Schophovens Initiativen als Denkmodell für lettische Gemeinden

Von: ptj
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„Eine Mühle ohne Wasser“: Diesen Zustand zu ändern, ist eines der Anliegen des Schophovener Ortsvorstehers Matthias Hahn (4.v.l.). Er führte eine Abordnung des lettischen Landwirtschaftsministeriums durch Schophoven und lud im Anschluss zum Kaffee in sein Haus ein. Foto: Jagodzinska

Schophoven. Wo liegt der Hauptunterschied zwischen Deutschland und Lettland? Nach Bekunden einer sechsköpfigen Agrardelegation aus dem lettischen Landwirtschaftsministerium (LUFD) ist das „die Art und Weise, wie die Leute wohnen“. Während die Deutschen „ganz dicht nebeneinander wohnen, lieben Letten die Einsamkeit“.

Deshalb verbringen sie gerne geschützt vor neugierigen Blicken ihr Leben in Einzelhöfen. „NRW ist halb so groß wie Lettland, aber hat neun mal so viele Einwohner“, brachte Janis Valgis aus der LUFD-Abteilung Information und Statistik die vergleichsweise niedrige Einwohnerbesatzdichte Lettlands auf den Punkt. Also „veralten die Dörfer, die Leute ziehen in die (Innen)Städte“, die in Lettland sauber und gepflegt sind.

Die Landflucht ist wiederum ein gesamteuropäisches Thema. Laut Ulrich Bultmann, Geschäftsführer der Kreisstellen Warendorf und Gütersloh, der den Besuch organisiert hatte, können in Lettland die gleichen Fördermöglichkeiten genutzt werden wie in Deutschland.

Vielfältiges Engagement

So besuchte die lettische Delegation bei ihrer einwöchigen Besichtigungsreise durch NRW, die im Übrigen durch eine enge Partnerschaft zwischen den Kreisen Gütersloh und Valmiera/Lettland zustande kam, auch den Umsiedlungsort Schophoven, der wichtige Akzente gesetzt und sich vielfältig engagiert hat. Beispiele sind der Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“, die Dorfwerkstatt oder der Dorfentwicklungsplan.

Erwähnenswert sei unter anderem auch die Gemeinschaftsinitiative LEADER und der Bottom-up-Ansatz (von unten nach oben), der bei der Erstellung von gebietsbezogenen lokalen Entwicklungsstrategien zum Tragen kommt. Dabei ist die Einbeziehung sowohl von Bewohnern als auch von Interessenvertretungen und ausgewählten Institutionen ein fester Bestandteil.

Nach Meinung von Ortsvorsteher Matthias Hahn, der die Delegation mitsamt Teilnehmern aus der Gemeinde Inden, der Kreisentwicklung und der Landwirtschaftskammer durch Schophoven führte und sie im Anschluss an seinen Kaffeetisch lud, haben vor allem die Generationenprojekte Dorfgemeinschaftshaus und Sportlerheim den 835-Seelen-Ort „nach vorne gebracht“.

Schophoven ist also ein gutes Beispiel dafür, wie „man Menschen motiviert, etwas zu bewegen, um ländliche Strukturen zu erhalten“. So drückte es Ewald Adams aus, Geschäftsführer der Kreisstellen Aachen-Düren-Euskirchen.

Rückstellungen

Gleichzeitig „funktioniert das Sahnehäubchen bürgerschaftliches Engagement nur mit wirtschaftlicher Entwicklung. Die Motivation muss zielführend sein, Institutionen dürfen nicht schwächeln, Arbeitsplätze nicht in Frage gestellt werden“, verwies Adams mit einem Seitenhieb auf die Rückstellungen des Bergbauriesen RWE. Auch Hahn betonte, dass „ein Konzern, der für die Nachfolgeentwicklung zuständig ist, auch in der Lage sein muss, die Mittel zur Verfügung zu stellen“.

Ein interessanter Nachmittag mit regem Austausch an der Kaffeetafel in Schophoven folgte. Die lettische Delegation zeigte sich sehr interessiert daran, sich für die zukunftsfähige Entwicklung ihres Dorfes, seinen ortsbildenden Charakter, die Gestaltung des Ortsbildes sowie die Etablierung und Entwicklung örtlicher Infrastruktur aktiv einzusetzen.

Sehr interessant fanden die lettischen Gäste auch die Höhe der Fördersumme, die in die Entwicklung der gesamten Region fließt. Diese bezifferte Hahn auf zirka drei Millionen Euro.

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