Poststreik kommt im Jülicher Land an

Von: Daniela Mengel-Driefert
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Alle Arbeitnehmer vom Stützpunkt Inden sind in den Streik getreten. Betroffen sind 25 Zustellbezirke in Inden, Langerwehe und Niederzier. Täglich kommen neue Stützpunkte nach Verdi-Angaben dazu. Foto: Mengel Driefert

Inden/Jülicher Land. Gestreikt wird seit Freitag – in Inden, Niederzier und Langerwehe. Wer dringend Post erwartet, könnte Pech haben. „Seit voriger Woche sind alle Arbeitnehmer in den Streik getreten“, sagt Verdi-Sprecherin Kerstin Rey vom Stützpunkt Inden. Der Streik ist unbefristet, wann Schluss ist, kann sie nicht sagen; wie es weitergeht schon.

Nach und nach werden weitere Stützpunkte in den Streik treten. Wann und wo weiß sie nicht, doch vorstellbar wird, welche Auswirkungen zu erwarten sind. Auch wenn heute noch Post im Briefkasten liegt, kann das morgen anders sein.

Rund 25 Post- und Paketzusteller in Inden streiken und unterstreichen damit ihre Forderungen. „Wir wollen, dass die Tochtergesellschaften wieder rückgängig gemacht werden“, sagt einer der Streikenden deutlich, möchte aber nicht in der Zeitung namentlich genannt werden.

49 Regionalgesellschaften

Damit ist das Problem auf den Punkt gebracht. Die Post hat 49 Regionalgesellschaften gegründet, bot ihren Paketzustellern unbefristete Verträge an, aber – das ist der Knackpunkt – mit rund 20 Prozent Lohneinbußen. Doch nicht nur das. Auch die Lohnstufen entfallen, sagt Paketzusteller Frank Müller.

Zur Erklärung: Während Mitarbeiter der Post, alle zwei Jahre in der Lohnstufe nach oben stiegen, entfalle diese Regelungen in den Verträgen der Regionalgesellschaften. Also, wer einen unbefristeten Vertrag der Regionalgesellschaft annimmt, der muss mit einem deutlich weniger gefüllten Geldbeutel rechnen. Bis dato betrifft diese Regelung ausschließlich die Paketzusteller, doch die Angst geht bei allen Mitarbeitern um. Walter Wangerow ist seit 30 Jahren Briefzusteller. In seinem Bezirk kenne ihn jeder. Doch auch er habe Angst. Die Befürchtung ist, dass noch weitere Regionalgesellschaften gegründet werden.

Nun kommt so ein Streik nicht von heute auf morgen. Meist dampft der Kochtopf schon längere Zeit. Schon 2002 befürchteten die Mitarbeiter die aktuelle Entwicklung. Um die Gründung von Regionalgesellschaften zu verhindern, wurde vor Jahren ein Schutzvertrag vor Fremdvergabe geschlossen.

Die Arbeitnehmer verzichteten damals als Zugeständnis auf 25 Prozent Überstundenzuschläge, zwei freie Tage und Kurzpausen. Genutzt habe das nichts, denken viele heute. „Daran hat sich die Post nicht gehalten“, sagt Verdi-Sekretär Bernd Lind. Das seien Gehaltseinbußen und schlechtere Arbeitsbedingungen „für nichts“ gewesen.

Das erbost die Arbeitnehmer, denn die Post habe seit der Privatisierung steigende Gewinne gemacht, schimpft Paketzusteller Klaus Wesseling. Der Paketmarkt boome – bedingt durch das Onlinegeschäft. „Letztlich geht es nur darum, die Aktionäre zu bedienen“, sagt Wesseling mit leichter Resignation.

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