Heimbach - Priester Blumenthal rückt aus, wenn der Piepser klingelt

Priester Blumenthal rückt aus, wenn der Piepser klingelt

Von: Gudrun Klinkhammer
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Der Heimbacher Priester Christian Blumenthal engagiert sich bei der Feuerwehr und rückt mit zu Einsätzen aus. Foto: gkli

Heimbach. Im Sauseschritt verlässt Pfarrvikar Dr. Christian Blumenthal die Kirche, in der er gerade zu tun hatte. Am Gürtel trägt er einen Feuerwehrmelder, der schlug vor wenigen Sekunden Alarm. Auch in der Nacht hat der 34-Jährige keine Probleme, aus dem Bett zu springen und zu einem Verkehrsunfall oder einem brennenden Haus zu fahren.

Dann zieht er sich in Windeseile die Uniform eines Feuerwehrmanns an und begibt sich genau dort hin, wo die Menschen sich plötzlich in großer Not befinden. Christian Blumenthal ist nicht ausschließlich Pfarrvikar in der Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) Heimbach/Schmidt/Nideggen, sondern auch Feuerwehrmann und Feuerwehrpriester. Blumenthal: „Ich rücke bei jedem Einsatzstichwort aus.“ Bei sieben Einsätzen war er inzwischen vor Ort. Alleine an der Schulterklappe der Uniform unterscheidet er sich von seinen Kollegen. Die Schulterklappe zieren keine Streifen, sondern ein eingesticktes Kreuz.

Mit dem Crossover von Priester und Feuerwehrmann, das zunächst etwas merkwürdig anmutete, geht der sportliche Geistliche in der Region neue Wege. Inzwischen wurde ihm klar: „So weit sind die beiden Tätigkeiten gar nicht voneinander entfernt, wie es zunächst schien. Die Schnittmenge ist ungeahnt groß.“ Sein Respekt vor den ehrenamtlichen Feuerwehrleuten ist inzwischen enorm gewachsen: „Erstaunlich, wie viel technisches Verständnis die Feuerwehr-Kameraden besitzen und wie viel Zeit sie investieren, um anderen Menschen in Notlagen zu helfen.“

Auf die Idee, den Altarraum zu verlassen und als Mitglied der Feuerwehr zu einem Einsatz mit zu fahren, brachte ihn sein jüngerer Bruder Josef Blumenthal. Dieser leitet seit einigen Jahren die Löschgruppe Heimbach. Helfende Hände werden dort stets gesucht. Christian Blumenthal: „Wenn der Melder anschlägt, dann fahre ich mit raus, egal, was anliegt. Wichtig ist mir, dass ich in der Feuerwehr nicht als Fremdkörper wahrgenommen werde. Der Einsatzleiter bestimmt, was ich zu tun habe.“

Handelt es sich beispielsweise um einen schweren Verkehrsunfalls, wo mit Menschen in Extremsituationen gesprochen oder ihnen zugehört werden sollte, dann widmet sich Christian Blumenthal diesem Part so lange, bis professionelle Hilfe in Form des Kriseninterventionsdienstes, der Notfallseelsorge oder des Einsatzkräfte-Nachsorge-Teams eingetroffen ist. Blumenthal: „Mit diesen Organisationen arbeite ich Hand in Hand, das funktioniert sehr gut.“

Der Seelsorger ist sich aber auch nicht zu fein, die Hemdsärmel aufzukrempeln und eine Ölspur abzustreuen, wenn seelische Erstversorgung nicht von Nöten ist. Auch auf diesem Gebiet lernt er derzeit kräftig hinzu, obwohl er weiterführende Lehrgänge kaum besuchen kann. Denn diese finden meistens am Wochenende statt, wenn der Gottesmann Messen halten muss. Ausnahmesituationen gibt es auch, in denen der Priester dem Feuerwehrmelder nicht Folge leistet: Etwa während der Sonntagsmesse, während Trauergesprächen oder Beerdigungen. Ansonsten: Rappelt der Piepser, dann ist der Pfarrer weg.

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