Seniorin betreut als ehrenamtliche Patin Flüchtlinge

Von: Anne Wildermann
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Seniorin für Flüchtlinge: Gisela Hellmanns (Mitte links) unterstützt Zerom (links) und Mustafa ehrenamtlich. Die zwei Männer sind wie Familienmitglieder. Monika Sandjon von der ISaR sucht noch weitere Helfer, die im Ruhestand sind und sich um Flüchtlinge kümmern. Foto: Wildermann

Langerwehe. Es war reiner Zufall, als sich Gisela Hellmanns und Zerom (Nachnamen der Flüchtlinge zum Schutz nicht genannt) kennenlernten. Die 70-jährige Seniorin aus Langerwehe war gerade mit ihrer ehrenamtlichen Arbeit bei der Tafel fertig, als sie den heute 29-Jährigen und andere Flüchtlinge mit vielen Tüten in den Händen durch den Regen laufen sah. „Kommt! Packt die Sachen in mein Auto. Ich fahre euch nach Hause“, sagte sie damals.

Seit dieser Begegnung sehen sich die beiden seit über zwei Jahren fast täglich. Zerom, der vor dem autoritären Militär in seinem Heimatland Eritrea (Nordost-Afrika) geflüchtet ist, wohnt in einem Flüchtlingsheim in Langerwehe. Gisela Hellmanns hilft und unterstützt ihn, wo sie kann. „Zerom arbeitet seit zwei Monaten ehrenamtlich als Pfleger im St. Ritastift in Düren. Das war zunächst gar nicht so einfach, ihn dort unterzukriegen“, erinnert sie sich.

Der Grund: Zeroms Asylantrag läuft immer noch. „So lange der junge Mann nicht anerkannt ist, konnte er an keiner Arbeitsmarktmaßnahme teilnehmen und Geld verdienen. Schon zweimal wurde er beim Bundesamt für Migration angehört und musste sein Geschichte erzählen“, sagt Gisela Hellmanns. „Aber es wurde immer noch nichts entschieden. Demnächst, wenn Zeroms Anwältin aus dem Urlaub zurück ist, wird sie eine Klage wegen Untätigkeit einreichen“, ergänzt die Seniorin.

Aufgrund der zufälligen Begegnung zwischen dem gelernten Friseur Zerom und Gisela Hellmanns kam Monika Sandjon, die bei der Kreisverwaltung für die „Interessengemeinschaft Seniorenarbeit im Raum Düren-Jülich“ (ISaR) zuständig ist, auf eine Idee: „Senioren aus dem Kreis sollen eine ehrenamtliche Patenschaft für einen oder mehrere Flüchtlinge übernehmen“, sagt die 51-Jährige. Seitdem beteiligt sich der Kreis Düren an dem Programm „Menschen stärken Menschen“, das vom Bundesministerium für Senioren und Jugend initiiert wird.

Zerom ist froh, dass er Gisela Hellmanns hat. Das sieht der 26-jährige Mustafa genauso. Beide nennen sie sogar „Mama“. Der Afghane ist seit vergangenem Oktober in Langerwehe und wohnt in einem Flüchtlingsheim, das sich auf derselben Straße befindet wie das Hellmann‘sche Haus. „Früher hatte dort mal mein Bruder gewohnt. Doch das ist lange her. Als ich nach Jahren das erste Mal wieder dort war, habe ich fast einen Schlag bekommen“, sagt sie und rollt mit den Augen. Zwölf Personen mussten sich eine Dusche, einen Herd und zwei WCs teilen. Gisela Hellmanns hat erst mal einige Möbel besorgt, weil das Gebäude „so unterwohnt war“. 2015 renovierte die Gemeinde das Haus ein wenig und Zerom zog in eine andere Unterkunft, die nicht weit von seiner alten entfernt liegt. Für den Eritreer zog dann Mustafa ein.

Zurück in ihre Heimatländer können und wollen die zwei Männer nicht. „Zerom würde zu Hause sofort verhaftet werden“, sagt Gisela Hellmanns. Ihr Schützling war nach seinem Job als Friseur fünf Jahre beim Militär und hat dann Fahnenflucht begangen. Und in Afghanistan herrscht immer noch Krieg. Mustafa hat in der Stadt Mazar-e Sharif gewohnt. „Ich glaube nicht, dass es jemals wieder Frieden dort geben wird“, sagt der ehemalige Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma und kann die Tränen kaum zurückhalten.

Es gibt Menschen, die Vorurteile gegenüber Flüchtlingen haben. Solche kennt auch Gisela Hellmanns. Manche rufen ihr zu: „Na, gehst du wieder zu denen? Hast du nichts Besseres zu tun?“ Gisela Hellmanns antwortet dann: „Ihr habt doch ein großes Haus mit leerstehenden Zimmern. Wollt ihr nicht Flüchtlinge aufnehmen?“ Als Antwort bekomme sie abwehrende Handbewegungen. Einige Menschen hätten den Kontakt zu den Hellmanns aufgrund ihres Engagements abgebrochen. Gisela Hellmanns steht darüber und lässt sich davon nicht beirren.

„Um Ressentiments abzubauen, müssen Skeptiker mit Betroffenen in Kontakt kommen und ihre Geschichte erzählen. Das sind die Patenschaften eine gute Möglichkeit“, betont Monika Sandjon. Das gehe beispielsweise auf Festen, auf denen die Leute in einer lockeren Atmosphäre in Kontakt kommen und schließlich Sätze wie „Uns hat damals auch niemand geholfen“ aufhören.

20 Stunden pro Wochen hilft Gisela Hellmanns Mustafa, Zerom und anderen Flüchtlingen. Insgesamt sind es 20 Leute, für die sie bei Ämtern anruft, beim Hausmeister, weil der Kühlschrank kaputt ist oder zum Rathaus geht, um Dokumente abzuholen oder einzureichen.

Kleine Papierstapel liegen vor ihr auf dem Esstisch. Einer davon gehört zu Zerom. „Ich habe alles selbst bei den Behörden erfragt. Ich wusste zunächst auch nicht, wo man sich direkt erkundigt“, sagt Gisela Hellmanns. Für Monika Sandjon ist klar: So schwer sollen es künftige Paten nicht haben. Sie will Einführungskurse geben, damit die Senioren wissen, welche Probleme die Flüchtlinge haben und welche Behörde die richtige Ansprechpartnerin ist, um Gelder für Fahrkarten zu beantragen oder ein polizeiliches Führungszeugnis bewilligt zu bekommen.

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