Urfttalsperre: Die Fachleute vertrauen auch dem Menschen

Von: Gudrun Klinkhammer
Letzte Aktualisierung:
11061136.jpg
Marcus Seiler, Pressesprecher des Wasserverbandes Eifel-Rur, setzt das Modell auf der Mauerkrone in Gang, das Besuchern die Technik aufzeigt. Foto: Gudrun Klinkhammer
11061137.jpg
Stefan Neue (li.) und Herbert Polczyk präsentieren die Messgeräte in der Talsperre, deren Daten vom Geologischen Dienst NRW in Krefeld ausgelesen werden. Foto: Marcus Seiler

Urfttalsperre. Das Erdbeben bei Roermond im deutsch-niederländischen Grenzgebiet am 13. April 1992 mit der Stärke von 5,9 auf der Richter-Skala ist vielen Menschen noch in Erinnerung. Es war das stärkste Beben seit mehr als 200 Jahre in der Region. Mitten in der Nacht klirrte Glas, klappten Schranktüren auf und zu und schaukelten Betten, als stünden sie auf einem Schiff.

Dass jedoch jedes Jahr zehn bis zwölf kleinere Beben die Erde beispielsweise rund um Heimbach erschüttern, das merken die Wenigsten. Erich Schmidt, Fachbereichsleiter Planen und Bauen bei der Stadt Heimbach, kam kürzlich auf diese Zahl zu sprechen, als er über die Kanalsanierung in Hergarten berichtete. Denn auch die kleinen Beben richten Schäden an, eben zum Beispiel am Kanalsystem. Da stellt sich die Frage: Wo werden die Beben überhaupt gemessen? Welche Stellen werden ausgesucht, um das Wackeln der Erde aufzuzeichnen? Und wer wertet die Daten aus?

Einige der Messstellen befinden sich in den Talsperren der Region, etwa in der Urfttalsperre, die an das Stadtgebiet von Heimbach grenzt. Diplom-Ingenieur Herbert Polczyk, Unternehmensbereichsleiter Talsperren beim Wasserverband Eifel-Rur (WVER), Stefan Neue, Betriebsleiter der Urfttalsperre und WVER-Pressesprecher Marcus Seiler brachten auf Anfrage Licht ins Dunkel.

Sie öffneten die Talsperrenmauer und zeigten die Messgeräte, die sie jedoch nicht selber auswerten. Die in der Talsperre gemessenen Daten werden elektronisch übertragen und laufen permanent beim Geologischen Dienst NRW mit Sitz in Krefeld ein, der die Auswertung vornimmt.

Insgesamt laufen beim Geologischen Dienst NRW die Daten von 14 Messstationen der Art, wie sie sich in der Urfttalsperre befinden, ein, darunter Punkte in Großhau, Pulheim, Köln, Jackerath, Wassenberg, Aachen und Maastricht. Polczyk: „Wir befinden uns hier tatsächlich in einem Hochgebiet, was die Häufigkeit der Beben angeht.

Jedoch ist nicht die Vulkaneifel dafür verantwortlich, wie man vermuten könnte, sondern die rheinische Tiefebene.“ Nach dem verhältnismäßig schweren Beben 1992 wurde die Urfttalsperre unverzüglich in Augenschein genommen. Polczyk: „Auffälligkeiten wurden nicht gefunden.“ Neben den Messprozessen setzen die Fachleute nach wie vor auf menschliche Kontrolle. Jeden Tag geht Stefan Neue die Mauer ab, innen und außen. Er kontrolliert das Bauwerk auf Sicht, achtet auf Verschiebungen und das Untergrundwasser.

Extrem sensibel

Die Messinstrumente im Innern der Urfttalsperre sind extrem sensibel. So werden auch Seebeben und Tsunami aufgezeichnet, die auf der anderen Seite des Erdballs stattfinden. Polczyk: „Wir stellen gelegentlich Pendellot-Bewegungen fest, die wir zunächst gar nicht erklären können.“

Dass Bauwerke wie die Urfttalsperre jemals (bei einem Erdbeben) brechen könnten, das halten die Fachleute für eher ausgeschlossen. Seiler: „Ich sag das jetzt mal etwas boshaft und übertrieben: Bevor die Urfttalsperre bricht, ist im Tal sowieso schon alles zusammengebrochen. Das Wasser der Talsperre dient dann nur noch dazu, die Trümmer wegzuspülen.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert