Rur bei Inden stand kurz vor einer Öl-Katastrophe

Von: Guido Jansen
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Tatort des Umweltfrevels: das Gewerbegebiet an der B56 zwischen Jülich und Düren. Teile sind abgelegen und auch noch nicht bebaut. Foto: Jansen
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Auf dieser Straße im Gewerbegebiet Inden-Pier leiteten Unbekannte sechs Mal tausende Liter Altöl in den Regenwasserkanal. Foto: Jansen

Inden. Unbekannte haben im Gewerbegebiet Pier mehrfach illegal Altöl in den Regenwasserkanal geleitet. Und zwar im großen Stil. Der Gemeinde Inden sind derzeit sechs Fälle bekannt. Mehrmals habe ein Fachunternehmen „mehrere tausend Liter“ aus dem Kanal entfernen und entsorgen müssen, sagt Marco Schmitz vom Bauamt der Gemeinde Inden.

Dass das Öl nicht in die nur 30 Meter entfernte Rur geflossen ist und eine Katastrophe verursacht hat, sei einer sogenannten Tauchwand zu verdanken, die sich im Kanal kurz vor dem Fluss befindet. Die Wand hat nur einen Durchlass im unteren Bereich des Kanals. Und weil Öl oben schwimmt, ist es im Kanal geblieben.

„Das ist unser großes Glück. Nicht auszudenken, was sonst passiert wäre“, sagte Schmitz. „Das ist eine Sauerei sondergleichen. Ich verstehe nicht, wie man so verantwortungslos sein kann.“ Der Fluss wäre wohl von Inden an in Richtung Jülich und Linnich verpestet gewesen. So sind laut Schmitz jeweils nur ein paar „Tropfen“ in den Fluss gelangt. Und die seien von den sofort eingerichteten Ölsperren abgefangen worden.

Sechs Fälle der illegalen Öl-Einleitung hat es in den vergangenen zwei Jahren gegeben, allein drei davon seit dem Frühjahr, der letzte geschah am 31. August. Das kann die Gemeinde Inden aufgrund der Wasserproben rekonstruieren, die rund um das Gewerbegebiet Pier regelmäßig genommen werden. Der Schaden für die Kommune Inden beträgt bisher 441.000 Euro. Da ist der jüngste Fall noch nicht eingerechnet.

So teuer ist laut Gemeindeverwaltung das Entsorgen des Öls und das Reinigen des Kanals gewesen. Weitere Kosten, beispielsweise für Feuerwehreinsätze, seien nicht mit eingerechnet. Die Summe dürfte also noch deutlich steigen – auf vermutlich weit über 500.000 Euro. Bezahlen müssen das die Steuerzahler der Gemeinde Inden. Die Fälle im laufenden Jahr waren dann so erheblich und so teuer, dass die Verwaltung nun den Weg über die Öffentlichkeit gewählt hat, erklärte Bauamtsleiter Rainer Ortmann auf Anfrage.

Die Einleitung sei immer an derselben Stelle geschehen: auf einem abgelegenen Abschnitt der Straße An der Ruraue, die zwischen der Rur und der Bundesstraße 56 liegt. „Wir können uns das nur so erklären, dass hier jemand mit einem Tankwagen vorfährt, den Kanaldeckel öffnet und das Öl ablaufen lässt“, sagte Marco Schmitz.

Die Gemeinde hat Gegenmaßnahmen ergriffen. Der Straßenabschnitt sei früher als geplant mit Laternen ausgestattet worden, Gebüsche wurden entfernt, damit die Stelle besser einsehbar ist. Trotzdem hört das illegale Einleiten von Öl nicht auf. Mittlerweile lässt die Gemeinde die Straße von Videokameras überwachen, das Auswerten des Materials für den 31. August läuft noch. Als nächsten Schritt diskutiert der Gemeinderat heute darüber, ob Inden eine Belohnung von 5000 Euro für Hinweise ausloben soll, die zur Ergreifung des Täters oder der Täter führen.

Bei dem Öl handelt es sich laut Schmitz nicht um Motorenöl, sondern um Flüssigkeiten aus einem Ölabscheider. Sie enthalten Metallreste, was das Recycling aufwendig macht. „Für Firmen ergibt es keinen Sinn, Motorenöl so loszuwerden. Bei größeren Mengen erhalten sie Geld für das Altöl, bei kleineren ist die Entsorgung kostenlos“, sagt Marco Schmitz.

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