Verbraucherzentrale warnt: Trotz Nullzins nicht allzu sorglos sein

Von: Stephan Johnen
Letzte Aktualisierung:
11155625.jpg
„Würden Sie Konsumgüter auf Kredit kaufen?“, fragte Hildegard Dapper von der Verbraucherzentrale Passanten in Düren. Immer mehr Menschen greifen bei solchen Angeboten zu. Foto: Stephan Johnen

Kreis Düren. Darf es ein neuer Fernseher sein? Oder neue Möbel? Der Handel wirbt mit Null-Prozent-Finanzierungen und Ratenzahlungen, damit das Einkaufen richtig Spaß macht. „Vermeintlich harmlose Konsumschulden erweisen sich jedoch nicht selten als Zeitzünder fürs Schuldenkarussell“.

Deshalb empfiehlt Hildegard Dapper, nicht allzu sorglos Finanzierungsverträge zu unterschreiben. „Rechtlich gab es in den vergangenen Monaten aus unserer Sicht bei Konsumkrediten kaum etwas zu beanspruchen“, sagt die Leiterin der Verbraucherzentrale in Düren. Die Banken, mit denen Händler zusammenarbeiten, hielten sich an die Regeln. Es zeige sich aber zunehmend, dass Konsumenten angesichts der vielen Möglichkeiten, Waren auf Pump zu erwerben, schon einmal den Überblick verlieren. Wenn Raten aus dem Dispokredit gezahlt werden oder es mal mit der Rückzahlung stockt, könne dies schnell „richtig teuer“ werden.

„Jeder Kredit bedeutet ein Risiko. Es besteht die Gefahr, dass Menschen schnell über ihren Verhältnissen leben“, weiß Hildegard Dapper auch aus der Kooperation der Verbraucherzentrale mit den Schuldnerberatungsstellen im Kreis Düren. Mit einer Infokampagne hat die Verbraucherberatung auf die Tücken kreditfinanzierter Käufe aufmerksam gemacht.

Drei einfache Regeln gibt Hildegard Dapper jedem Konsumenten an die Hand. Die erste Frage müsste stets lauten: „Brauche ich diese Anschaffung wirklich?“ Es sei ein großer Unterschied, ob die defekte Waschmaschine ersetzt werden muss, oder das neueste Smartphone angeschafft werden soll, obwohl das alte Gerät noch funktioniert. Die zweite Frage schließt sich direkt an: „Kann ich die Kaufsumme nicht ansparen? Wer bei der Gegenüberstellung aller monatlichen Einnahmen und Ausgaben zum Ergebnis kommt, dass er über die benötigte Ansparsumme hinaus kaum Reserven hat, sollte Konsumgüter nicht auf Kredit kaufen.

„Das klingt banal, ist es aber nicht“, sagt Hildegard Dapper. Es werde schnell vergessen, dass unvorhersehbare Dinge geschehen könnten, eine teure Reparatur des Autos beispielsweise. Die dritte Regel laute: „Lesen Sie alles, was Sie unterzeichnen vorher sorgfältig durch – und lassen Sie sich von allen Unterlagen Kopien geben.“ Zusätzliche Verträge, Versicherungsprämien für Kreditausfallversicherungen oder Kreditkartenverträge, die automatisch mitunterzeichnet werden, könnten zum finanziellen Bumerang werden. Eine Restschuldversicherung sollte nur dann abgeschlossen werden, wenn sie auch benötigt wird. Bei solchen Fragen bietet die Verbraucherzentrale kostenlose Beratungen an.

„Egal, wie einfach, verlockend und unkompliziert das Ratenzahlungsangebot der Händler klingt, es handelt sich um ein Kreditangebot einer Bank“, sagt Hildegard Dapper. Händler würden diese Angebote zur Umsatzsteigerung nutzen, Banken kämen ohne große und teure Werbemaßnahmen an Kundendaten und könnten „mit passgenauen Angeboten lukrative Folgeverträge bewerben“. Dapper: „Ich gehe davon aus, dass auch bei einer Null-Prozent-Finanzierung Händler und Bank etwas verdienen wollen.“ Kleine Raten und günstige Finanzierungsangebote würden nicht automatisch bedeuten, dass die Ware günstig ist, rät Hildegard Dapper dazu, vor jedem Kauf die Preise zu vergleichen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert