Kreis Düren - Probleme bei Wiederheirat: Caritas begrüßt neues Arbeitsrecht

Probleme bei Wiederheirat: Caritas begrüßt neues Arbeitsrecht

Von: Burkhard Giesen
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Schon jetzt sei er bei seinen Mitarbeitern sehr entspannt mit dem Arbeitsrecht der katholischen Kirche umgegangen, sagt Chef Gábor Szük. Foto: bugi

Kreis Düren. Wer in der Vergangenheit als Mitarbeiter einer katholischer Einrichtung als Geschiedener erneut heiraten oder gar eine Lebenspartnerschaft eingehen wollte, der konnte mit seinem Arbeitgeber ein Problem bekommen. Statt einem Hochzeitsgeschenk gab es da durchaus schon mal die Kündigung.

Auch bei Einrichtungen im Kreis Düren soll es solche Fälle in der Vergangenheit gegeben haben. Mit den von der Bischofskonferenz verabschiedeten neuen Regelungen zum Arbeitsrecht innerhalb der katholischen Kirche könnte sich das bald ändern. Künftig sollen Kündigungen nur noch als allerletztes Mittel und nur in besonderen Fällen ausgesprochen werden. Stefan Wieland , Sprecher des Bistums Aachen: „Wir gehen davon aus, dass das Bistum Aachen sich die neue Grundordnung zu Eigen machen wird.“

„Ich bin froh, dass sich die Bischofskonferenz endlich bewegt hat“, reagierte Thomas Müller, Vorsitzender der Caritas in der Region Düren-Jülich, auf den aktuellen Beschluss. Für Müller hätte der „mutige Schritt der Bischöfe“ durchaus auch noch etwas weiter gehen können. Dennoch glaubt er, dass die Kirche dadurch ein Stück glaubwürdiger geworden sei und damit vielleicht auch als Arbeitgeber wieder attraktiver werde. Die Caritas selbst hatte sich schon in der Vergangenheit bewegt. Müller: „Lebensentwicklungen sind heute anders, als noch vor 20 oder 30 Jahren.“

Die Caritas hat schon früher keine Kündigungen ausgesprochen, wenn ein Geschiedener wieder heiraten wollte. Das bestätigt auch Caritas-Geschäftsführer Dirk Hucko: „Wir haben es auch mit der bisherigen Regelung immer versucht und geschafft, Wiederverheiratete bei uns zu beschäftigen und auch keine Mitarbeiter aus solchen Gründen entlassen. Es ist sehr zu begrüßen, dass die neue Grundordnung diese Praxis der Caritas Düren-Jülich bestätigt.“ Zumal, so Hucko weiter, „sie der Lebenswirklichkeit der Menschen entspricht“.

Die Praxis, eher liberal mit der Problemlage umzugehen, wurde in der Vergangenheit auch bei der Caritas Trägergesellschaft West, die im Kreis Düren vier Krankenhäuser betreibt, so gehandhabt. Geschäftsführer Gábor Szük: „Ich habe immer die Auffassung vertreten, dass wir in solchen Fällen keine Kündigungen aussprechen mussten, zumal die Gerichte sehr unterschiedlich über solche Kündigungen geurteilt haben.“

Einen Schritt weiter

Szük interessiert es nicht, ob ein geschiedener Chefarzt erneut heiratet, oder der schwule Pfleger seinen Partner ehelichen will. „Erstens erfahre ich das meistens gar nicht und zweitens muss ein Arbeitgeber nicht in alles seine Nase stecken“, sagt er deutlich. Szük geht sogar noch einen Schritt über den Beschluss der Bischofskonferenz hinaus. Die spricht von einer „besonderen Loyalitätsbindung“ in herausgehobenen Beschäftigungsverhältnissen. „Ich fände es ungerecht zu sagen: Beim Pfleger lasse ich das durchgehen, aber beim Chefarzt mache ich dann einen Unterschied“, sagt Szük.

Die „besondere Loyalitätsbindung“ könnte aber auch weiterhin ein Knackpunkt sein, weil mit ihr oft auch eine Vorbildfunktion verknüpft wird. Das sollen in der Vergangenheit zum Beispiel Erzieherinnen und Leiterinnen von Kindertageseinrichtungen zu spüren bekommen haben, die bei Wiederheirat oder der Eintragung einer Lebenspartnerschaft ihren Job aufgeben mussten.

Zwei oder drei dieser Fälle soll es im Kreis Düren gegeben haben – jedoch nicht bei der gemeinnützigen Profinos GmbH, die seit fünf Jahren im Kreis Düren 32 katholische Kindergärten betreibt. Geschäftsführer Thomas Pick: „Wir haben in diesem Zusammenhang in keinem Fall in ein Arbeitsverhältnis eingegriffen.“

Und das nicht nur, weil es keinen Fall gab, in dem er es gemusst hätte, wie Pick versichert. Käme da ein Problem auf ihn zu, würde er immer den Einzelfall untersuchen. „Ich würde mir anschauen, wie die Erzieherin mit den Kindern umgeht, wie sie unsere Werte vermittelt“, sagt Pick, der freimütig bekennt, dass die Bischöfe mit dem neuen Arbeitsrecht „ein Problem aus dem Weg geräumt“ hätten.

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