Verein „Frauen helfen Frauen“ stellt Jahresbericht vor

Von: Stephan Johnen
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Petra Müller (links) und Sonja Waltl stellten den Jahresbericht von „Frauen helfen Frauen“ vor. Foto: Stephan Johnen

Kreis Düren. Auch wenn sie selbst nicht Opfer von häuslicher Gewalt geworden sind, sehen, hören und spüren Kinder, was in ihrer Familie, was bei den Eltern geschieht. Typische Reaktionen auf das Erleben häuslicher Gewalt sind beispielsweise Alpträume, Verhaltensauffälligkeiten sowie Lernschwierigkeiten.

Um einen besseren Einblick in die Probleme, Bedürfnisse und Konflikte von Kindern zu bekommen, die mit ihren Müttern im Dürener Frauenhaus Zuflucht gefunden haben, hat eine Mitarbeiterin des Vereins „Frauen helfen Frauen“ eine traumatherapeutische Fortbildung gemacht. Es ist nur ein Baustein im Konzept des Vereins, Frauen und Kindern, die Opfer häuslicher Gewalt geworden sind, eine neue Perspektive zu eröffnen, sie auf dem Weg in ein Leben ohne Gewalt zu begleiten.

41 Frauen und 27 Kinder haben im vergangenen Jahr im Frauenhaus gelebt. Insgesamt hatte der Verein 121 Aufnahmeanfragen, 34 Frauen wurden 2015 neu aufgenommen, 31 mussten wegen Überbelegung und 26 Frauen wegen sonstiger Gründe (beispielsweise einer Suchterkrankung) abgelehnt werden. 63 Klientinnen suchten in der Dürener Beratungsstelle Rat, 82 nahmen das telefonische Beratungsangebot wahr. 52 Mal informierte die Kreispolizeibehörde den Verein über Gewalttaten in einer Beziehung. Die Frauen hatten in diesen Fällen um Unterstützung und Beratung gebeten.

„Die Zahlen sind im Vergleich zum Vorjahr beinahe gleich geblieben“, blickt Sonja Waltl von „Frauen helfen Frauen“ zurück. Die Vereinsvorsitzende Petra Müller rechnet aber damit, dass nach wie vor viele Frauen Opfer häuslicher Gewalt sind, die sich (noch)nicht trauten, Hilfsangebote zu nutzen. Europaweit sei Studien zufolge jede dritte bis vierte Frau schon einmal Opfer von Gewalt geworden. „Was aber deutlich zunimmt, ist die Cyber-Gewalt“, berichtet Petra Müller. So veröffentlichen Männer beispielsweise Nacktfotos oder heimlich aufgenommene Videos im Internet, um Frauen zu erpressen oder sie in Sozialen Netzwerken zu diffamieren.

Ein wichtiger Punkt der Arbeit war die Schulung von Ehrenamtlern in Kooperationen mit anderen Vereinen. 42 Menschen, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren, wurden in drei Fortbildungen auf den Umgang mit traumatisierten Flüchtlingen vorbereitet. Dieses Angebot soll im laufenden Jahr wiederholt werden.

„Ein Problem unserer Frauen verschärft sich zunehmend: Es wird für alleinerziehende Mütter immer schwieriger, eine Wohnung zu bekommen“, sagt Sonja Waltl. Viele Vermieter würden beispielsweise nur an berufstätige Mütter vermieten wollen, für Empfänger von Transferleistungen sei die Suche „manchmal frustrierend“.

Der Verein „Frauen helfen Frauen“ feiert in diesem Jahr sein 35-jähriges Bestehen. Im Sommer soll es Aktionen geben, um die Arbeit in der Öffentlichkeit vorzustellen. Das Team besteht aus acht Mitarbeiterinnen, die sich vier Stellen teilen. Ein männlicher Erzieher unterstützt als Honorarkraft die Arbeit. Das Land NRW zahlt 60 Prozent der Personalkosten, den größten Teil der Restfinanzierung übernehmen Stadt und Kreis Düren. Der Verein steuert etwa zehn Prozent der Kosten aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden zu.

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