Kreis Düren - „Spielsystem heute und morgen“: Fußball-Trainer müssen umdenken

„Spielsystem heute und morgen“: Fußball-Trainer müssen umdenken

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Ist der deutsche Nationalspieler Toni Kroos von Real Madrid nun ein klassischer Sechser – oder doch nicht? Foto: Stock/Revierfoto

Kreis Düren. „Spielsysteme heute und morgen...“ So lautete der Name der Veranstaltung, zu der der Fußballkreis Düren in die Soccer Arena Düren eingeladen hatte. 4-2-3-1 oder 4-3-3 oder gar 3-5-2 mit oder ohne „falsche Neun“? Diese und noch viele verschiedene Zahlenkombinationen beschäftigen Fußballtrainer und Spieler heutzutage.

Aber ist das im modernen Fußball noch klar erkennbar? Kann man zum Beispiel bei Borussia Dortmund oder dem FC Bayern München immer ein klares Spielsystem erkennen?

„Falscher 9er?“

Ist Münchens österreichischer Nationalspieler David Alaba klassischer Linksverteidiger, Toni Kroos, Mittelfeld-Star von Real Madrid, ein klassischer Sechser oder Marco Reus beim BVB ein „falscher Neuner“? Um darüber mehr zu erfahren, kamen fast 60 Fußballtrainer und Trainerinnen in die Soccer Arena Düren, um dem knapp dreistündigen Vortrag von Diplom-Sportlehrer Helmut Jungheim von der Sportschule Hennef zu folgen. Immer wieder wurden Spielszenen auf den drei großen TV-Geräten gezeigt und Magnete an der Taktiktafel verschoben.

Angefangen hat alles Mitte der 1980er Jahre durch Arrigo Sacchi, Trainer der italienischen Nationalmannschaft von 1991 bis 1996. Er hat als erster Trainer das „Ballorientierte Abwehrverhalten“ eingeführt und als Trainer des Drittligisten Rimini Calcio den großen AC Mailand aus dem italienischen Pokal geworfen.

Einige Zeit später war Arrigo Sacchi Trainer beim AC Mailand und gewann mit seinem System den Europapokal und wurde italienischer Meister. Das war das Ende des Liberos und die Geburt der Viererabwehrkette. Aber es dauerte noch 17 Jahre, ehe Deutschland bei der Weltmeisterschaft 2002 in Japan und Südkorea mit Viererkette gespielt hat.

Der Prozess dauert bis heute an, wenn man sich Spiele in den Kreisligen anschaut. 2008 haben Spanien und der FC Barcelona das Ballbesitzspiel, auch Tiki Taka genannt, eingeführt. Dabei geht es nicht nur um Ballbesitz, sondern auch um Pressing und Gegenpressing – quasi drei Neuerungen. Mit dieser Umsetzung hat es sechs Jahre gedauert, ehe in diesem Jahr Deutschland Weltmeister wurde.

Die Frage lautet heute nicht mehr 4-2-3-1 oder 4-3-3, sondern: Wo befindet sich der Ball gerade auf dem Platz? Wie verhalten wir uns bei Ballverlust? Kann ich ihn schnellstens zurückerobern? Ist der Gegner geordnet oder nicht? Wenn beispielsweise Borussia Dortmund den Ball in der gegnerischen Hälfte verliert, sind oft sieben oder acht Spieler an der aktiven Rückeroberung beteiligt.

Bayern München hat in jedem Spiel fast immer um die 70 Prozent Ballbesitz, bewegt sich oft mit sechs oder sieben Spielern auf einem engen Raum von rund zehn mal zehn Metern, um den Ball so lange zu passen, bis sich eine Lücke auftut – ähnlich wie ein Boxer, der sich seinen Gegner für den Schlag zurechtstellt. Heute sind die Spielidee, die Raumaufteilung und die Mannschaft als funktionierende Einheit auf dem Platz entscheidend. All das erfordert ein Umdenken der Trainer, in der Trainerausbildung und da insbesondere im Jugendbereich. Es soll mehr in Spielformen trainiert werden, bei denen Kopf und Beine gefordert sind als eintöniges Rundenlaufen und Passübungen von Hütchen zu Hütchen.

Der Organisator der Veranstaltung, Winni Ronig vom Fußballkreis Düren, versprach den Teilnehmern, eine derartige Veranstaltung zu wiederholen.

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