Kreis Düren/Aldenhoven - Siersdorf: Anwohner sollen bis zu 36.000 Euro zahlen

Siersdorf: Anwohner sollen bis zu 36.000 Euro zahlen

Von: inla
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Kreis Düren/Aldenhoven. Sechs Familien aus Aldenhoven-Siersdorf dürfte das Weihnachtsfest ziemlich verhagelt sein. Grund ist ein Zahlungsbescheid des Kreises Düren über insgesamt 120.000 Euro. Diese Bescheide wollte der Kreis aber eigentlich nie verschicken, weil er das Geld selbst bezahlen wollte.

Was ist geschehen? Vor drei Jahren sind im Aldenhovener Ortsteil Siersdorf Häuser beschädigt worden, weil ein sechs Meter tiefer Luftschutzstollen, der unter den Grundstücken entlangläuft, teilweise eingebrochen ist. „Es war eine Katastrophe für die Hauseigentümer“, sagt Landrat Wolfgang Spelthahn, der damals verfügte, dass der Stollen mit Kies gefüllt wird. „Es fühlte sich niemand sonst zuständig, also hat der Kreis den Menschen geholfen.“

Nun wollte der Kreistag vergangene Woche beschließen, dass der Kreis die Kosten für die Verfüllung endgültig übernimmt. Die Bürgermeister von Aldenhoven, Ralf Claaßen, und Inden, Jörn Langefeld, sehen dazu aber keine rechtliche Grundlage und drohten juristische Schritte an, wenn der Kreis die Summe übernähme. Ihre Kommunen hätten den Betrag über die Kreisumlage mit zu bezahlen, argumentieren sie.

Am Donnerstag fand ein Gespräch zwischen den Parteien des Kreises, dem Landrat und den betroffenen Anwohnern statt. Die Bewohner der Eigenheime beteuerten, sie hätten beim Kauf ihrer Häuser nicht erfahren, dass ein Stollen aus dem Zweiten Weltkrieg im Boden unter ihren Heimen liegt.

„Das ist für mich glaubhaft“, sagt Landrat Spelthahn. „Wer würde ein Haus kaufen, wenn er wüsste, dass eine solche Altlast im Boden schlummert?“ Der Kreis hat Ende der 90er Jahre als zuständige Behörde die Baugenehmigung erteilt. Laut Spelthahn habe es von der Gemeinde Aldenhoven keine Hinweise auf den Stollen gegeben. Spelthahn sieht es als „Akt der Humanität, den Bewohnern zu helfen.“ Der Bürgermeister von Aldenhoven sagt, er glaube nicht, dass die Anwohner von dem Stollen nichts gewusst hätten.

Die Hauseigentümer, die Bescheide zwischen 12.000 und 36.000 Euro erhalten, wollen nun klagen. Landrat Spelthahn sagte, er könne nach wie vor das „Verhalten der beiden Bürgermeister nicht verstehen“. Wenn es Flutkatastrophen gäbe, stünden Politiker schnell in Stiefeln auf dem Deich und würden finanzielle Hilfe für die Betroffenen versprechen. „Niemand regt sich darüber auf, dass in solchen Fällen der Staat hilft“, sagt Spelthahn. Würde die gesamte Summe von 12.0000 Euro vom Kreis übernommen, müsste die Gemeinde Aldenhoven über die Kreisumlage zwischen 6000 und 7000 Euro zahlen. „Dieses Geld haben wir nicht“, sagte Bürgermeister Claaßen in einem Fernsehbeitrag des WDR.

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