Städtepartnerschaft: Wie auf einem Dating-Portal

Von: Carsten Rose
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2012 schenkte die Stadt Düren ihrer chinesischen Partnerstadt Jinhua eine von der Firma GKD gefertigte Weltkugel aus Edelstahl. Foto: inla

Kreis Düren. Was ist viereckig, hat ein paar Symbole und ist mit ausländischen Namen beschriftet? Richtig, das Schild, das am Ortseingang einer Kommune auf ihre Partnerstädte hinweist.

Wie entstehen Partnerschaften?

Partnerschaften der Kommunen im Kreis Düren und des Kreises selbst sind oft durch private Kontakte entstanden. Als „Geburtshelfer“ zum Beispiel der Partnerschaft des Kreises Düren mit dem US-amerikanischen Kreis Dorchester (Bundesstaat Maryland) bezeichnet Josef Kreutzer, Pressesprecher des Kreises, Dr. Stephan Kufferath-Kassner von der Gebr. Kufferath AG. Das Unternehmen hat ein Werk in Dorchester, Kufferath kennt sich dort gut aus – die Partnerschaft mit dem Kreis Düren besteht seit 2005.

Ein Fußballspiel in der Gemeinde Niederzier im Jahr 1985 zwischen dem SV Niederzier und einer Mannschaft aus dem französischen Vieux-Condé war der Anstoß einer Städtepartnerschaft. Organisator sei der damalige Ehrenvorsitzende des SV Niederzier, Josef Zantis, gewesen.

Eine Kommune kann aber auch selbst auf die Suche nach geeigneten Partnern gehen, wie Beate Schauf von der Gemeinde Merzenich erklärt. Das funktioniert ganz einfach im Internet wie bei alleinstehenden Personen: über eine Plattform namens „twinning.org“. Twinning kommt aus dem Englischen und heißt Partnerschaft. „Man sucht nach Städten, die der eigenen ähneln. In der Größe, der Kultur, der Industrie“, sagt Schauf. Dementsprechend verschickt man Anfragen, oder bekommt welche. Aber: „Eine Partnerschaft muss lebbar sein.“ Daher sei die Entfernung ein wichtiges Kriterium – und deshalb hat Merzenich eine Anfrage von den Komoren im indischen Ozean abgelehnt. Die französische Gemeinde Quievrechain liegt als neue Partnerstadt 230 Kilometer, also einen Tagesausflug, entfernt.

Wie pflegt man sie?

In erster Linie durch gegenseitige Besuche in Form von Schüleraustauschen oder der Teilnahme an örtlich bekannten Festen. So kommen jährlich auf der Partnerschaftsmeile des Dürener Stadtfestes die Vertreter der Partnerstädte Dürens zusammen. Diesen Herbst zieht es eine Delegation des Kreises Düren wieder in die Staaten: zum „Crabtoberfest“ nach Dorchester County zum zehnjährigen Bestehen des Vertrages. „Das Straßenfest ist eine Koproduktion der Partnerstädte. Jeder bringt Spezialitäten ein: die Amerikaner die Krabben, wir das Bier“, sagt Pressesprecher Kreutzer.

Bei Gemeinden wie Niederzier sieht sich die Verwaltung eher als Vermittler. Der kulturelle Austausch und die nötige Organisation sollten die Schulen oder Vereine übernehmen. „Wenn beispielsweise eine Anfrage für ein Fußballturnier in Frankreich kommt, reichen wir diese an die Vereine weiter“, erklärt Andrea Brandt. Hierfür kann je nach Aufwand einer kleiner Zuschuss gezahlt werden.

Welche Probleme treten auf?

Änderungen auf kommunalpolitischer Ebene können Partnerschaften beenden. Davon war Heimbach betroffen: Durch eine Gemeindezusammenlegung im Zuge einer Kommunalreform wurde die Partnerschaft mit dem niederländischen Sluis in den 90er Jahren nach gut zwei Jahrzehnten beendet. „Heute besteht nur noch der Kontakt der Grundschule Heimbach mit der St.-Jan-Schule in Sluis“, sagt Bürgermeister Peter Cremer. Das aber schon seit 30 Jahren. Eine andere Partnerstadt hat Heimbach nicht. „Die Partnerschaft mit Sluis hatte damals eine große Blüte gehabt“, sagt Peter Boje, allgemeiner Stellvertreter des Bürgermeisters. Man habe öfters Betriebsausflüge mit mehreren Bussen ins Nachbarland unternommen.

Bevor sich die Merzenicher Verwaltung auf eine Partnerschaft mit Quievrechain verständigt hat, war die ebenfalls französische Stadt Montbrison im Rennen. Bis die dortige Bürgermeisterwahl alles gekippt hat. „Es gab bereits zwei Treffen. Dann wollte die damalige Bürgermeisterin ihre Entscheidung nach ihrer Wiederwahl treffen“, sagt Beate Schauf. Nur: Sie verlor. Und dem neuen Bürgermeister war eine Partnerschaft in der Schweiz genug.

Beeinflussen politische Lagen?

„Große Konflikte bleiben außen vor, es geht um einen Austausch von Menschen“, sagt Josef Kreutzer vom Kreis Düren, der auch eine Partnerschaft nach Mytischi nahe Russlands Hauptstadt Moskau pflegt. Dass die politische Lage eines Landes Auswirkungen haben kann, erklärt Claudia Prinz von der Stadt Düren. Sie betreut die Partnerschaft mit Stryj in der Ukraine. Vor der Krimkrise wurde eine Klassenfahrt nach Düren abgesagt. „Die Eltern haben sich nicht getraut, ihre Kinder auf Reisen zu schicken“, sagt Claudia Prinz.

Wirtschaftliche Kontakte?

Wirtschaftliche Beziehung sind insbesondere zwischen Düren und seiner chinesischen Partnerstadt Jinhua angedacht. „Das Wirtschaftsbüro, das von der Gesellschaft für deutsch-chinesische Wirtschaftsbeziehungen (GDCW) in enger Zusammenarbeit mit der Stadt Düren und auch mit dem Partnerschaftsverein Düren-Jinhua geführt wird, kann sich über Arbeit nicht beklagen“, heißt es seitens der Stadt. Im September wird erneut eine ranghohe Wirtschaftsdelegation zu Gesprächen in Düren erwartet.

Persönliche Höhepunkte?

Stefan Grießhaber von der Gemeinde Hürtgenwald war im Jahr 2011 Teil einer Delegation des Kreises Düren in den USA – als Mitglied der Vossenacker Volksmusikanten. In New York haben sie auf der großen Steubenparade gespielt. „Dann wurden wir gefragt, ob wir noch spontan auf einem Feuerwehrfest in einem anderen Bezirk von New York spielen wollen“, erinnert sich Stefan Grießhaber. Damit nicht genug: Dazu kam noch ein Auftritt auf dem Bürgersteig vor einem Restaurant. Diese persönlichen als auch Vereinshöhepunkte wären ohne eine Partnerschaft des Kreises schwierig zu verwirklichen.

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