Sind Feuerwehrleute nicht mehr fit genug?

Von: Sandra Kinkel
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Sind Feuerwehrleute nicht mehr fit genug? Gerade in kleineren Gemeinde ist das Problem bereits erkannt. Foto: imago/imagebroker

Kreis Düren. „Die Zahl von tauglichen Atemschutzgeräteträgern ist rückläufig. Das muss man ganz klar so sehen.“ Martin Thiedecke ist Leiter des Feuerschutztechnischen Zentrums in Stockheim, hier absolvieren die Atemschutzträger der verschiedenen Wehren aus dem Kreis Düren einmal im Jahr die „Belastungsübung Atemschutz“.

Will heißen, dass die Feuerwehrleute mit der kompletten Dienstkleidung, also Schutzanzug und Atemluftflasche, verschiedene Übungen absolvieren. „Das ist schon sehr anstrengend“, so Thiedecke. „Immerhin wiegen die Kleidung und das Atemschutzgerät um die 35 Kilogramm.“ Dass die Zahl der Atemschutzträger immer geringer wird, ist für Thiedecke nicht wirklich verwunderlich. „Es gibt heutzutage ja auch immer mehr übergewichtige Kinder. Und diese Entwicklung geht natürlich an der Feuerwehr nicht spurlos vorbei.“

Das sieht Karlheinz Eismar, Leiter der Freiwilligen Feuerwehr in Kreuzau ganz ähnlich: „Die Gesellschaft wird träger. Und das merken wir natürlich auch bei der Feuerwehr.“ Die Feuerwehrleute seinen „Arbeitsmänner und keine Sportler“. „Und die meisten sind schon etwas adipös.“ In Kreuzau hat sich eine Dienstsportgruppe gegründet. „Aber natürlich ist alles freiwillig“, so Eismar. „Und es ist schwer, sich neben Arbeit, Lernen und Dienst für die Feuerwehr und Familie auch noch sportlich zu betätigen.“

Auch in der Gemeinde Langerwehe ist das Problem längst erkannt. In Langerwehe gibt es derzeit 55 taugliche Atemschutzträger bei der Feuerwehr. Die Wehr hat insgesamt rund 200 Mitglieder. Feuerwehrsprecher Timo Löfgen: „Im Brandschutzbedarfsplan der Gemeinde Langerwehe ist festgelegt, dass wir bei einem kritischen Wohnungsbrand innerhalb von acht Minuten mit vier Atemschutzgeräteträgern vor Ort und dass nach 13 Minuten vier weitere Atemschutzgeräteträger am Brandort sein müssen. Im Augenblick klappt das so gerade.“

Löfgen selbst hatte zuletzt die Tauglichkeitsuntersuchung beim Betriebsarzt nicht erfolgreich absolviert. Bei der so genannten G-26-Untersuchung wird der Body-Mass-Index ermittelt, also die Zahl zur Bewertung des Körpergewichts. Und die Feuerwehrleute müssen ein Belastungs-EKG sowie einen Seh- und Hörtest machen. Timo Löfgen: „Den Test kann man aber wiederholen. Ich habe trainiert, Gewicht verloren und bin jetzt auch wieder tauglich. Nach fünf Jahre Untauglichkeit.“

Kameraden werden immer älter

Bei der freiwilligen Feuerwehr in Merzenich ist die Zahl der Atemschutzgeräteträger noch konstant. „Aber“, so Wehrleiter Patrick Harzheim, „wir haben immer weniger Neuaufnahmen. Das heißt, unsere Kameraden werden immer älter. Und ich denke, dass dieses Problem auf uns in Merzenich über kurz oder lang zukommen wird.“

Bei der hauptamtlichen Dürener Wehr“, so Feuerwehr-Chef Hans-Jürgen Pelzer, seien alle 100 Mann fit. Pelzer: „Aber man muss ehrlicherweise sagen, dass der Dienstsport in den Arbeitsalltag integriert ist. Düren ist in Sachen Atemschutzgeräteträger relativ gut aufgestellt. Wir können den Brandschutz sicherstellen.“ Aber, so Pelzer weiter, es gäbe schon Schwierigkeiten bei den freiwilligen Wehren, weil Kameraden tagsüber nicht immer verfügbar seien. „Wegen Beschränkungen am Arbeitsplatz zum Beispiel. Die Feuerwehr ist heute darauf bedacht, jeden zu nehmen, den sie kriegen kann. Und das sind eben nicht nur absolut fitte Leute.“

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