinahe jeden Tag werden seine Kollegen bei Kontrollen fündig. In einem Fall gab ein Autofahrer an, er müsse Kokain schnupfen, um beim Videospielen eine ruhige Hand zu haben.

Die Polizei reagiert auf diese Entwicklung mit weiteren Schwerpunktkontrollen. Beizeiten werden vor Ort auch mobile Toilettenhäuschen aufgestellt, damit eine Urinprobe ohne große Umwege und Zeitverluste möglich ist.

Weniger Sorgenfälle als noch vor einigen Jahren gebe es bei der Kontrolle von Lastkraftwagen. Der Verkehrsdienst arbeitet dabei oft mit Kollegen anderer Behörden und Dienststellen zusammen. Neben dem Einhalten der Fahr- und Lenkzeiten wird besonders auf die Ladungssicherheit geachtet.

Zum Thema Lkw fällt Hamacher noch eine Aufgabe ein: Der Verkehrsdienst begleitet in Zusammenarbeit mit den Kollegen vom Wach- und Wechseldienst Schwertransporte. Tags und nachts. Mehr als 400 waren es 2013. Tendenz steigend. Mit jedem Windkraft-Projekt sind pro Rad etwa 20 Schwertransporte verbunden.

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