Vossenack - Schülerinnen aus Vossenack helfen Flüchtlingen

Schülerinnen aus Vossenack helfen Flüchtlingen

Von: Sandra Kinkel
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Hanna Lentfort, Lena König, Melina Völl, Christiane Unterberger und Lisa Gerdes (von links) engagieren sich in der Flüchtlingshilfe. Unter anderem besuchen sie regelmäßig Flüchtlingsfamilien. Foto: Sandra Kinkel

Vossenack. „Integration“, sagt Lisa Gerdes und dabei wird ihre Stimme plötzlich ganz ernst, „Integration kann nur dann gelingen, wenn zwei Seiten daran arbeiten. Und wie sollen sich Flüchtlinge bei uns integrieren, wenn keiner mit ihnen spricht?“ Lisa ist 17 Jahre alt und macht nächstes Jahr ihr Abitur am Franziskus-Gymnasium Vossenack.

Gemeinsam mit ihren Freundinnen Melina Völl (17), Christiane Unterberger (18), Hanna Lentfort (18) und Lena König engagiert sie sich in der Arbeitsgemeinschaft „Eine Welt begegnet“ und da besonders für die Flüchtlingsarbeit. Drei Jahre gibt es das Projekt mittlerweile schon. „Ganz in der Nähe unserer Schule“, erzählt Melina, „sind Flüchtlinge in einer alten Militärkaserne mitten im Wald untergebracht. Das Gelände ist total abgelegen, die Busverbindungen sind sehr schlecht. Diese Menschen haben wir besucht. Und wir haben versucht, ihr Leben ein Stückchen besser zu machen.“

Darüber hinaus veranstalten die Mädchen alle zwei Monate Begegnungsnachmittage. Am Mittwoch war beispielsweise Weihnachten das Thema. Flüchtlinge und Schülerinnen haben Weihnachtsdeko gebastelt. Lisa: „Es ist uns auch wichtig, den Menschen mit diesen Nachmittagen die deutsche Kultur ein bisschen näher zu bringen.“ Auf der anderen Seite, ergänzt Hanna, hätten sie durch ihr Engagement aber auch die Chance, Menschen aus anderen Kulturen zu treffen. „Wir haben Flüchtlinge aus Afrika, Afghanistan, dem Irak, Albanien, Eritrea, Mali, Syrien und dem Kosovo kennengelernt. Das sind ganz unterschiedliche Mentalitäten und Kulturen.“

Mittlerweile wohnen in der alten Militärkaserne nur noch sechs Asylbewerber, die anderen sind alle in Wohnungen gezogen. „Wir haben aber trotzdem noch Kontakt zu den Leuten“, sagt Christiane. „Wir versuchen, sie so oft wie möglich zu besuchen.“ Bei ihren Begegnungen mit den überwiegend männlichen Flüchtlingen, erzählen alle Mädchen unisono, seien sie ausschließlich auf freundliche Menschen getroffen. „Ich kenne keine gastfreundlicheren Leute“, erzählt Melina. „Wenn wir zu denen kommen, wird sofort gekocht, und wir werden zum Essen eingeladen. Das ist unglaublich.“

Ein ungutes Gefühl oder gar Angst, gerade auch vor dem Hintergrund der vielen aktuellen Meldungen, die es im Augenblick über Übergriffe von Flüchtlingen gibt, haben die Schülerinnen nicht. „Flüchtlinge sind Menschen wie alle anderen auch“, sagt Melina. „Ich habe noch nie schlechte Erfahrungen gemacht.“ Lisa ergänzt: „Mich beunruhigt vielmehr die rechtsradikale Hetze, die es bei uns gibt. Manchmal habe ich das Gefühl, mich rechtfertigen zu müssen, weil ich mich für Asylbewerber einsetze. Das finde ich schlimm. Vor den Flüchtlingen, die wir kennen, brauchen wir wirklich keine Angst zu haben.“

Vielleicht auch deshalb, weil sich zwischen den Mädchen, die übrigens eng mit der Initiative „Hürtgenwald hilft“ zusammenarbeiten, und den Asylbewerbern fast schon so etwas wie Freundschaft entwickelt hat. „Wir drängen uns ja niemandem auf“, sagt Melina. „Wenn jemand unsere Besuche nicht möchte, ist das auch in Ordnung. Unser Ziel ist es, möglichst viel mit den Leuten zusammen zu machen. So lernt man sich gegenseitig kennen, die Flüchtlinge lernen Deutsch. Das ist Integration.“

Ein bisschen Sorgen machen sich Christiane, Lena, Melina, Hanna und Lisa, wie es mit ihrer Initiative weitergeht, wenn sie im nächsten Jahr Abitur machen. „Wir möchten natürlich, dass unser Projekt weitergeht, aber es ist unglaublich schwierig, jüngere Schüler zu finden, die sich engagieren möchten“, sagt Melina. Flüchtlingsarbeit, ergänzt Lisa, sei kein einfaches Thema. „Natürlich ist es leichter wegzugucken, als sich zu engagieren. Aber die Arbeit mit den Asylbewerbern macht sehr viel Spaß, und wir bekommen auch unglaublich viel zurück.“

Christiane formuliert es so: „Die Menschen, die zu uns kommen, wollen nicht viel. Sie wollen in Frieden und Freiheit leben. Dabei müssen wir sie unterstützen.“ Sie stelle sich immer mal wieder vor, möglicherweise eines Tages selbst in eine ähnliche Situation wie die Geflüchteten zu kommen. „Es kann doch sein, dass wir irgendwann auch wieder Krieg haben und fliehen müssen. Dann brauchen wir vielleicht auch Menschen, die uns helfen.“

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