Sportplatzüberfall: Urteil ist Schlussstrich unter schwierigem Kapitel

Von: Guido Jansen
Letzte Aktualisierung:
14618116.jpg
Die Fußballvereine Welldorf-Güsten und Sportfreunde Düren zeigen sich erleichtert nach dem Urteil zum Sportplatzüberfall. Foto: dpa
Fußballplatz des SV Grün-Weiß Wellendorf-Güsten Sportplatzüberfall
Der Fußballplatz des SV Grün-Weiß Wellendorf-Güsten. Hier hatten bei einem Spiel der Bezirksliga gegen die Sportfreunde Düren mit Eisenstangen und Baseballschlägern bewaffnete Männer den Platz. Foto: Jannis Mattar/dpa

Kreis Düren/Aachen. Das Urteil im Prozess nach dem Sportplatzüberfall in Jülich-Güsten am 6. November ist gefallen. Am Freitag wurden drei der Angreifer vor dem Aachener Landgericht zu Haftstrafen verurteilt, vier weitere Männer erhielten Bewährungsstrafen.

Die beiden Vereine Grün-Weiß Welldorf-Güsten und Sportreunde Düren – die Teams standen sich in einem Bezirksligaspiel gegenüber, als Spieler auf beiden Seiten von Männern aus Düren und Umgebung angegriffen wurden – wollen mit dem Urteil einen Schlussstrich unter dieses schwierige Kapitel ziehen. „Für uns war das eine Mammutaufgabe, diesen Überfall zu bewältigen“, sagte Karl-Heinz Albersmeier, Vorsitzender der Grün-Weißen, auf deren Anlage der Überfall passiert war. „Ich hoffe, dass wir, wenn wir alle irgendwann alt und grau geworden sind, sagen können, dass es das einzige Mal war, das soetwas passiert ist.“

Dem stimmte der 2. Vorsitzende der Sportfreunde, Matthias Erdorf, zu. „Damals sind zwei Vereine Opfer einer falschen Idee von Ehre geworden. Ein solcher Fall von Selbstjustiz darf nie mehr passieren. Wir wollen diesen Überfall als Verein hinter uns lassen und hoffen, dass Welldorf-Güsten als damals gastgebender Verein das auch schafft.“

Beide, Albersmeier und Erdorf, äußerten sich erleichtert, dass jetzt ein greifbares Urteil gefällt worden ist. „Ich hoffe, dass das ein eindeutiges Signal ist, dass Gewalt als Lösung nichts zu suchen hat“, formulierte Albersmeier und Erdorf fügte hinzu, dass man das Urteil als klares Signal verstehen könne. „Egal, welches Motiv Menschen haben und unabhägig davon, welchen Ursprungs sie sind – so etwas darf es bei uns nicht geben.“

Dank an die Polizei

Erdorf fügte noch einen ausdrücklichen Dank an die Polizei hinzu, bei der sich der Verein in den Ermittlungen sehr gut aufgehoben gefühlt habe. „Dieses Urteil war auch Dank der hervorragenden Arbeit der Polizei möglich.“

Als Grund zur Freude sehen beide Vereinsvertreter das Urteil nicht an. Dafür sei der Vorfall ein zu großer Schock gewesen. „Da waren Kinder am Sportplatz, die sowas eigentlich nie mitlerleben dürften“, formulierte Erdorf und erinnerte daran, dass nicht nur die attackierten Spieler libanesischer Abstammung in beiden Mannschaften schockiert waren.

Albersmeier merkte noch an, dass man sich gewünscht hatte, dass mehr Angreifer überführt werden. Sieben Männer wurden am Freitag verurteilt, beteiligt waren 24. Die übrigen Täter konnten bisher nicht ermittelt werden. Dennoch: „Die Justiz hat die Täter mit kühlem Kopf nach rechtssaatlichen Prinzipien bewertet.“ Bernd Virnich, Trainer der Sportfreunde, hat den Prozess bewusst nicht verfolgt. „Ich konnte damals nicht erkennen, wer da was gemacht hat.“

Das sei dem Ausnahmezustand geschuldet gewesen. „Ich will den Bombenanschlag auf den Mannschaftbus von Borussia Dortmund (11. April) nicht mit dem Überfall auf unser Spiel vergleichen. Aber wenn ich sehe, wie sehr uns der Überfall damals als Mannschaft getroffen hat, kann ich um so besser verstehen, wenn in einem Profiteam in einer solchen Situation niemand ans Fußballspielen danken kann.“ Siehe auch Region

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert