Regionalkantor Loevenich: „Düren hat ein sehr vielfältiges Angebot“

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Regionalkantor Hans-Josef Loevenich unterrichtet die Nachwuchs-Organisten.

Kreis Düren. Hans-Josef Loevenich feiert in diesen Tagen Dienstjubiläum, er ist seit 25 Jahren Regionalkantor für die Region Düren. Im Gespräch mit unserer Mitarbeiterin Sandra Kinkel spricht er darüber, wie sein Beruf sich verändert hat, warum auch Konzerte mit wenigen Zuschauern Sinn machen und über die Dürener Kulturlandschaft.

Sie sind seit 25 Jahren Regionalkantor in Düren. Was genau sind da Ihre Aufgaben?

Hans-Josef Loevenich: Kurz gesagt bin ich für die Kirchenmusik in der Region zuständig. Ich kümmere mich um Fortbildungen für die Kollegen, trage Bistumsangelegenheiten in die Region. Im Sommer soll es beispielsweise einen bistumsweiten Kinderchortag geben. Außerdem organisiere ich Wallfahrten und kümmere mich um die Ausbildung von Organisten.

Wie viele hauptamtliche Kirchenmusiker gibt es noch in der Region?

Loevenich: Heute gibt es im Kreis Düren 13 hauptamtliche Kirchenmusiker. Als ich angefangen habe, waren es doppelt so viele.

Und woran liegt das?

Loevenich: Es gibt auch nur noch halb so viele Gottesdienstbesucher wie vor 25 Jahren. Aber ganz im Ernst: Das Arbeitsfeld von Kirchenmusikern hat sich stark verändert. Die Zahl der Chorgruppen geht enorm zurück, auch die Zahl der Gottesdienste wird weniger. Und das liegt natürlich in der Tat daran, dass es immer weniger Gottesdienstbesucher gibt. Auf der anderen Seite ist es aber schon heute so, dass es Pfarren gibt, in denen die Kirchenmusikerstellen nicht mehr besetzt werden können, weil es keine Bewerber mehr gibt. Junge Leute wachsen immer seltener mit Kirche auf, da liegt es auch nicht nahe, Kirchenmusiker zu werden. Man muss aber auch sagen, dass es den Beruf des Kirchenmusikers, so wie wir den hier kennen, nur in Nordrhein-Westfalen gibt. In anderen Ländern gibt es Chorleiter oder Organisten, aber eben keine hauptamtlichen Kirchenmusiker.

Wie viele hauptamtlichen Kirchenmusiker wird es in zehn Jahren in der Region geben?

Loevenich: Meine große Hoffnung ist, dass es dann noch einen in Düren und einen in Jülich gibt. Damit können wir zufrieden sein.

Was hat sich in den vergangenen 25 Jahren verändert?

Loevenich: Zum einen sind die Chöre fast alle überaltert. Natürlich weiß ich, dass das kein reines Problem der Kirche ist, auch andere Vereine, wie zum Beispiel die Schützenbruderschaften, haben große Nachwuchssorgen. Ich stelle das auch nur fest. Man muss aber auch sagen, dass wir von einem sehr hohen Niveau kommen. Es hat einfach sehr viele Kirchenchöre mit sehr vielen Sängern in der Region gegeben. Auch Gruppenangebote für Kinder und Jugendliche sind heute keine Selbstläufer mehr. Da müssen wir ganz neue Wege bestreiten.

Zum Beispiel?

Loevenich: Zum Beispiel gehe ich regelmäßig in die Schulen, um mit den Kindern gemeinsam zu singen. In diesem Jahr werden meine Vokalklassen auch zum ersten Mal bei der Erstkommunionfeier in der Annakirche auftreten. So können die Kinder, die keinen Zugang zu Kirche haben, kennenlernen, was dort passiert.

Sie haben durch zahlreiche Veranstaltungen immer versucht, das Dürener Kulturleben mitzugestalten. Warum?

Loevenich: Weil ich glaube, dass das auch meine Aufgabe ist. Alle großen Komponisten waren früher entweder bei der Kirche oder bei einem Fürsten angestellt. Das heißt, dass die Hälfte der tradierten Musik Kirchenmusik ist. Das bedeutet für mich eine Verpflichtung und auch eine Verantwortung. Wir müssen die Menschen an diese Art von Musik heranführen. Aus meinem Jugendchor kommt immer wieder die Bitte, mehr Popmusik zu singen. Denen sage ich dann: Pop und Rock hört Ihr den ganzen Tag, die Musik, die ich Euch vermitteln möchte, hört Ihr sonst nie.

Gerade bei Orgelkonzerten ist die Zahl der Besucher meistens überschaubar.

Loevenich: Ja. Das ist aber auch in Köln oder Aachen nicht anders. Gerade was Orgelkonzerte angeht, sprechen wir von einer Nischenkultur. Es kommt aber nicht auf die Menge von Menschen an, die man mit einem Konzert erreicht, sondern es kommt auf die Qualität des Konzertes an. Sehen Sie: Wenn zu einem Orgelkonzert in der Annakirche 40 Leute kommen, kann ich 40 Leute durch die Musik erreichen. Lasse ich das Konzert ausfallen, weil mir 40 Besucher zu wenig sind, erreiche ich niemanden.

Wie bewerten Sie grundsätzlich die Kulturlandschaft in Düren?

Loevenich: Es gibt in Düren ein sehr reiches Kulturangebot, dass sich sehen lassen kann. Oft hört man die Kritik, dass die Kulturschaffenden sich gegenseitig zu viel Konkurrenz machen, aber ich bin eigentlich der Meinung, dass Konkurrenz das Geschäft belebt. Ich finde, dass Düren sich glücklich schätzen kann, so ein vielfältiges und gleichsam qualitativ hochwertiges Angebot zu haben.

Gibt es einen musikalischen Traum, den Sie sich erfüllen möchten?

Loevenich: So sehe ich meine Arbeit nicht. Ich möchte, die Menschen, die mir anvertraut sind, egal ob alte oder junge Leute, mitnehmen und mit ihnen schöne Konzerte oder überhaupt Musikveranstaltungen auf die Beine stellen. Wenn ich die Musizierenden und auch die Zuhörer dann auch noch zufrieden machen und sogar an den Glauben heranführen kann, habe ich sehr viel erreicht.

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