Schweizer Pianist Homero Francesch im Haus der Stadt

Von: Hannes Schmitz
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Bot einen fantastischen Klavierabend, wie man ihn selten in Düren erlebt hat: Homero Francesch, der trotz angegriffenen Gesundheitszustands überzeugend sein ihm möglich Bestes gab. Foto: Hannes Schmitz

Kreis Düren. „Lieben Sie Brahms?“, lautete einst die Titelfrage eines Buches von Françoise Sagan. Die Antwort im Haus der Stadt wäre positiv ausgefallen. Auch deswegen, weil der Schweizer Pianist uruguayischer Herkunft Homero Francesch am Flügel die Sonate für Klavier Nr. 3f-Moll op. 5 im Rahmen der Industriekonzerte der Vereinigten Industrieverbände vor nahezu ausverkauften Haus spielte.

Aber nicht nur Brahms stand auf dem Programm, sondern auch Maurice Ravel und Claude Debussy. Mit der Suite Bergamasque begann Homero Francesch, der mit den bedeutendsten Orchestern der Welt konzertierte, den Klavierabend. Die Komposition gehört zu den meist gespielten Klavierwerken des französischen Impressionisten, dessen dritter Satz der bekannte „Clair de Lune“ auch als „Filmmusik“ verwendet wurde in Blockbustern wie „Sieben Jahre in Tibet“ und „Twilight“.

Das Spiel des Schweizers ließ erahnen, welche Kapazität am Flügel sitzt. Er entwickelte Debussys bizarre Klangstrukturen, durch schweifte atemberaubend große harmonische Räume, ließ Konturen verschwimmen, wie bei den impressionistischen Bildern im Leopold-Hoesch-Museum. Homero Francesch ist zwar ein Pianist im „Rentenalter“, aber ein äußerst agiler, der es auf unnachahmliche Weise verstand, sphärisch verträumte Klanggestalten zu entwickeln. Und so begab es sich im Haus der Stadt, dass – als Homero Francesch Maurice Ravels „Miroirs“ (Spiegelbilder) intonierte – im ersten Satz bei „Noctuelles (Nächtlicher Spuk) sich doch wahrhaftig ein Scheinwerfer irgendwie selbstständig machte und für kurze Zeit „Spukbilder“ auf die Bühnenwand zauberte.

Mit schier eisernem Willen beschrieb der Pianist mit fantastischer Spieltechnik den Zauber der Nacht, widmete sich im zweiten Satz „Oiseaux tristes“ (Trauernde Vögel) melancholischen Vogelweisen, führte nach der „Beklemmung“ im dritten Satz auf einer Barke auf den Ozean („Une Barque sur“). Klangbilder höchster Güte entstanden, der langjährige Professor für Klavier an der Hochschule der Künste Zürich verstand es auf phänomenale Weise bewegtes Wasser, auf dem sich Licht bricht, Wellenberge und Wellentäler in den Saal zu zaubern. Aber auch ein begnadeter Künstler ist nur ein Mensch, der, wenn er von einem Hustenanfall auf der Bühne geschüttelt wird, nur Entschuldigung sagen kann.

Umso bewundernswerter, dass er nach einem kurzen Schütteln, spanisches Lebensgefühl im „Alborada del Gracioso“ (Morgenlied des Spaßmachers) erweckte, was aber eher einem südländischen Tief entsprach mit musikalisch erstklassig ausgespielten Feuern und Ausbrüchen, um dann fast friedlich „Im Tal der Glocken“ anzukommen („La Vallèe des Cloches“). Sehr sanft erklangen zahlreiche unterschiedlich klingende Glocken.

Wuchtig und schwungvoll begann der anerkannte Klavierpädagoge Johannes Brahms 3. Sonate für Klavier op. 5 f-Moll. Verschwenderische Melodik, Harmonik und Rhythmik, ein wunderschönes Seitenthema, das noch lange nachhallte. Schwärmerisches erklang, abgelöst von Urwüchsig-Derbem, Traurigkeit, Melancholie, Erschütterung, Trost – Homero Francesch ging in den musikalischen Einfällen auf, hatte aber mit zunehmender Dauer auch mit sich und seinem Gesundheitszustand zu „kämpfen“. Exquisit und exzellent, wie er allen Herausforderungen auch mit einem Quantum an Routine begegnete.Ein aufregender Klavierabend mit einem ausgezeichneten Pianisten, dessen kleine Schwächen seinem Gesundheitszustand geschuldet waren. Dennoch ein Top-Ereignis in der Reihe der VIV-Industriekonzerte.

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