„Schafsnasen“ und „Seidenhemdchen“ zu neuer Blüte verhelfen

Von: Sarah Maria Berners
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Pflanzen eine „Schafsnase“ (v.l.): Walter Mörsch (Verein zur Förderung des Naturschutzes), Obstbaumwart Franz Rüttgers, Alexandra Schieweling (Bio-Station) und Lothar Gerhards (Kreis Düren). Foto: smb

Schlagstein. In einen quietschgrünen Granny Smith, einen knackigen Braeburn oder einen rot-grünen Boskop hat fast jeder schon einmal gebissen. Aber wer kennt heute noch den „Linnicher Bohnapfel“, den „Eifeler Rambour“ oder die „Gelbe Schafsnase“? Vermutlich niemand. Fast niemand.

Denn der Verein zur Förderung des Naturschutzes, die Biologische Station und die Obstbaumwarte setzen sich dafür ein, dass einst heimische Sorten wieder häufiger in Gärten und auf Streuobstwiesen anzutreffen sind. 35 alte Obstsorten, darunter auch die „Juffernbirne“, haben Obstbaumwart Franz Rüttgers und seine Mitstreiter in Schlagstein auf eine Wiese der Dorfgemeinschaft zwischen Rur und Rurtalbahn gepflanzt.

„Die alten Sorten sind an die Böden und das Wetter in unserer Region angepasst“, erklärt Franz Rüttgers. So kämen die für die Schlagsteiner Wiese ausgewählten Sorten zum Beispiel bestens mit den nassen Böden am Ufer der Rur zurecht. „Und lecker sind die Früchte dieser Bäume natürlich auch“, beantwortet er die für viele Menschen entscheidende Frage. Franz Rüttgers, der auch Vertreter der Schlagsteiner Dorfgemeinschaft ist, weiß, dass im Kreis Düren viele Streuobstwiesen nicht mehr im besten Zustand sind.

Mit dem Projekt in Schlagstein wollen er und seine Mitstreiter nicht nur auf die alten Obstsorten, sondern auch auf den Wert von Streuobstwiesen insgesamt aufmerksam machen. Besitzern von solchen Wiesen – oder jenen, die es gerne werden möchten – stehen im Kreis Düren 36 Obstbaumwarte wie Franz Rüttgers ehrenamtlich zur Seite. Sie wissen Bescheid, wie und wann Bäume gepflanzt und gepflegt werden können und was in so manchem überaus ertragreichen Jahr aus den Früchten gemacht werden kann. Einige haben sich auch auf den Sortenerhalt spezialisiert und machen aus den Trieben alter Bäume neue Pflanzen.

„Der ‚Linnicher Bohnapfel‘ war im Kreis Düren nirgendwo mehr zu finden. Er war sozusagen ausgestorben“, erzählt Franz Rüttgers. Im Heinsberger Raum haben die Baumwarte dann noch ein altes Exemplar gefunden, mit dessen Reisern (Trieben) eine Hochstammunterlage veredelt werden konnte. „Wir haben wirklich Glück gehabt“, weiß der Obstbaumwart. Eigentlich seien die Reiser nämlich schon zu alt für eine Veredelung gewesen.

Und wie pflanzt man nun eine „Schafsnase“ oder ein „Rheinisches Seidenhemdchen“? Obstbaumwart Franz Rüttgers rät, ein 80 mal 80 Zentimeter großes und 50 Zentimeter tiefes Loch zu graben und Kompost hineinzufüllen. Dann kommt zum Schutz vor Wühlmäusen ein Draht hinein. „Der darf aber nicht verzinkt sein. Er muss rosten“, sagt der Experte. So würde er dem Baum in den ersten Jahren Schutz bieten, den Wurzeln aber später Raum zur Entfaltung lassen. Dann kommen Erde und Wasser drauf und nach getaner Arbeit wird angestoßen: mit selbst gemachtem Apfelwein.

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