Kreis Düren - Sexuelle Gewalt: Tine und der „Teugel” erklären kindgerecht

Sexuelle Gewalt: Tine und der „Teugel” erklären kindgerecht

Von: dama
Letzte Aktualisierung:
Die beiden Schauspieler Alexe
Die beiden Schauspieler Alexe Limbach und Massimo Tureri vermittelten den Kindern, dass es mutig ist, zu seinen Ängsten zu stehen. Foto: Martinak

Kreis Düren. So ein Umzug ist ganz schön aufregend. Inmitten von Kartons und allerlei Krempel richtet Tine ihr neues Zimmer ein. Ihre Eltern wühlen sich durch die Kisten in den anderen Räumen. Und dann taucht auch noch „Teugel” auf.

Das Theaterstück „Ganz schön blöd” ist eine Produktion von „Zartbitter” und ein weiterer Baustein der Kampagne „click it!” gegen sexuelle Gewalt an Mädchen und Jungen im Grundschulalter. Dank einer Spende der regionalen Initiative Dürener Zahnärzte in Höhe von 1000 Euro ermöglichte der Verein „basta!” jetzt eine Aufführung des Stücks im Haus der Evangelischen Gemeinde zu Düren.

Monsterwellen und Erdspalten

300 Viertklässler ließen sich ab der ersten Minute von den beiden Schauspielern Alexe Limbach und Massimo Tureri mitreißen. Der „Teugel”, der halb Engel und halb Teufel ist, soll Tine 24 Stunden lang beschützen. In dieser Zeit darf dem Mädchen nichts passieren. Nur dann kann aus ihm ein richtiger Schutzengel werden. Aber wie soll er Tine beschützen, wo er doch von den wirklichen Gefahren für Kinder keine Ahnung hat.

„Teugel” kennt keine üble Anmache von Erwachsenen und Jugendlichen per Handy, Spielkonsole oder Internet. Er denkt bei Gefahren eher an Erdspalten, Monsterwellen und Vulkanausbrüche. Als „Teugel” selbst schon nicht mehr daran glaubt, dass er die Schutzengelprüfung bestehen kann, entwickelt sich zwischen Tine und ihm eine Freundschaft, die beiden weiterhilft. Tine lernt von ihm, in schwierigen Situationen nicht aufzugeben und sich Hilfe zu holen. „Seit den 90ern veranstalten wir je ein bis zwei Aufführungen dieser Art in Düren. Es geht meist um sexuelle Grenzüberschreitung, die von den Schauspielern dieser Stücke kindgerecht erklärt wird”, sagt Sigrid Bergsch von „basta!”.

Aufgabe und Ziel des Vereins ist es, dem sexuellen Missbrauch an Mädchen und Jungen vorzubeugen und die psychische, physische und soziale Situation der Kinder zu verbessern, die sexuell missbraucht werden oder in ihrer Vergangenheit sexuell missbraucht worden sind. „Unter Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Präventionskonzepte vermittelt das Theaterstück, dass es mutig ist, zu den eigenen Ängsten zu stehen und sich in komischen und belastenden Situationen Hilfe zu holen”, erklärt Theaterpädagogin Alexe Limbach, die in dem Stück „Ganz schön blöd” die Tine spielt.

Tine gerät tatsächlich in eine ganz schön blöde Situation, als ein Freund ein Foto von ihr in der Badewanne macht und dieses veröffentlichen will. „Aus geh nicht mit einem Fremden mit ist mittlerweile geh mit niemanden mit - zumindest nicht, ohne jemandem bescheid zu sagen geworden. Die Kinder müssen so früh wie möglich wissen, wie groß die Gefahr heutzutage ist”, betont Limbach. „Ganz schön blöd!” stärke nicht nur die Kinder, sondern auch Eltern und Pädagogen. „Das Theaterstück und die Materialien vermitteln beispielhaft, wie man mit Mädchen und Jungen über die Problematik sexueller Ausbeutung in den Neuen Medien ohne Panikmache sprechen kann”, sagt sie.

Zum festen Bestandteil gehört ein anschließendes Gespräch mit den fachlich qualifizierten Darstellern. Nach der Aufführung in Düren nutzten viele Kinder die Gelegenheit, über schöne und schwierige Situationen des Kinderalltags zu sprechen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert