Rollstuhlfahrer im Kreis Düren noch im Nachteil

Von: Guido Jansen
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Beim DRK-Ortsverband Jülich gibt es einen Wagen mit einer beweglichen Rollstuhlrampe. Foto: Jansen

Kreis Düren/Linnich. Es hätte eine Geschichte von Ungerechtigkeit werden können, eine, die davon erzählt, dass Menschen, die an den Rollstuhl gefesselt sind, im Kreis Düren schlechter behandelt werden als im Kreis Heinsberg. Noch ist das so.

Menschen mit Behinderung aus dem Kreis Heinsberg haben ein Kontingent von 1680 Kilometern pro Jahr, auf das sie beim Deutschen Roten Kreuz zurückgreifen können und das sie über das Kreissozialamt abrechnen können. Im Kreis Düren gibt es eine solche Handhabe nicht. Noch nicht. „Wir haben festgestellt, dass es da bei uns eine Lücke gibt“, sagte der Dürener Landrat Wolfgang Spelthahn auf Anfrage unserer Zeitung. „Wir werden die Handhabung mit den anderen Kreisen vergleichen und spätestens zum kommenden Jahr angleichen“, kündigte Spelthahn an.

Deutlich geworden war der Unterschied am Fall von Liesel S. aus Linnich, einer 83-Jährigen, die im Rollstuhl sitzt. Sie hat Verwandtschaft im Kreis Heinsberg, in Wassenberg. „Wir können das DRK in Anspruch nehmen, um sie zu besuchen“, sagt Johannes Schumacher, ein Verwandter von S. aus Wassenberg. Seine Frau sitzt ebenfalls im Rollstuhl und nutzt das Transport-Kontingent. Eine Fahrt muss acht Tage vorher beantragt werden. Das jährliche Kilometerkontingent teilt sich der Nutzer selbst ein. „So interpretieren wir den gesetzlich festgehaltenen Anspruch auf Teilhabe für Menschen mit Behinderung“, erklärt der Heinsberger Kreissprecher Ulrich Hollwitz. Das Teilhabe-Kontigent gilt nicht für Fahrten zum Arzt, Krankenhaus oder zur Arbeitsstelle. Solche Transporte werden im Kreis Heinsberg von anderen Trägern geleistet.

Liesel S. ist damit bisher nicht geholfen. „Das ist doch widersinnig. Wir können sie besuchen, weil es die Möglichkeit im Kreis Heinsberg gibt. Umgekehrt kann sie uns nicht besuchen“, schildert Schumacher den Fall. Mehr noch: Liesel S. habe bisher noch nicht das Grab ihres vor zwei Jahren verstorbenen Sohnes in Rheinland-Pfalz besuchen können, weil es das Transportangebot nicht gibt. „Darunter leidet sie sehr“, sagt Schumacher.

Die Möglichkeit für diesen Teilhabe-Transport gibt es auch im Kreis Düren. „Wir bauen gerade einen neuen Fahrdienst auf“, sagt Markus Deiters vom Vorstand des DRK-Kreisverbandes Jülich. Eine Regelung gebe es aber bisher nicht, die Behindertentransporte im Auftrag des Kreises zu fahren. Deswegen hat sich Johannes Schumacher an den Kreis Düren gewandt. Anfang der Woche erhielt er Spelthahns Zusage, dass der Kreis Düren seine Handhabe prüfen und ändern werde. „Auch bei uns gibt es diese Transportmöglichkeit. Im Kreis Düren sind regionale Verkehrsunternehmen dafür zuständig. Aber wir haben jetzt gesehen, dass wir diese Möglichkeit verbessern müssen“, sagte Spelthahn.

In diesem Jahr könne die Regelung für den Kreis Düren nicht mehr geändert werden. Das Haushaltsrecht lässt keine nachträglichen Kosten nach dem 30. Juni zu. „Wir setzen uns aber im August zusammen und prüfen die Unterschiede, die es zwischen den Kreisen gibt“, kündigt Spelthahn an. Über mögliche Zusatzkosten für den Kreis machte Spelthahn keine Angaben, das sei verfrüht. „Außerdem sollte man bei einem Thema wie der Teilhabe nicht zuerst über die Kosten sprechen.“

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