Düren/Aachen - Sollten in der Dürener Drogenszene Köpfe rollen?

Sollten in der Dürener Drogenszene Köpfe rollen?

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Düren/Aachen. Ein Szenario bot sich der 7. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht, das der ARD-Thrillerserie „Spur des Verbrechens” entstammen könnte - sie spielt in deutsch-russischen Mafiakreisen.

Die drei Angeklagten im vorliegenden Fall sollen am 14. April vergangenen Jahres einen 51-jährigen Mann russischer Abstammung krankenhausreif geschlagen und gefesselt haben, das geschah einfach so in einer Dürener Privatwohnung.

Doch dahinter scheint einiges mehr zu stecken. Denn die drei Angeklagten im Alter zwischen 21 und 37 Jahren schildern die Sache völlig anders als das Opfer, das ebenfalls im Zeugenstand Rede und Antwort stehen musste. Der Hauptangeklagte Seken S. (37) behauptete, das vermeintliche Opfer Iwan R. sei mit einer zweiläufigen Schrotflinte zu einer „Aussprache” zwischen den beiden erschienen, S. hatte sich allerdings zwei „Beschützer” zur Seite gestellt. Als der jetzige Zeuge damals Mitte April in der Dürener Wohnung eines Kleindealers erschien, habe er eine Doppelläufige Schrotflinte in der Hand gehalten und sofort auf S. gezielt. Es gab ein Handgemenge, die drei hätten Iwan R. die Schrotflinte mit großer Mühe entwunden, trotzdem fielen zwei Schüsse.

Das Trio fesselte den mutmaßlichen Angreifer und setzte ihn vor dem Mietshaus wieder aus. Der Vorsitzende Richter Jürgen Beneking hatte die Akte genau studiert und bemerkte: „Man müsste die Sache dem Schwurgericht zuleiten, an jeder Ecke wird in diesem Fall damit gedroht, dass Köpfe abgeschnitten werden sollen.”

So scheint es auch aktenkundig zu sein, das zwischen Iwan R. und Seken S. eine Fehde tobt, in der es um Anteile auf dem Dürener Drogenmarkt gehen soll. natürlich sagten weder der Angeklagte noch sein vermeintliches Opfer etwas dazu. Iwan R. beantwortete die Frage, ob er Drogen nehme mit ja, Handel treibe er aber keinesfalls damit, beschwor er. Und ein Gewehr besitze er auch nicht.

Doch nach Erkenntnissen der Polizei, berichtete Richter Beneking, soll R. den Angeklagten S. bereits 2010 mit einer Pistole ins Bein geschossen haben. S. hatte in einem gegen ihn gerichteten Drogenverfahren in Rottweil anscheinend zu viel von den Strukturen der Dürener Drogenmafia Preis gegeben und lebt jetzt in ständiger Angst, dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden.

Als Geisel genommen?

Iwan R. hatte jedenfalls diverse Rippenbrüche und Schwellungen im Gesicht. Die Eigner der Wohnung, in der der Zusammenprall der Gegner stattfand, gehören zu keiner der Gruppen. Die dort wohnende Frau geriet zwischen die Fronten, ihr Freund soll vorübergehend als Geisel benutzt worden sein, eine Räuberpistole mit allen Schattierungen des Krimidramas.

Ob das nun stimmt, werden weitere Zeugenaussagen ergeben müssen. Die Vernehmung von Iwan R. jedenfalls brachte die Strafkammer kaum weiter, er sagte entweder nichts oder behauptete genau das Gegenteil von dem, was die drei Angeklagten zu ihrer Verteidigung aussagten. Die wiederum bestritten, von Beginn an den Plan gehabt zu haben, Iwan R. eine gewalttätige Lektion erteilen zu wollen, auch sei nie die Rede davon gewesen, ihn vor ein russisches Femegericht stellen zu wollen. Weitere Zeugenaussagen werden am 30. Januar womöglich Licht in das Dunkel des russischen Untergrundes bringen.
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