Oberzier - Schiedsrichter aus Düren schafft Sprung in 2. Bundesliga

Schiedsrichter aus Düren schafft Sprung in 2. Bundesliga

Von: Jörg Abels
Letzte Aktualisierung:
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Konsequent im Auftreten: Benjamin Bläser gehört zu den besten Schiedsrichtern der Regionalliga, in der kommenden Saison ist er erstmals auch in der 2. Bundesliga als Linienrichter im Einsatz. Foto: Sport/Revierfoto

Oberzier. Wenn Benjamin Bläser in diesen Tagen die Spiele der Fußball-WM in Brasilien im Fernsehen verfolgt, schaut der 27-Jährige ganz genau hin. Es sind aber weniger die Tricks eines Neymar oder Lionel Messi, die der Oberzierer kritisch beäugt, es sind die vermeintlichen Schwalben eines Arjen Robben und vor allem die Reaktionen der Schiedsrichter darauf, die er ganz genau unter die Lupe nimmt.

„Jedes Spiel ist für mich Lehrmaterial“, erklärt Benjamin Bläser. Der 27-Jährige ist das Aushängeschild der Schiedsrichter im Kreis Düren.

Seit zwei Jahren leitet er Partien der vierthöchsten deutschen Spielklasse, der Regionalliga. In der kommenden Saison hat er erstmals den Sprung auf die DFB-Schiedsrichterliste geschafft, darf als Linienrichter in der 2. Bundesliga ran; für Benjamin Bläser, der hauptberuflich Verkaufsleiter im Außendienst ist, ein weiterer großer Schritt auf der Karriereleiter. Sein Ziel aber bleibt, auch als Schiedsrichter den Sprung in die Beletage des deutschen Profifußballs zu schaffen.

Einfach wird das nicht. Schon in der vergangenen Saison gehörte der für den BC Oberzier pfeifende Unparteiische zu den drei besten der Regionalliga, bekam bei all seinen 13 Einsätzen durchweg gute Kritiken der Beobachter. Trotzdem reichte es (noch) nicht zum Aufstieg. „Ich werde jetzt natürlich alles daran setzen, den Sprung in den kommenden ein bis zwei Jahren zu schaffen“, betont Bläser. Denn er weiß: Mit seinen 27 Jahren hat er nicht mehr unbegrenzt Zeit. Mit 47 Lenzen ist in der 1. Liga für Referees schon wieder Schluss. Und die Konkurrenz schläft nicht.

Benjamin Bläser, der als Linienrichter schon in der 3. Liga unterwegs war, muss sich jetzt erst einmal an der Seitenlinie der 2. Liga beweisen. „Eine große Chance“, weiß der 27-Jährige. Aber auch eine ganz andere Herausforderung. Jedes Spiel der 2. Bundesliga wird live im Fernsehen übertragen, jede Entscheidung der Schieds- und Linienrichter in unzähligen Zeitlupen auf den Prüfstand gestellt. „Das war in der 3. Liga bislang eher die Ausnahme“, erklärt Bläser, die er aber auch meisterte. Die Partie der Aachener Alemannia gegen den KFC Uerdingen am 5. Mai war Bläsers erste, die live im Fernsehen übertragen wurde. Unauffällig, aber bestimmt im Auftreten hatte der Oberzierer die Partie zu jeder Zeit im Griff.

Angst, in einer strittigen Situation einmal falsch zu reagieren, hat er ohnehin nicht. „Es wird immer Situationen geben, die von Dritten anders gesehen werden“, weiß der 27-Jährige. „Deshalb ist es umso wichtiger, die Spielsituation zu antizipieren, zu wissen, was passieren kann, um nicht überrascht zu werden“, erklärt er. „Es gibt nur selten die eine Musterlösung. Jede Spielsituation ist anders.“

Vom derzeit im Zuge der WM viel diskutierten Videobeweis – der Möglichkeit, dass Trainer zweimal pro Spiel eine Entscheidung überprüfen lassen können, hält er nicht viel. „Ich persönlich finde den Videobeweis problematisch, weil es immer wieder Entscheidungen in einer Grauzone gibt, die so oder so beurteilt werden können.“ Bläser spricht sich klar für die Tatsachenentscheidung aus. Die mehrminütigen Unterbrechungen wären aus seiner Sicht zudem Gift für den Spielfluss. Anders bewertet er die Torlinientechnik. „Die befürworte ich ausdrücklich, weil sie klare Ergebnisse liefert. Ich bekomme als Schiedsrichter ein Signal auf meine Uhr und weiß, ob der Ball im Tor war oder nicht.“

Noch zehn Tage lang wird Benjamin Bläser die Fußball-WM verfolgen und besonders Spielern wie Arjen Robben genau auf die Füße schauen. Danach beginnt für ihn die Vorbereitung auf die neue Saison. Im Juli steht für ihn ein dreitägiger Vorbereitungslehrgang auf dem Programm. Am ersten August-Wochenende starten Regionalliga und 2. Bundesliga. Mit wem Benjamin Bläser in der zweithöchsten Spielklasse ein Gespann bilden wird, weiß er noch nicht. Er lässt sich überraschen. Nicht unwahrscheinlich aber, dass er auch einmal einen der deutschen Fifa-Referees in Liga 2 begleiten darf.

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