Schmidt - Treibjagd-Verbot: Wenn Jäger draußen bleiben müssen

Treibjagd-Verbot: Wenn Jäger draußen bleiben müssen

Von: bugi
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enn es Eigentümer wünschen, können ihre Grundstücke für die Jagd gesperrt werden. Der Kreis hat jetzt erstmals eine solche Verfügung erlassen. Foto: imago/Joker
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Konrad Schöller hat sein Grundstück zum „befriedeten Bezirk“ erklären lassen. Foto: Gudrun Klinkhammer

Schmidt. 20 Monate haben Gerd und Konrad Schöller aus Schmidt warten müssen, bis sie es schriftlich hatten: „Hiermit erkläre ich ihr Grundstück zum befriedeten Bezirk“, heißt es leicht verkürzt in dem Schreiben des Kreises Düren. Mit anderen Worten: Auf dem Grundstück darf nicht mehr gejagt werden. Es ist der erste Antrag dieser Art, der jetzt vom Kreis Düren genehmigt wurde.

„Ich wollte ein Zeichen setzen“, sagt Konrad Schöller. Und er wollte Rechtssicherheit haben. Seit Ende 2013 gibt es mit dem geänderten Bundesjagdgesetz die Möglichkeit, aus ethischen Gründen der Bejagung auf dem eigenen Grundstück zu widersprechen. „Das weiß aber kaum jemand“, sagt Schöller. Die Zahlen des Kreises Düren belegen das: Seit Ende 2013 wurden gerade mal sechs Anträge auf Befriedung gestellt. Drei der Anträge wurden wieder zurückgezogen, zwei befinden sich noch in der Bearbeitung.

Nur der Antrag der beiden Brüder aus Schmidt wurde bisher genehmigt. Schöller ist gegen das Töten von Tieren. „Das darf nach dem Grundgesetz nur mit einem vernünftigen Grund geschehen. Die Jagd per se ist für mich aber kein vernünftiger Grund“, argumentiert Schöller, zumal gerade bei Treibjagden seiner Erfahrung nach eben nicht jedes Tier waidgerecht erlegt werde. „Genau das will ich verhindern und auf meinem eigenen Grund und Boden ein klares Zeichen setzen“, erklärt Schöller.

Symbolischer Akt

Dass die „Befriedung“ eher ein symbolischer Akt ist, weiß auch Schöller. Dennoch wünscht er sich viele Nachahmer: „Ich wäre froh, wenn der von den Jägern befürchtete Flickenteppich von Grundstücken, auf denen nicht gejagt werden darf, tatsächlich entstehen würde, um so die Treibjagden zu verhindern.“

Die Jäger hingegen befürchten vermehrte Wildschäden und glauben, dass „die Erhaltung eines artenreichen und gesunden Wildbestandes sowie die Pflege und Sicherung seiner Lebensgrundlage nicht mehr gesichert erscheint“. Trotzdem hatte der Jagdpächter Schöller sogar eine freiwillige Nichtbejagung vorgeschlagen, wenn er im Gegenzug seinen Antrag zurückziehe.

Darauf wollte sich Schöller aber nicht einlassen und bestand auf den Bescheid des Kreises. Der von den Jägern befürchtete Flickenteppich kann aber allein schon deshalb nicht entstehen, weil der Kreis selbst dem vorbeugt: Werden aus dem selben Jagdbezirk weitere Anträge gestellt, wird erneut geprüft und die Befriedung kann widerrufen werden.

Richard Hansen hat als Vorsitzender des Jagdbeirates (der dem Antrag zugestimmt hat) an der Entscheidung mitgewirkt. „In solchen Fällen wird nach Gesetzeslage entschieden. Ein begründeter Antrag ist dann auch nicht zu versagen“, erklärt er. „Ich sehe das weder kritisch noch emotional. Wenn jemand aus ethischen Gründen keine Bejagung auf seinem Grundstück möchte, ist das vollkommen in Ordnung“, betont Hansen, der gleichzeitig auch Vorsitzender der Kreisjägerschaft im Kreis Düren ist.

Für ihn stellt sich eher die Frage, ob das sehr aufwendige Verfahrens nötig gewesen wäre. „Ich kenne das Grundstück in Schmidt. Es wurde schon seit längerer Zeit nicht mehr bejagt. Man hätte das auch auf dem kleinen Dienstweg regeln können“, sagt Hansen, der dies selbst so handhabt: „Ich hatte schon einen Fall, bei dem der Besitzer einer Wiese, auf der zwei Pferde standen, mich gebeten hat, in dem Bereich keine Bejagung vorzunehmen. Da ist natürlich nie ein Schuss gefallen, weil man auf sowas Rücksicht nimmt.“ Hansen ist sich sicher, das der überwiegende Teil der Jäger das ebenfalls so handhaben würde.

Den „kleinen Dienstweg“ hat Schöller ausgeschlossen. Um ein Zeichen zu setzen. Als Erster im Kreis Düren.

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